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Eine Liebeserklärung an 1860: Warum der Aufstiegs-Sonntag mein schönster Tag als Löwenfan war

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Von: Stefan Huber

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Ein Bild voller Glückseligkeit - gerade ist der TSV 1860 München  in die 3. Liga aufgestiegen.
Ein Bild voller Glückseligkeit - gerade ist der TSV 1860 München  in die 3. Liga aufgestiegen. © Stefan Huber

Ich habe mit meinen Löwen schon einiges durchgemacht. Vom Derbysieg über die Last-Minute-Rettung bis zum bitteren Abstieg 2017. Der 27. Mai 2018 hat aber alles übertroffen, was ich bisher mit Sechzig erleben durfte.

München - Am 12. September 1999 begann meine Reise mit den Löwen in der Bundesliga. Gegner war damals Eintracht Frankfurt, 1860 München gewann 2:0, Martin Max und Harald Cerny schossen die Tore.

Zweieinhalb Monate später fand ich mich in den Armen einer wildfremden Frau wieder, die mich hochgehoben und an sich gedrückt hatte. Grund war Thomas Riedls Schuss ins Glück, der meinen Löwen den 1:0-Derbysieg über den FC Bayern brachte. Kurz zuvor hatte ich meinen siebten Geburtstag gefeiert.

Nach einem zweiten Derbysieg in derselben Saison spielten die Löwen sogar in der Qualifikation zur Champions League. Ich kannte meinen Verein nur erfolgreich. Doch das sollte das letzte Highlight für ganz lange Zeit sein. 

2004, 2015 - und dann kam 2017

2004 der Abstieg, 2015 der Fast-Abstieg in die 3. Liga - es tat oft weh ein Löwe zu sein. Beim Fußball, in der Schule, als Student - überall musste ich viel Häme einstecken, weil ich meinem Verein die Stange hielt. Einmal Löwe, immer Löwe.

Als ich dann letztes Jahr zusehen musste, wie mein Verein im Relegations-Rückspiel sang- und klanglos abstieg, tat es mir ganz tief im Löwenherzen weh. Es flossen nur deswegen keine Tränen, weil alles leer war. Nur zwei Wochen zuvor bin ich als Spieler in die Bezirksliga aufgestiegen, aber in diesem Moment hätte mich gar nichts trösten können.

Dann kam diese Regionalliga-Saison, die alles verändern sollte und das auf beeindruckende Weise geschafft hat. Und das Beste kam auch in diesem Fall zum Schluss.

Erst Schockstarre, dann grenzenloser Jubel

Sonntag, 27. Mai 2018, Westkurve, Block H, 15.15 Uhr: Gerade hat der 1.FC Saarbrücken das 2:0 erzielt, was bedeuten würde, dass der TSV 1860 auch 2018/19 in der Regionalliga spielen würde. Schockstarre bei mir und tausenden anderen Löwen-Fans. Aber nur ein paar Herzschläge lang; dann geht es weiter mit den Anfeuerungen für unsere elf Löwen auf dem Rasen im Grünwalder Stadion. Noch ist nichts verloren.

Zehn Minuten später gibt es Elfmeter. Der Jubel beim Pfiff wird nur durch den übertroffen, der ertönt, als Sascha Mölders (“Fußballgott“) den Ball eiskalt links unten versenkt. „1 - 8 - 6 - 0 - oleeeeo, Bamboooleeo, Bamboooleeo“ tönt es aus tausenden Kehlen. Ich umarme mehrere, mir komplett fremde Menschen, reiße meinen Bruder fast um und schreie meinen Jubel laut heraus - ich kann kaum in Worte fassen, wie mein Löwenherz fast explodiert wäre.

Als Schiedsrichter Markus Schmidt nach quälend langen fünf Minuten Nachspielzeit endlich das Spiel abpfeift, wissen viele nicht, ob sie jubeln sollten. Ungläubiges Starren, laute Jubelschreie, wilde Umarmungen - es ist wirklich alles dabei an diesem historischen Sonntag. 

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Meppen 1994? Giasing 2018!

Endlich weiß ich, wie geil es ist, mit Sechzig aufzusteigen. Endlich kann ich die Erzählungen vom Aufstieg der Löwen in Meppen 1994 mit dem von Giesing 2018 beantworten. Als die Tore zum Platz sich öffnen, werde ich mitgerissen und lasse mich einfach bis auf den Rasen des Sechzger treiben. Als einer der Ersten habe ich ein Stück vom Tornetz des Gehäuses vor der Westkurve ergattert und es erst eine Stunde später in meiner Tasche verstaut. Ungläubig stehe und sitze ich dann im Mittelkreis, nachdem ich mit der Mannschaft und tausenden Fans gejubelt habe.

Doch die Löwen-Party an diesem alles andere als normalen Sonntag ist noch lange nicht vorbei. Bewaffnet mit ein paar Freibier geht es vor dem Stadion weiter, wo die Mannschaft von einem Stadtrundfahrts-Doppeldecker aus mit den Fans feiert. Löwenmut, Bamboleo, der Sechzgermarsch, Mit Leib und Seele, Herz von Giesing oder eine Yaya-Kolo-Variante mit Nono Kossou (“Nono, Nono Koussouuuu“) - es wird alles gesungen, was das Liederbuch der Löwen hergibt. Und ich schreie jede Zeile, jedes Wort mit. 

Reggae in Altgiesing - und Lieder im heimischen Wohnzimmer

Während die Löwen sich in Richtung Trainingsgelände aufmachen, feiern wir mit hunderten anderen Löwenfans in Altgiesing weiter. Wechselgesänge zwischen der Bar „Altgiesing“ und dem „Riffraff“ auf der anderen Straßenseite, Tänze zu original Giasinger Reggaemusik (“Giasing, one-eighteen sixty Munich“) und jede Menge Alkohol - einfach herrlich.

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Um halb 12 war ich daheim - und habe mit meinem Bruder noch bis 2 Uhr morgens Löwen-Lieder bei uns im Wohnzimmer gesungen. Den Schal auf dem Kopf grölten wir, bis uns die Stimmen versagten. Und sanken danach todmüde ins Bett.

Ich werde den 27. Mai 2018 nie vergessen. Dieser Tag entschädigte für unzählige Spiele, die Sechzig verlor, Abstiege, Trauer und jede Menge blöde Sprüche, die ich mir als Löwe durch und durch anhören musste. Es war der allerschönste Tag, den ich als Löwenfan je erleben durfte.

Es gibt Tage, die sollten nie enden. Am Sonntag war so ein Tag. Einmal Löwe, immer Löwe.

Stefan Huber

Der Autor ist Löwe von Kindesbeinen an. Geboren 1992, als die Löwen noch in der Bayernliga spielten, wurde er schon als kleiner Bua vom Löwenvirus infiziert. Aktiver Fußballer seit 20 Jahren, aktiver Stadiongänger seit 1999 und auch beruflich mit dem Sport eng verbunden. Er hat 2018 seinen Master in Sportmanagement bestanden und würde für einen Job bei den Löwen zu Fuß bis Alaska gehen.

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