Vor Spiel gegen Jena

Luxusproblem im Löwen-Angriff: „Soll ich jetzt Sascha Mölders rausnehmen?“

1860-Trainer Köllner hat ein Luxusproblem.
+
1860-Trainer Köllner hat ein Luxusproblem.

Vor dem Spiel gegen Jena analysiert Löwen-Coach Köllner die Lage. Im Angriff hat er mittlerweile ein Luxusproblem.

  • Die Löwen schwimmen gerade auf einer Erfolgswelle, sind seit 13. Spielen ungeschlagen.
  • Trainer Michael Köllner hat mittlerweile ein Luxusproblem im Angriff.
  • Köllner verurteilt die Hetzt gegen Dietmar Hopp und Hasan Ismaik.

München - Professionelle Spielvorbereitung und eine hohe Bereitschaft, Belastungsgrenzen zu überschreiten. Was Michael Köllner von seinen Spielern fordert, lebt er täglich vor. Eine Kostprobe dieses Eifers durfte auch seine Frau am Wochenende erleben, nachdem die Löwen samstags Chemnitz niedergerungen (4:3) und vor dem Sonntagsbrunch auch noch ein Testspiel gegen Rain am Lech bestritten hatten (3:2).

1860-Coach Köllner bereitet sich auf Jena vor, anstatt Zeit mit der Familie zu verbringen

Die erste Handlung, als der 1860-Coach endlich bei der Familie eintraf: Er schaltet den Fernseher an, um sich bei Magenta ein Spiel von Jena anzuschauen, dem morgigen Auswärtsgegner. „Klar, dass man da nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird“, schilderte der Arbeitswütige die überschaubare Reaktion seiner besseren Hälfte.

Auch die Pressekonferenz vor dem Jena-Spiel hatte Köllner wie immer akribisch vorbereitet. Vor ihm lagen zwei DIN-A4-Seiten, sauber mit gefetteten Unterpunkten gegliedert. Köllner redete trotzdem frei – auch von der Leber weg, denn im Rahmen seines 42-Minuten-Monologs (Stichwort: über die Grenzen gehen), ließ er kein Thema aus, ob sportlich und seine Löwen betreffend oder politisch, die Lage im deutschen Fußball streifend.

1860 seit 13. Spielen ungeschlagen - Köllner trotz „Sch…ding“ nicht sauer auf Bekiroglu

Erfreulichstes Thema war die stolze Erfolgsserie, die seine Löwen auch morgen in Jena fortsetzen wollen. 13 Partien ohne Niederlage sind ein Lauf, den im deutschen Profifußball weder Drittligaaufsteiger Waldhof (12) noch der FC Bayern (10) vorweisen kann. Für Köllner „sicherlich eine tolle Bestätigung für unseren Weg“, sagte er, „aber leider kriege ich nichts dafür. Weder habe ich vom Geschäftsführer eine Lohnerhöhung bekommen noch einen Punkt mehr auf dem Konto.“

Zwei Punkte gekostet hätte die Löwen beinahe einer der Besten: Efkan Bekiroglu. Sein Katastrophen-Fehlpass vor dem 3:3 war in der Nachbereitung des Chemnitz-Spiels ein Thema, öffentlich wollte Köllner aber nicht mehr näher darauf eingehen. „Wir können jetzt wochenlang psychologische Ränkespiele aufführen, warum er das gemacht hat. Ist er in Verhandlungen mit einem anderen Verein? Käse! Efkan ist 100-prozentig konzen­triert und weiß selber, dass das einfach ein ­Sch…ding war.“

Wettgemacht hat den Lapsus Prince Osei Owusu, der nach seinem Last-Minute-Siegtor auf einen Startelf­Einsatz hoffen darf. „Verdient hätte er sich den“, sagt Köllner, gibt aber zu, plötzlich ein Luxusproblem im Angriff zu haben: „Soll ich jetzt Sascha Mölders rausnehmen? Oder Stefan Lex, der das Spiel mit einer überragenden Leistung auf unsere Seite gezogen hat?“ Tendenz: Für die Bielefeld-Leihgabe bleibt erst mal die ungeliebte Jokerrolle.

Köllner über Hopp und Ismaik: „Was ist, wenn das mein Gesicht wäre?“

Zum Schluss seines Vortrags streifte Köllner auch noch die großen Themen dieser Woche – den Sittenverfall in der deutschen Gesellschaft und in Teilen der Fankurve, Stichwort Hopp und Ismaik. „Man muss sich immer vorstellen: Was ist, wenn das mein Gesicht wäre?“, sagte Köllner zu den ominösen Hassplakaten: „Ich denke, es würde sich keiner darüber freuen, wenn er mit wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen diffamiert wird. Ich verurteile das grundsätzlich. Das Miteinander geht verloren. Wir überschreiten Grenzen in den sozialen Medien – und das ufert auch im normalen Leben aus.“

Und damit zurück zum Sport – und zum morgigen Spiel, über das Köllner sagt: „Jena ist der Regionalliga tabellarisch recht nah. Die werden alles daran setzen, um gegen uns noch mal den Turn­around zu schaffen.“ Erfreulich für 1860: Daniel Wein ist wieder fit. Ersetzen muss Köllner dagegen den gelbgesperrten Dennis Erdmann. 

Uli Kellner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

“Löwenstüberl“ in der Corona-Krise: Wirt Lankes versucht‘s mit Kreativität
“Löwenstüberl“ in der Corona-Krise: Wirt Lankes versucht‘s mit Kreativität
3. Liga: Enger Terminkalender - eine Änderung trifft den FC Bayern hart
3. Liga: Enger Terminkalender - eine Änderung trifft den FC Bayern hart
Leistungstests beim TSV 1860 München - Fragezeichen in der Abwehr
Leistungstests beim TSV 1860 München - Fragezeichen in der Abwehr
TSV 1860: Löwen starten neue Mission - Mit Sauerstoffmasken und viel Risiko
TSV 1860: Löwen starten neue Mission - Mit Sauerstoffmasken und viel Risiko

Kommentare