Nach dem Klassenerhalt

Machtkampf: Wer hat das Sagen bei 1860?

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Löwen-Sportchef Gerhard Poschner

München - Bei Auseinandersetzung über den umstrittenen Sportdirektor geht es auch um die Frage: Wer hat bei 1860 das Sagen? Außerdem gibt es Gerüchte um Felix Magath.

Der Luftkurort Bodenmais zählt zu den gefragtesten Ferienzielen in deutschen Landen. Das am Fuß des Großen Arbers gelegene Idyll ist umgeben von Bergen und Wäldern – ein ideales Refugium also für gestresste Fußballprofis. Die Meldung, dass der TSV 1860 dort vom 24. bis 26. Juni sein Auftakttrainingslager verbringen wird, ist dennoch etwas erstaunlich. Eben erst wurde die Saison zu einem glücklich Ende gebracht – und nun sollen die geschlauchten Kicker schon in zweieinhalb Wochen wieder ran. Noch ungeklärt ist zudem, mit welchen Insassen der Teambus gen Bayerischer Wald rollen wird. Trainer, Sportdirektor, Spieler – hinter allen steht ein großes Fragezeichen.

Dass es in diesen Tagen mit der Entscheidungsfreudigkeit beim TSV 1860 nicht sonderlich weit her ist, liegt allerdings nicht nur an den Nachwirkungen des Abstiegskampfes. Vielmehr scheint nun der Machtkampf auf Führungsebene erst richtig in Gang zu kommen. Im Mittelpunkt steht dabei Gerhard Poschner. An ihm entzündet sich nicht nur die Kritik für seine missratene Kaderzusammenstellung. Er verkörpert momentan auch die Zerreißprobe, die dem Verein womöglich bevorsteht. Es geht also auch um den Dissens zwischen Präsident Gerhard Mayrhofer und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik. Bekanntlich herrscht zwischen den beiden schon seit Monaten Funkstille, und auch die Personalie Poschner dürfte nicht zur Normalisierung des aktuellen Nicht-Verhältnisses beitragen. Denn Mayrhofer will sich von Poschner trennen, Ismaik hält die schützende Hand über den umstrittenen Sportdirektor. Genau genommen geht es in dieser Angelegenheit auch um die Frage: Wer hat beim TSV 1860 das Sagen – Mayrhofer oder Ismaik?

Mittlerweile hat Mayrhofer von Siegfried Schneider, dem Vorsitzenden des 1860-Verwaltungsrates, Unterstützung erhalten. Gegenüber unserer Zeitung bekräftigte dieser am Freitag: „Ich gehe davon aus, dass Herr Poschner seine Konsequenzen zieht und von sich aus abtritt.“ Schneider sieht in diesem Zusammenhang Eile geboten. Am 21. Juni treffen sich die Löwen zur Mitgliederversammlung. „Bis dahin muss geklärt sein, wer Trainer sein wird, wer Sportdirektor sein wird, wer den Kader zusammenstellt.“

Auf Investorenseite wiederum wird zumindest in punkto Poschner kein Handlungsbedarf gesehen. Noor Basha, Ismaiks Stellvertreter in München, ließ verlauten: „Gerhard Poschner bleibt Sportchef. Von meiner und auch Hasans Seite aus gibt es keinen Grund, etwas zu ändern. Ich glaube an diesen Weg. Er braucht Vertrauen.“ Doch eben das ist während der vergangenen Saison gewaltig geschwunden. 13 neue Spieler hat Poschner geholt: U. a. drei Spanier (Rodri, Sanchez, Bedia), einen Ungarn (Simon), einen in Polen spielenden Südafrikaner (Claasen), einen Österreicher aus Dänemark (Okotie), einen Ghanaer (Annan) aus Finnland, einen Albaner (Rama) aus Spanien, einen Uruguayer (Kagelmacher) aus Frankreich, einen Brasilianer (Leonardo) aus Ungarn, einen Schweizer (Angha). Die Multi-Kulti-Rechnung ist nicht aufgegangen, 1860 wäre um ein Haar abgestiegen. Dass Ismaik zu Poschner steht, ist nur schwer nachzuvollziehen. Mittlerweile hält auch die Mehrheit des 1860-Verwaltungsrates Poschner für gescheitert.

Zusätzlichen Zündstoff birgt die Trainerfrage. Schon länger ist bekannt, dass Mayrhofer starke Sympathien für Felix Magath hegt. Angeblich hatte man mit dem Startrainer in der abgelaufenen Saison sogar schon Einigkeit erzielt, doch Ismaik legte sein Veto ein. Magath ist angeblich immer noch ein heißes Thema bei 1860 – sehr zu Ismaiks Missfallen, der offenbar mehr zu Torsten Fröhling tendiert.

Es spricht also einiges dafür, dass es hinter den 1860- Kulissen gewaltig krachen wird. Auf harmonischere Rahmenbedingungen dürfen sich die Löwen im Trainingslager gefasst machen. Der dortige Tourismuschef Bernhard Mosandl ließ bereits wissen: „Wir werden ein perfekter Gastgeber für die gerade im Bayerischen Wald ausgesprochen beliebte Mannschaft der Sechzger sein.“ Nicht überall ist die Welt so heil wie in Bodenmais.

VON ARMIN GIBIS

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