Ex-Löwe kehrt zurück

Gibt's am Samstag wieder Tränen? Kurz im tz-Interview

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Marco Kurz freut sich auf seine Rückkehr nach München.

München - Marco Kurz kennt die Löwen bestens aus einer Zeit als Spieler und Trainer beim TSV 1860. Am Samstag kehrt der Coach mit Fortuna Düsseldorf an seine alte Wirkungsstätte zurück - das tz-Interview:

Insgesamt neun Jahre war Marco Kurz für den TSV 1860 tätig. Erst sechs als Spieler (1998 bis 2004), später drei als Trainer (2006 bis 2009). Fast auf den Tag genau vor sieben Jahren ist der jetzt 46-Jährige entlassen worden. Am Faschingsdienstag. Ein Rauswurf, der ihm sehr weh tat. Am Samstag kehrt er als Trainer von Fortuna Düsseldorf wieder mal nach München zurück, gegen den Verein, mit dem Kurz auch viele sentimentale Erinnerungen verbinden. Die tz sprach mit ihm.

Herr Kurz, was war Ihr emotionalstes Erlebnis in Ihrer Zeit bei 1860?

Kurz: Das waren zwei, beide am 27. November 1999. In der Nacht ist meine jüngere Tochter Luisa zur Welt gekommen, ich hatte nicht geschlafen, bin erst morgens ins Mannschaftshotel gekommen, wo wir uns auf das Lokalderby vorbereiteten. Trainer Werner Lorant meinte, ich solle mich hinlegen zum Schlafen. Da habe ich ihm gesagt: Ruhe zu finden ist unmöglich, ich habe doch gerade eine Tochter bekommen. Und beim nächsten Blickkontakt war klar, dass ich spielen werde. Dann haben wir ein fantastisches Spiel gemacht mit dem langersehnten und hochverdienten 1:0-Sieg, dem ersten nach 22 Jahren gegen den FC Bayern. Das war ein Riesenwochenende.

Mit einer sehr emotionalen Reaktion von Ihnen nach dem Schlusspfiff. Sie saßen auf dem Rasen und haben geweint...

Kurz: Ja, da bricht dann natürlich viel raus. Es ist doch eine große Anspannung mit wenig Ruhe gewesen, es waren unbeschreibliche Gefühle.

Wie blicken Sie heute auf das Ende Ihrer Trainerzeit in München zurück?

Kurz: Trainerentlassungen sind immer eklig. Es war damals sehr turbulent und immer unruhig. Nach einer so langen Zeit ist das nicht einfach gewesen. Aber das habe ich aufgearbeitet und schnell abgehakt unter der Rubrik: Das gehört dazu. Ich habe den Blick schnell nach vorne gerichtet.

Und am Samstag gibt es ein Abstiegsduell gegen Ihren alten Klub. Was empfinden Sie vor der Reise in die Vergangenheit?

Kurz: Zurückzukommen nach München ist natürlich etwas Besonderes für mich. Ich habe eine große Verbundenheit zu der Stadt und auch zu 1860. Für Fortuna ist das ein sehr wichtiges Spiel, für Sechzig auch. Ich glaube, die Löwen stehen unter dem Erfolgsdruck, die Partie gewinnen zu müssen. Es geht um was, da freue ich mich drauf. Solche Spiele sind immer gut.

Besitzen Sie noch Erinnerungsstücke aus Ihrer Zeit bei 1860?

Kurz: Oh ja, davon habe ich viele, ich war ja lange genug bei diesem Klub. Es gibt keine Lieblingsstücke, aber zum Beispiel viele Trikots und Bilder. Ich hänge diese Dinge jedoch nirgendwo auf. Die habe ich alle in einer schönen Kiste verstaut.

Wo der Papa arbeitet, spielt der beste Verein, haben Ihre Töchter Luisa und Melissa einmal stolz gesagt. Werden die beiden am Samstag im Stadion sein – und zu welchem Verein werden sie halten?

Kurz: Die sind schon für den Papa, aber die Kleine (Luisa, 16) wird in der Kurve bei 1860 stehen – und zwar im Trikot der Löwen. Das soll auch so sein (lacht). Von daher: In ihrer Brust schlagen am Samstag zwei Herzen.

Sie waren seit Ihrer Entlassung in Ingolstadt Ende September 2013 arbeitslos. Was haben Sie in den 27 Monaten bis zu Ihrem Dienstantritt bei Fortuna Düsseldorf gemacht?

Kurz: Ich habe in München gelebt und die Pause genutzt, um Dinge aufzuarbeiten, zu reflektieren und über den Tellerrand hinauszuschauen. Es bedarf solcher Phasen, um zu wachsen, ich habe mich weiterentwickelt und viel gelernt. Eben auch aus den Begebenheiten, die nicht positiv verlaufen sind. Ich habe viel hospitiert, Begegnungen gehabt mit Kollegen. Das ist ein Luxus, den es im normalen Spielbetrieb nicht gibt: Sich einmal in verschiedenen Ligen zu bewegen, auch im Jugendfußball und im Ausland.

Interview: Herbert Spies

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