„Habe es ja herausgefordert“

TSV 1860: Marius Willsch spricht über seine Verletzung und die Perspektiven mit den Löwen

Warnsignal: Im Derby gegen Bayern II wurde Willsch (Mitte) unter Schmerzen vom Platz geführt.
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Warnsignal: Im Derby gegen Bayern II wurde Willsch (Mitte) unter Schmerzen vom Platz geführt.

Marius Willsch hat in der vergangenen Saison alles für den TSV 1860 gegeben. Jetzt fällt der Dauerläufer aus - womöglich sehr lange. Das Interview.

München – Er habe sich im Saison-Endspurt für die Mannschaft „aufgeopfert“, sagen Löwen-Trainer Michael Köllner und -Sportchef Günther Gorenzel über Marius „Mäsch“ Willsch (30), der sich als Folge mit einer Schambeinentzündung herumplagen muss. Willsch spricht darüber im Interview.

Marius, wie geht’s Ihnen?
Könnte schlechter sein, danke! Ich bin jetzt seit zwei Wochen täglich im Rehazentrum gegenüber des Grünwalder Stadions und habe das Gefühl, dass es langsam aufwärts geht. Eine Schambeinentzündung ist eine schwierige Verletzung. Bei einem Bänderriss weißt du, dass es in vier Wochen wieder geht, bei einem Kreuzbandriss in sechs, sieben Monaten. Aber beim Schambein ist alles drin, von einem Monat bis zu einem Jahr.
Wie muss man sich die Reha vorstellen?
Ich mache jeden Tag ein spezielles Training, um die Muskeln rund ums Schambein zu stärken. Das ist das einzige, was du tun kannst. Es braucht viel Ruhe und Geduld, die Entzündung muss abklingen.
Ihr Kollege Tim Linsbichler hatte auch eine Schambeinentzündung. Konnten Sie sich Tipps holen?
Ich hab oft und lange mit dem Tim gesprochen, auch bei ihm haben diese Muskelübungen geholfen. Dazu schaue ich natürlich viel im Internet, wie andere Spieler mit dieser Verletzung umgehen. Dominik Szoboszlai von RB Leipzig zum Beispiel, der ist jetzt wieder komplett fit.
Wie gut haben Ihnen die Social-Media-Grüße der Mannschaft aus dem Trainingslager getan?
Sehr gut, das war ein tolles Zeichen und ganz wichtig für Kopf und Herz. Auch mit dem Trainer und Günther Gorenzel bin ich in regelmäßigem Austausch. Es ist ein blöder Zeitpunkt, weil ich die Vorbereitung verpasse, aber…
Aber?
Ich hab’s ja herausgefordert. Die Schmerzen sind schon Ende April gekommen, Anfang Mai hat sich bei einer MRT herausgestellt, dass es Richtung Schambein geht.
Und trotzdem haben Sie weitergespielt.
Mit Schmerztabletten ist es gegangen. Die Ärzte wollten mich aus dem Verkehr ziehen, aber das war für mich keine Option. Ich hab gesagt, dass ich das auf eigene Verantwortung durchziehe, weil ich die Mannschaft nicht im Stich lassen will. Wenn es um die goldene Ananas gegangen wäre, okay, aber mit dem Ziel des Aufstiegs vor Augen…
Konnten Sie 100 Prozent bringen in den Spielen?
Ja, mit den Tabletten ging’s. Gegen Bayern II musste ich nach einer Stunde raus, in Wiesbaden hab ich eine Woche später wieder 90 Minuten gespielt. Beim letzten Spiel in Ingolstadt war klar, dass ich gehe, als Marco Hiller den Platzverweis bekommen hat.
Günther Gorenzel spricht vom Herbst als Comeback-Termin. Und Sie?
Ich setze mich nicht unter Druck, aber meine Hoffnung ist, dass ich vielleicht noch im August wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Das wäre der Optimalfall.
Und wie groß ist Ihre Hoffnung, dass es dieses Mal mit dem Aufstieg klappt?
Die Saison ist lang, aber wir wollen uns verbessern, nicht nur sportlich, auch in der Tabelle. Mit den neuen Spielern haben wir jetzt mehr Möglichkeiten zu reagieren, das war in der letzten Saison hintenraus schon ein Manko. Ich hab ein gutes Gefühl.

Das Interview führte Ludwig Krammer.

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