Möhlmann: "Hätte Zeit für eine Relegation"

Löwen mit neuer Mentalität und zwei Stürmern

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Hätte ein gutes Gespann werden können: Sturmhoffnung Sascha Mölders und Sturmtalent Marius Wolf (r.), der vor einem Wechsel zu Hannover 96 steht.

München - Beim Trainingsstart des TSV 1860 gibt sich der gut erholte Löwen-Trainer Benno Möhlmann angriffslustig: "Ich hätte Zeit für eine Relegation", sagt er.

Mittags vor dem Kabinentrakt liefen sie sich über den Weg. Der eine bog selbstbewusst um die Ecke, mit einem breiten Lächeln – der andere wirkte nachdenklich, fast verunsichert. Marius Wolf, 20, und Sascha Mölders, 30, waren die meist beachteten Spieler beim Trainingsstart des TSV 1860. Beide wurden viel geherzt, beide mussten viele Hände schütteln. Der eine, weil er geht, der andere, weil er kommt. Zwei Stürmer, die neue Herausforderungen suchen – zum Leidwesen der Löwen-Fans nicht im selben Verein.

Wolf habe sich „vorsichtshalber verabschiedet“, sagte Benno Möhlmann später auf der Pressekonferenz. Der Trainer war natürlich eingeweiht in die Transferüberlegungen, die Mitte der Woche auch an die Öffentlichkeit gelangten. Hannover will Wolf, Wolf will nach Hannover. Kommt nichts Unvorhergesehenes dazwischen, dürfte der Wechsel des Stürmers in die Bundesliga spätestens heute über die Bühne gehen.

Warum die Löwen ein weiteres hoffnungsvolles Talent kampflos ziehen lassen, verriet Oliver Kreuzer, der sich aus aktuellem Anlass neben den Trainer ins Pressestüberl gesetzt hatte. „Entscheidend ist, dass wir dem Wunsch des Spielers entsprochen haben, in die 1. Bundesliga zu wechseln“, sagte der Sportchef. Möhlmann bestätigte, dass die Initiative nicht von 1860, sondern „vom Spieler und dem anderen Verein“ ausgegangen sei. Aus Furcht, einen beleidigten Profi durch den Abstiegskampf schleppen zu müssen, habe er zugestimmt. Aber auch in der Hoffnung, mit dem Erlös „vielleicht noch zwei, drei weitere gute Spieler neben Mölders dazuzubekommen“. Die genaue Höhe der Ablöse wollte Kreuzer nicht verraten, sie sei aber „siebenstellig“, betonte er: „Definitiv“. Dazu lächelte er.

Auch Möhlmann, der eigentlich jeden überdurchschnittlich begabten Spieler festketten müsste, erweckte nicht den Eindruck, als sei er unglücklich über den bisherigen Verlauf der Transferaktivitäten. Mit Mölders hat er seinen Wunsch-Mittelstürmer bekommen, „einen für Zweitligaverhältnisse sehr guten“. Mit Wolf verliert er einen begabten Außenbahnspieler, „der aber einfach noch nicht am Zenit seines Könnens“ angelangt sei.

Unter dem Weihnachtsbaum daheim in Bremen habe sich in ihm die Auffassung verfestigt, dass das Team, das im November unbesiegt blieb, im Dezember aber von Spiel zu Spiel schlechter wurde, dringend einer Veränderung bedarf. „Es geht darum, dass wir einen neuen Ansatz brauchen“, sagte er, „dass wir ein neues Verständnis von Fußball aufbauen müssen.“ Und zwar: Offensiver, mutiger – „mit neuer Qualität und Mentalität“. Möhlmann erwartet, dass der Mannschaft künftig „zu 100 Prozent“ ihre Leidenschaft anzusehen ist. Auch einen Systemwechsel hält er für angebracht. Dank der Verpflichtung von Mölders ergebe sich die Möglichkeit, „das 4-4-2 in den Mittelpunkt zu stellen“. Also ein Offensivspiel mit zwei Stürmern.

Als Flucht nach vorne könnte man Möhlmanns Strategie bezeichnen, doch was bleibt einem anderes übrig, wenn der Rückstand auf die Nichtabstiegszone schon jetzt riesig ist. Ist eine Rettung unter den gegebenen Vorzeichen überhaupt möglich? „Machbar ist vieles. Es geht nicht darum, dass wir 15., 14. oder 16. werden“, sagte er gewohnt pragmatisch: „Es geht darum, dass wir drin bleiben.“ Er jedenfalls könnte gut damit leben, die Rettung über eine erneute Relegation zu schaffen. „Also, ich hab Zeit“, scherzte Möhlmann, der gut erholt und frisch motiviert wirkte. „Wir hängen hinten drin“, sagte er: „Da können wir nicht so überheblich sein, einen Relegationplatz abzulehnen. Das muss man schon so realistisch sehen.“

Wie realistisch welches Ziel ist, will Möhlmann erst präzisieren, wenn der Kader für den Wiederauftakt gegen Nürnberg (6. Februar) endgültig steht. Gefordert ist nun Kreuzer – und der hat gleich an zwei Fronten zu tun. Bis zum Trainingslager in Estepona (18. bis 26. Januar) soll der Großteil der Neuzugänge fix sein. Gleichzeitig hofft der Manager, dem einen oder anderen Spieler ein Ausleihgeschäft schmackhaft machen zu können. Kandidaten sind Talente mit schwindenden Einsatzchancen, also Mulic, Mvibudulu, Taffertshofer, Vollmann. „Wir werden aber keinen vom Hof jagen“, sagte Kreuzer. Und er betonte, dass dies nur eine Empfehlung sei, nicht etwa ein Befehl, der bei Nichtbefolgen sanktioniert werde: „Es gibt keine Trainingsgruppe zwei, es gibt auch keine Herabstufung in die zweite Mannschaft.“

Auch aus der Teilnahme am gestrigen Hallenturnier in Ulm ließ sich nicht herauslesen, wer in den kommenden Wochen „in“ oder weniger „in“ ist. Möhlmann hielt zwar wenig von diesem Kaltstart („nicht optimal“), doch er sagte: „Wir fahren da nicht hin, um uns die Zeit zu vertreiben.“ Er selber war ebenso dabei wie etliche Stammspieler (Adlung, Liendl, Wittek) – Mölders schaute sich die Gaudi nach seinem ersten Training im Fernsehen an.

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