Möhlmann: Mit Pragmatismus zum Erfolg

"Ich gehe nicht nach dem, was schön aussieht"

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Benno Möhlmann.

München – Nach dem sensationellen Spiel in Paderborn sacken die Löwen in der Tabelle wieder ab. Trainer Benno Möhlmann sieht dennoch einen Trend der ihn positiv stimmt.

Es ist eine große Spezialität von Benno Möhlmann, den Lauf der Welt mit banal klingenden, aber stets zutreffenden Weisheiten zu erklären. „Jetzt war alles wieder super, klasse, sensationell“, beschrieb der Löwen-Trainer die allgemeine Hochstimmung nach dem 2:0-Sieg gegen St. Pauli, als viele im Umfeld den nächsten Coup erwarteten – einen Sieg in Paderborn. „Aber so ist das Leben nicht“, sagte Möhlmann, aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfend: „Das Leben geht kleine Schritte.“

Und manchmal, lehrte das vergangene Wochenende, macht das Leben auch mal einen kleinen Schritt zurück – obwohl sich im Grunde etwas sehr Großes ereignet hat. Das aufregende 4:4 in Paderborn – es hat den Löwen bestenfalls innere Stärke gegeben: Aufholjagd in Unterzahl, am Ende ein moralischer Erfolg. In der Tabelle jedoch sieht die Lage nach dieser epochalen Punkteteilung eher wieder düster aus. Düsseldorf landete einen überraschenden Auswärtssieg und drückte 1860 zurück auf Platz 17. Auch der Tabellenletzte Duisburg setzte ein Ausrufezeichen (3:0 gegen Sandhausen). Das Feld ist wieder zusammengerückt, und Möhlmann hat mal wieder recht gehabt, als er sagte: „Der Weg da unten raus ist sehr lang, sehr groß, sehr schwer.“ Geäußert hat er ihn vor dem Duisburg-Spiel – als er noch nicht wissen konnte, dass seine Löwen ungeschlagen und mit acht von zwölf möglichen Punkten den gefürchteten Monat November überstehen würden.

Aber: Wer so häufig mit seinen Teams gegen den Abstieg gekämpft hat, der weiß, dass die Tabelle ein Störfaktor sein kann, den es zu ignorieren gilt. Was für Möhlmann zählt, ist der Trend, und der sieht erfreulicher aus, als das viele (und vielleicht auch er selber) erwartet hatten. Zuletzt gab es zwei Heimsiege, die jeweils mit einem Auswärtspunkt veredelt wurden – eine Ausbeute, die sogar Aufstiegsanwärter glücklich stimmen würden. Möhlmann jedoch freut sich noch mehr über etwas, das sich weder messen noch zählen lässt – nur spüren. „Ich glaube, im Moment sind wir auf einem ganz guten Weg, eine Mannschaft zu werden“, sagte er. Sehr hilfreich ist das aus seiner Sicht, denn: „Ich weiß, dass man dann auch die besten Chancen hat, sich vom unteren Bereich zu entfernen.“

Möhlmann bricht mit alten Gewohnheiten

Ein neuer Teamgeist also, den Möhlmann mit seiner speziellen Art gefördert hat – einer Mischung aus entschlossenem Handeln, der Aura eines Zweitliga-Gurus – und ungeahnter Lockerheit. „Ich muss sagen, er hat mich sehr überrascht“, sagt Rubin Okotie: „Wir profitieren von seiner Erfahrung und sind sehr zufrieden.“ Möhlmann selber denkt eher, dass es die Maßnahmen waren, die er ergriffen hat. Zum Beispiel: „Dass im Training bestimmte Gruppen zusammengestellt werden. Selbst beim Essen kann man mal die Tischordnung ändern, was weiß ich.“

Möhlmann ist zudem ein Trainer, bei dem es streng nach Leistung geht, wie die ersten Spiele unter seiner Regie zeigten. Dreimal bereits hat er vor der Halbzeitpause auf schlechte Tagesform von Spielern oder taktische Defizite reagiert. Zuletzt traf es Korbinian Vollmann, der früh vom Platz musste – Daylon Claasen rückte für ihn nach links, um Richard Neudecker bei der Defensivarbeit zu unterstützen. Das Beispiel Claasen (gegen Duisburg nach 32 Minuten ausgewechselt) zeigt jedoch, dass es an jedem selbst liegt, sich im Training wieder für die Startelf anzubieten. „Wir müssen nicht den einen gegen den anderen ausspielen“, kommentierte Möhlmann die Vollmann-Herausnahme in Paderborn: „Aber es ist richtig, dass die linke Seite nicht funktioniert hat – und diesmal lag es nicht an Neudecker.“

Bei Möhlmann fühlt sich jeder Spieler wichtig – weil er jedem klar macht, dass das Ganze größer ist als die Summe seiner Teile. Siehe Fejsal Mulic. Ein ungelenk wirkender Hüne, der in Paderborn aber seinen Auftrag erfüllte, nach Claasens Versetzung die rechte Seite beackerte – und sogar eine Torvorlage gab. „Ich denke, dass ich nicht nach dem gehe, was schön aussieht“, sagte Möhlmann. Sondern: Nach dem, was am Ende zum Erfolg führt. Der Weg ist das Ziel. Wusste bereits Konfuzius, der alte chinesische Philosoph. Wenn man so will: ein sehr früher Möhlmann.

Uli Kellner

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