Abstiegskampf

1860 München: Möhlmann glaubt zu 99,2 Prozent an Rettung

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Wie bitter ist das denn? Löwen-Stürmer Sascha Mölders bei der unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen Greuther Fürth.

München - Benno Möhlmann, Trainer beim TSV 1860 München, baut die unglücklichen Löwen auf: „Jetzt gehe ich sogar zu 99,2 Prozent von der Rettung aus“.

Wüsste man es nicht besser, man könnte fast annehmen, der TSV 1860 hätte nichts zu tun mit diesem fiesen, die Nerven strapazierenden Abstiegskampf. Südlich von Tabellenplatz 13 ist Panik und Verunsicherung bei fast allen Klubs spürbar, geraten Präsidenten in Rage, werden Trainer getauscht und fragwürdige Hoffnungsträger präsentiert (Falko Götz beim FSV Frankfurt). Die Löwen dagegen, dieser einst zur Hysterie neigende angebliche Chaosklub? Keiner poltert, keiner schießt quer, keiner scheint nervös zu werden. Investor still, Sportchef gelassen, Trainer die Ruhe selbst. Zumindest in der B-Wertung geben die Löwen eine richtig gute Figur ab in der heißen Phase der Saison.

Am Freitag war das nach einigen schwachen Spielen auch mal wieder auf dem Platz der Fall. Bester Beleg dafür, wie wenig dieses 0:1 gegen Fürth den Spielanteilen entsprach, war die Reaktion des Gästetrainers. „Das war ein ganz schwaches Spiel von uns“, schimpfte Stefan Ruthenbeck: „So dürfen wir in Zukunft nicht mehr spielen. Außer den Punkten sind wir enttäuscht über die Leistung.“ Und sein Löwen-Kollege Benno Möhlmann? Der war noch am Tag danach hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für seine Mannschaft – und Verärgerung darüber, dass drückende Dominanz, 12:0 Ecken und 18:5 Torschüsse nicht mal für ein Unentschieden gereicht hatten.

„Wir brauchen jetzt Punkte in der Endphase der Saison“, sagte Möhlmann zerknirscht: „Daher haben wir unser Ziel am Freitag nicht erreicht.“ Aber: Nicht nur Möhlmann, auch Oliver Kreuzer war einigermaßen erleichtert darüber, dass der Katastrophenauftritt von Karlsruhe (1:3) zumindest eine Trotzreaktion ausgelöst hatte. „Wir haben gegen Fürth zwei Klassen besser gespielt als gegen Bielefeld und beim KSC. Und eine Klasse besser als bei den drei Siegen in der Englischen Woche“, stellte der Sportchef nüchtern fest: „Die Mannschaft hat wirklich alles versucht, das Spiel in die Hand zu nehmen, den Gegner unter Druck zu setzen. Leider haben wir nichts Zählbares dafür bekommen.“

„Echte Kerle“ hatte der Trainer im Vorfeld der Partie angekündigt – und mit seiner Aufstellung gezeigt, welche Spieler seiner Ansicht nach diesem Qualitätssiegel entsprechen. Für Okotie-Ersatz Daylon Claasen gab es ein Sonderlob („Wenn er jetzt noch Effektivität hätte . . .“), für den unglücklichen Sertan Yegenoglu zumindest tröstende Worte: „Vor dem 0:1 hat er einen entscheidenden Stellungsfehler gemacht, aber wichtig ist, dass er sich danach nicht versteckt hat.“

Möhlmanns Erkenntnis ist, dass die Gruppe funktioniert – auch wenn sein Einfluss begrenzter ist, als ihm das lieb sein kann. „Du kannst Hilfestellungen leisten, aber das meiste muss von innen kommen“, sagte er. „Wie in einer Ehe. Du kannst zum Eheberater gehen, aber entscheidend ist, was die beiden Partner machen. Was sie annehmen, was sie umsetzen, wie sie miteinander umgehen. Und in einer Gruppe ist es noch komplizierter.“

Das Niveau vom Freitag zu halten, darauf kommt es für Möhlmann jetzt an, da die Spiele weniger werden, der Druck dafür ins Extreme steigt. „Wir müssen mit aller Konsequenz verfolgen, dass wir vom Auftreten her so weiterspielen“, meinte er. Schon am Freitag bei Nürnberg-Besieger in Duisburg steht das erste von fünf Spielen mit Finalcharakter an, ein Duell, in dem man viel gewinnen, aber noch mehr verlieren kann. „Es gibt jetzt keine Jojo-Spiele mehr“, sagt Möhlmann. Kreuzer, der coole Ex-Profi, drückt es so aus: „Fünf Spiele noch, jetzt geht’s ans Eingemachte. Duisburg können wir mit einem Sieg distanzieren, Paderborn und Frankfurt streiten sich im direkten Duell um die Punkte. Ich gehe davon aus, dass unsere letzten beiden Spiele gegen Paderborn und beim FSV entscheidend sein werden.“

Und Möhlmann? Der blickte mit einer Mischung aus Trotz und Optimismus nach vorne. Zu 99 Prozent geht er von einer Rettung aus, hatte er vorige Woche erklärte. „Jetzt sage ich sogar: zu 99,2 Prozent“, korrigierte er sich nach oben. Beschwörend fügte er hinzu: „Dieses Spiel kann und darf uns nicht zurückschmeißen, das habe ich den Jungs ganz klar gesagt. Weil vieles untereinander einfach wieder gestimmt hat.“

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