Mit Zweifeln in Duisburg

Möhlmann: "Kein 100 Prozent klares Bild von der Mannschaft"

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Benno Möhlmann.

Duisburg - Bei einer Niederlage in Duisburg heute Abend droht den Löwen der Sturz auf Tabellenplatz 18 – Trainer Benno Möhlmann spürt den Druck.

Inzwischen spürt sie Benno Möhlmann schon frühmorgens, die mentale Belastung, die der Abstiegskampf mit sich bringt, die nervliche Anspannung, die enorme Verantwortung. „Ich merke, dass es anders ist als vor vier Wochen“, gesteht der Trainer des TSV 1860 vor den entscheidenden Spielen im Abstiegskampf. „Ich habe meine Gedanken nach dem Aufstehen schneller beim Fußball. Man merkt jetzt, dass es für uns alle eine andere Situation ist. Man kann sich nicht mehr verstecken hinter der Anzahl der Spiele, die noch da sind. Es geht jetzt schon ans Eingemachte.“

Und wenn diese Nervosität schon den schier unerschütterlichen Trainer-Dino erfasst – wie mag es dann erst in den Köpfen der Spieler aussehen? „Brutal“ nannte Kapitän Christopher Schindler den Druck, der im Abstiegskampf auf der Mannschaft lastet – das war vor einem Jahr, als die Löwen auf der Schlussgerade der Saison meistens auf Platz 15 standen. Jetzt ist Relegationsrang 16 die bittere Realität – und heute, beim Kellergipfel in Duisburg (hier im Live-Ticker), droht sogar der Sturz auf Platz 18. Dazu müsste 1860 mit 0:3 verlieren – und Paderborn zeitgleich beim FSV Frankfurt gewinnen. Die „Rote Laterne“ als gar nicht mal so unrealistische Option. Unfassbar eigentlich, wenn man bedenkt, dass die Löwen vor etwas mehr als eineinhalb Jahren noch Zweitligameister werden wollten (unter Ex-Trainer Ricardo Moniz).

Was auf dem Spiel steht, dürfte inzwischen allen 1860-Profis bewusst sein. Hofft zumindest der Trainer, der gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Feinschliff bei Standards arbeitete. „Wir hätten lieber eine Situation, die etwas entspannter ist“, gibt Möhlmann zu. „In Duisburg ist verlieren definitiv verboten!“ So ultimativ drückt es Sportchef Oliver Kreuzer aus, der Nachfolger von Gerhard Poschner, unter dessen Harakiri-Regentschaft der dramatische Niedergang seinen Lauf nahm.

Möhlmann, der den Totalabsturz verhindern soll, wirkte ein wenig verunsichert gestern. „Oft habe ich schon dienstags gewusst, wie ich die nächste Partie angehe“, sagte er: „Momentan habe ich nicht so ein 100 Prozent klares Bild von der Mannschaft.“ Durchaus nachvollziehbar, denn als Möhlmann vor einigen Wochen davon schwärmte, dass sich der im Winter renovierte Kader stabilisiert habe, kamen die Nackenschläge in Serie: Katastrophenauftritte gegen Bielefeld (1:1) und in Karlsruhe (1:3) – gefolgt vom unglücklichen 0:1 gegen Fürth vor einer Woche.

Kein Glück mehr, null Torgefahr (zuletzt nicht mal bei Standards), Pech bei engen Schiedsrichter-Entscheidungen – das sogenannte Momentum, das sich in der berühmten Neun-Punkte-Woche auf die Seite der Löwen zu schlagen schien, ist schon wieder abhanden gekommen.

Dazu kommt mit Duisburg ein Gegner, der die Löwen mit der frisch gestählten Brust des Nürnberg-Besiegers erwartet. Möhlmann war staunender Augenzeuge bei der ersten Niederlage des FCN nach 18 Spielen. Er erwartet einen bissigen, unbequemen Gegner. „Ich habe eine Duisburger Mannschaft gesehen, die absolute Zweitligaqualität hat“, berichtet er. „Sie haben mittlerweile eine gute Disziplin, eine gute Ordnung, ein gutes Miteinander.“ Im Vergleich zum Hinspiel, das die Löwen in letzter Sekunde 1:0 gewannen, sei eine deutliche Veränderung spürbar.

Erschwerend kommt hinzu, dass 1860 mit Personalsorgen beim aufstrebenden Tabellenletzten antritt. Mit Maxi Wittek (verletzt) und Gary Kagelmacher (gesperrt) fallen beide Außenverteidiger aus. Sertan Yegenolu und Milos Degenek sind die zu erwartenden Stellvertreter – beide fremd auf diesen Positionen, Yegenoglu zudem mit dem Rucksack, schon bei drei 0:1-Pleiten spielentscheidend gepatzt zu haben (Karlsruhe, FSV Frankfurt, Fürth). Daniel Adlung wäre noch eine Alternative. Hätte zumindest einen Überraschungseffekt.

Mindestens 500 Fans werden die Löwen heute in Duisburg unterstützen. Möhlmann sieht den Zuspruch als „Verpflichtung“; die Frage, ob die Fans als Mutmacher taugen, verneinte er. „Mut können immer nur die Spieler dem Trainer machen“, sagte er: „Sie sind die Einzigen, die die Dinge auf dem Platz entscheiden.“ Es klang nach einer sehr vagen Hoffnung.

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