„Überzeugung fehlt“

TSV 1860 München ist dort, wo Sie nicht mehr hinwollten: Im Niemandsland

Gegen Halle verschoss Sascha Mölders (l.) einen Elfmeter.
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Gegen Halle verschoss Sascha Mölders (l.) einen Elfmeter.

Der TSV 1860 München kommt auch in Halle trotz langer Überzahl nicht über ein Remis hinaus. Die Löwen lassen offensive Durchschlagskraft und Kaltschnäuzigkeit vermissen.

München – Als heiß gehandelter Aufstiegskandidat waren sie in die Saison gestartet, nach dem ersten Saisonfünftel stehen die Löwen dort, wo sie eigentlich nicht mehr hinwollten: im Niemandsland der Tabelle, mit sechs Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsplatz.

Woran es liegt, dass 1860 auf der Stelle tritt und nach dem mageren 1:1 gegen Meppen auch in Halle trotz einstündiger Überzahl nicht über ein 1:1 hinauskam? „Wenn man’s kritisch betrachten will, dann fehlt aktuell etwas die Überzeugung“, sagt Sportchef Günther Gorenzel. Die Corona-Störgeräusche um Quarantäne-Trainer Michael Köllner versuche er „als Vereinsvertreter zu steuern. Die Mannschaft konzentriert sich ausschließlich aufs Spiel. Dass es Menschen sind, und keine Computer, das hat man an der einen oder anderen Stelle gesehen. Da muss jetzt wieder etwas mehr Überzeugung rein, etwas mehr Konsequenz rein, das wird in den nächsten Wochen kommen.“

TSV 1860 München: Sascha Mölders als Symbolbild für Lage der Löwen

Am Samstag um 14 Uhr kommt mit dem FSV Zwickau ein Team aus dem unteren Tabellendrittel ins Grünwalder Stadion. Allzu offensiv dürfte die Ausrichtung der Sachsen nicht werden. Gefordert ist die vielzitierte Durchschlagskraft. Genau das, was Trainer-Legende Karsten Wettberg in dieser Saison am meisten vermisst. „Wir können uns im Angriffsdrittel nicht mehr entscheidend durchsetzen“, sagt der 79-jährige „König der Löwen“.

Symbol der blauen Sinnkrise: Sascha Mölders (36). Seit Wochen versuchen Gorenzel und Köllner, den Kapitän stark zu reden, der in dieser Saison erst zweimal getroffen hat: per Reflex zum 1:1 gegen Türkgücü und per Elfmeter zum 1:0 in Braunschweig, dem der Schock in der Nachspielzeit folgte. Am Sonntag in Halle vergab Mölders seinen Handelfmeter seltsam fahrig. Die unglücklichen Szenen beim Routinier häufen sich, erinnert sei an den missratenen Lupfer gegen Köln. „Auch ein Sascha Mölders hat mal einen schwächeren Tag, das ist schon anderen Superstars passiert“, beschwichtigt Gorenzel. „Es geht jetzt darum, mit ihm im Mentalbereich zu arbeiten.“ Letztes Jahr hatte Mölders zum gleichen Zeitpunkt vier Treffer auf dem Konto.

TSV 1860: Rückkehrer Daniel Wein sorgt für Hoffnung

Problem: Eine torgefährliche Alternative fehlt. „Es war zu befürchten, dass Mölders nicht mehr die Rolle aus der Vorsaison spielen wird“, sagt Wettberg. Marcel Bär habe sein fußballerisches Potenzial zwar angedeutet, auf eine zweistellige Trefferzahl ist der 29-Jährige in seiner Profikarriere allerdings noch nie gekommen. Der nächste Tiefschlag: In Halle zog sich Bär eine Kapselverletzung an der linken Schulter zu. Um eine Operation werde er wohl herumkommen, ließen die Löwen gestern verlauten, doch gegen Zwickau aller Wahrscheinlichkeit nach ausfallen.

Der Lichtblick des Wochenendes hieß Daniel Wein. Nach seiner Achillessehnen-Entzündung traf der Allrounder beim Comeback in der Liga zum 1:1. Und blieb kritisch: „Wir spielen eine Stunde in Überzahl. Auch wenn der Trainer und ein paar wichtige Spieler gefehlt haben, hatten wir trotzdem die Qualität, heute zu gewinnen.“ So klingt Überzeugung. Fehlt „nur“ die Umsetzung. (Ludwig Krammer)

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