1. tz
  2. Sport
  3. 1860 München

Ex-Löwe Nico Karger: Aufstieg nach Skandalspiel - „deswegen ist mir das schnurz“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Das Handy von Nico Karger bestätigt es: Der Stürmer hat mit Elversberg den Sprung in die 3. Liga geschafft – nach einem 1:1 gegen den FSV Frankfurt inklusive Nichtangriffspakt. Im Anschluss wurde nicht nur ein Bier getrunken.
Das Handy von Nico Karger bestätigt es: Der Stürmer hat mit Elversberg den Sprung in die 3. Liga geschafft – nach einem 1:1 gegen den FSV Frankfurt inklusive Nichtangriffspakt. Im Anschluss wurde nicht nur ein Bier getrunken. © IMAGO/Steven Mohr

Ex-Löwe Nico Karger steigt mit Elversberg in die 3. Liga auf. Das entscheidende Spiel schlug hohe Wellen. Karger erklärt das Ballgeschiebe.

München – Das Telefoninterview verzögert sich, weil in Saarbrücken noch ein Garten auf Vordermann gebracht werden muss – und der körperliche Zustand des Gesprächspartners. Zwei Tage nach Elversbergs Aufstieg in die 3. Liga kommen bei Nico Karger viele Gefühlslagen zusammen: Freude, Stolz, Kater – und Erstaunen über die Schlagzeilen nach dem 1:1 gegen den FSV Frankfurt, das den Dorfverein aus dem Saarland in die 3. Liga brachte. Unser Interview mit dem Ex-Löwen Nico Karger, 29, der 2018 auch mit dem TSV 1860 aufgestiegen ist.

Nico, wo feiert man besser – in Elversberg oder in München-Giesing?

Kann man natürlich nicht vergleichen. Da liegen Welten zwischen den Feiern. Elversberg ist schließlich ein sehr kleiner Verein. Lang ging’s aber trotzdem . . .

Wie lang?

Lang genug. Es war auf jeden Fall schon hell zum Schluss. Und am nächsten Tag ging es mir so schlecht, dass ich mir erst mal ein Konterbier an der Tanke kaufen musste.

SV Elversberg: Aufstiegsspiel schreibt Schlagzahlen

Auch beim Blick auf die Schlagzeilen dürfte es ein böses Erwachen gegeben haben. „Skandalspiel“, „Schiebung“, Gijon 2.0“ – die gedruckte Quittung für ein zwölfminütiges Ballgeschiebe . . .

Ganz ehrlich: Ich wusste gar nicht, was damit gemeint war. Gijon – das musste ich erst mal googeln.

Die Kurzfassung: Zwei Mannschaften einigen sich stillschweigend auf ein Ergebnis. Wie kam’s dazu aus Ihrer Sicht?

Ich kann mir das auch nicht genau erklären. Frankfurt hat in der Schlussphase nicht mehr groß attackiert, nur noch verschoben – und wir haben den Ball dann auch nur noch hinten rumlaufen lassen. Wenn man die ganze Saison sieht, sind wir zurecht aufgestiegen – deswegen ist mir das schnurz.

Kein Mitleid mit dem SSV Ulm? Die hätten sich als Tabellenzweiter sicher einen faireren Wettkampf gewünscht.

Wer am Ende oben steht, der hat es verdient. Punkt. Wir wären in jedem Fall aufgestiegen. Ulm hat auch eine bärenstarke Mannschaft, aber wir waren konstanter.

Nico Karger: Atemgerät nach Corona-Erkrankung

Und sonst: Wie sind Sie zufrieden mit Ihrer Saison? Nach fünf Treffern in der Hinrunde kam lange nichts mehr; im neuen Jahr waren Sie auch nicht mehr so oft nicht im Kader.

Sagen wir so: Es hätte besser laufen können – aber auch schlechter. Wobei: Im März hatte ich Corona, das hat mich richtig fertig gemacht. 42 Fieber, kurz haben sie mich im Krankenhaus auch an ein Atemgerät angeschlossen. Dann aber schnell wieder nach Hause geschickt.

Einfach so?

Ja, sie haben gesagt, dass sie eh nicht wirklich was für mich machen können – und dass ich mich abholen lassen soll. Sag ich: Von wem denn? Meine Familie wohnt ja in München! Aber das hat die alles nicht interessiert.

Mitte April waren Sie dann zurück auf dem Platz – um die Woche drauf das Duell mit Sascha Mölders und Großaspach zu verpassen. Was war der Grund?

Da hatte es mich wieder erwischt. Aber kein Corona. Nur normale Halsschmerzen und Schnupfen. Schade, denn ich hätte gerne gegen Sascha gespielt. Das wäre witzig gewesen.

Bereits 2018 hatte Karger einen Aufstieg gefeiert, damals mit 1860 um Ex-Kapitän Sascha Mölders.
Bereits 2018 hatte Karger einen Aufstieg gefeiert, damals mit 1860 um Ex-Kapitän Sascha Mölders. © Bernd Feil/M.i.S.

Bleiben Sie jetzt eigentlich in Elversberg? Bei Transfermarkt.de steht, dass Sie nur bis Ende Juni unter Vertrag stehen.

Echt? Das wundert mich – der Vertrag hat sich durch den Aufstieg verlängert.

Haben Sie das Gefühl, dass man auf Sie setzt?

Ich denke schon, dass ich mich gut mit dem Trainer verstehe. In der Mannschaft fühle ich mich eh superwohl. Das sind alles nette Jungs.

Nico Karger: Karriereende beim FC Deisenhofen

Fühlen Sie sich auch sonst wohl in Elversberg?

In Elversberg selber wohnt ja keiner – zu klein. Aber in Saarbrücken, wo meine Wohnung ist, lässt sich’s aushalten. Ich hab auch einen netten Nachbarn – der hat mir schon des Öfteren geholfen, auch heute im Garten.

Und Ihre Partnerin Julia und der Kleine?

Die wohnen weiter in München. Das stört mich am meisten, denn Pendeln ist echt schwer bei der Entfernung. Meistens sehen wir uns nur alle paar Wochen – oder halt über Videoanrufe.

Nächste Saison kommt wenigstens ein München-Termin dazu.

Oja. Und da brenne ich jetzt schon drauf.

Aufstiegsexperte: Prost nach München!
Aufstiegsexperte: Prost nach München! © IMAGO/Neis / Eibner-Pressefoto

Weil Sie sich auf das Wiedersehen mit 1860 freuen? Oder weil noch eine Rechnung offen ist?

Sagen wir’s mal so: Richtig toll ist das damals nicht gelaufen mit den Rückennummern (die wurden neu vergeben, was auf der Fanshop-Website zu sehen war – obwohl die Abschiede der alten Spieler noch nicht offiziell waren/Red.). Aber: Man sieht sich bekanntlich immer zweimal im Leben.

Pflegen Sie sonst noch Kontakte zu 1860? Sie waren immerhin elf Jahre da.

Viel Kontakt habe ich nicht mehr. Das ist aber normal. Ich verfolge auch nicht mehr alle Spiele, aber dass es wieder knapp war, habe ich mitgekriegt. Dem Trainer hätte ich den Aufstieg gegönnt – Michael Köllner ist ein Lieber.

Anfang nächsten Jahres werden Sie 30 Jahre alt. Schon Pläne für die letzte Phase Ihrer Karriere?

Keine konkreten. Fest steht nur, dass ich nach dem Karriereende zurück nach München gehe – und noch für den FC Deisenhofen in der Bayernliga spiele. Da kicken alle meine Kumpels. Ich freue mich jetzt schon drauf, es da ausklingen zu lassen.

Interview: Uli Kellner

Auch interessant

Kommentare