Klare Worte vom Löwen-Sportchef

Kreuzer rüffelt, fordert und ermutigt

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Ungemütliche Zeiten: Oliver Kreuzer versuchte gestern, die Löwen auf den Abstiegskampf einzuschwören.

München – Ein leichtes Standing hat Löwen-Sportchef Oliver Kreuzer derzeit nicht. Am Mittwoch sprach er aber Klartext zur sportlichen Misere des TSV 1860 München.

Oliver Kreuzer wusste, was von ihm erwartet wurde. Erstmals in seiner Amtszeit hatte der Sportchef des TSV 1860 gestern die Münchner Medien zusammengetrommelt, aus gegebenem Anlass natürlich: Vorletzter der 2. Liga sind die Löwen, schwer gebeutelt von einer schwarzen Serie (sechs verlorene Pflichtspiele in Folge). In Zeiten grassierender Abstiegsängste sehnt sich die Anhängerschaft nach einem energischen Wort aus berufenem Munde. Kreuzers Ding also. Und so bemühte sich der 50-Jährige redlich, seinen Ausführungen – zumindest zeitweise – den Anstrich einer Ruckrede zu geben. „In den nächsten neunzig Tagen geht es nur um 1860. Und um nix anderes“, betonte er, „wir müssen Tag und Nacht nur an unserem Ziel, dem Klassenerhalt, arbeiten: Mit aller Verbissenheit, mit aller Seriosität, mit aller Brutalität. Da müssen wir durch.“ Durchaus markige Worte waren das, wobei sich der Sportdirektor aber auch bemühte, nur ja keine Panik aufkommen zu lassen: „Wir müssen jetzt Ruhe bewahren, das ist ganz entscheidend. Im Februar ist noch keiner abgestiegen.“

Ismaik am Sonntag gegen Bochum in der Arena

Wohl wahr. Aber das jüngste 0:3 bei Union Berlin gab den massiven Befürchtungen, der Sturz in die Drittklassigkeit sei nur noch schwer abwendbar, zusätzliche Nahrung. „Das hatten wir uns anders vorgestellt“, räumte Kreuzer ein. Wobei sein Erklärungsversuch vor allem auf den Resultaten der Datenbank gründete. Insgesamt 107 Kilometer hätten die Sechziger am Sonntag in der Alten Försterei zurückgelegt. Deutlich weniger als der Gegner, der es auf 113 Kilometer brachte. „Das darf nicht sein. Wir waren Berlin läuferisch unterlegen. Da muss jetzt eine Reaktion kommen“, erklärte Kreuzer.

Ein Woche zuvor beim 0:1 gegen Nürnberg standen für die Münchner noch 116 Kilometer zu Buche. „Das war ein schlechtes Ergebnis, aber ein gutes Spiel, das zurecht gelobt wurde“, merkte Kreuzer an. In Berlin hätten es die Löwen dann aber versäumt, sich rechtzeitig auf die unbequemen Umstände einzustellen: „Sonntagmittag, Nieselregen, schlechter Boden – wir haben diese Gegebenheiten zunächst nicht angenommen. Wir haben zu wenig getan, das reichte nicht aus, um zu punkten“, sagte er: „Schließlich heißt es Abstiegskampf – und nicht Abstiegsspiel.“

Allerdings versuchte Kreuzer auch, den Eindruck zu vermeiden, hier sei ein Scharfmacher am Werk: „Ich will nicht abwatschen, sondern fachlich kritisieren. Es besteht kein Anlass, jetzt irgendwelche verrückte Dinge zu tun – wie ein Straftrainingslager oder etwas in der Art.“ Auch bei der Partie in Berlin sei nicht alles schlecht gewesen. „Die haben uns nicht gegen die Wand gespielt. Wir haben ja ins Spiel gefunden. Und wenn Rubin Okotie seine Chance zum 1:1 nutzt, wäre alles möglich gewesen.“ Kreuzer verwies zudem auf seinen Gesamteindruck von der Heimniederlage gegen Nürnberg: „So spielt doch keine Mannschaft, die auf dem 17. Platz steht.“ Weswegen er hinzufügte: „Ich bin der absoluten Überzeugung, dass wir die Klasse erhalten.“

Wie stichhaltig dieser Optimismus ist, dürfte sich schon in den nächsten drei Wochen zeigen: Vier Spiele sind da zu bestreiten, drei davon zuhause (Bochum, Düsseldorf, Sandhausen). „Das ist eine Riesenmöglichkeit“, meinte Kreuzer, „sich mindestens einen Platz hochzuschieben.“ Dann wären die Sechziger immerhin auf dem 16. Rang, der – wie im Vorjahr gegen Kiel – zu einem Relegationsduell berechtigen würde. „Es ist noch gar nichts aussichtslos“, bekräftige gestern 1860-Präsident Peter Cassalette, der für Kreuzers Pressekonferenz sein Büro räumte und im Weggehen auch noch eine interessante Nachricht hinterließ: „Hasan Ismaik wird als Zuschauer in der Allianz Arena sein.“ Zuletzt war der Hauptgesellschafter bei der 0:2-Pokalpleite gegen Bochum im Stadion. Der Jordanier zog damals nachhaltig verstimmt von dannen. Ob nun am Sonntag – Gegner ist erneut der VfL Bochum – eine Wiedergutmachung erfolgt, wird womöglich auch davon abhängen, inwieweit die Sechziger Kreuzers Appelle beherzigen. Gestern sagte er: „Wir müssen jedes Spiel wie ein Finale angehen – als gäbe es kein morgen mehr.“

Armin Gibis

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