tz-Interview mit dem 1860-Präsidentschaftskandidaten

Cassalette: "Willst du das Gesicht des Abstiegs sein?"

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Peter Cassalette steht am Sonntag zur Wahl.

München - Die Wahl vor Augen: Peter Cassalette stellt sich im tz-Interview den Fragen zu der Zukunft des Vereins. Am Sonntag bekommt der TSV 1860 einen neuen Präsidenten.

Am Sonntag um 14 Uhr stellt sich Peter Cassalette als 1860-Präsident zur Wahl. Auf der Mitgliederversammlung im Freimanner Zenith reicht dem 62-Jährige die einfache Stimmenmehrheit, um zum Oberlöwen gekürt zu werden. Was Cassalette bewegt und bewegen will, wie er Hauptgesellschafter Hasan Ismaik anzupacken gedenkt – die Antworten gibt’s im tz-Interview.

Herr Cassalette, fünf Tage nach der Wahl am Sonntag treten im Zenith die unverwüstlichen Motörhead auf, eine der Liebligsbands Ihres Amtsvorgängers Gerhard Mayrhofer. Wollen auch Sie den Löwen mehr Rock’n’Roll verordnen, wie es Mayrhofer bei seinem Antritt formulierte?

Cassalette: Ich bin kein Fan von Motörhead, meine Richtung ist eher Coldplay. Und was Rock’n’Roll angeht, solche Sprüche nehme ich nicht in den Mund. Das war seine Art, ich habe meine.

Die da wäre?

Cassalette: Ich will die Mitglieder mit Authentizität überzeugen. Ich bin ein Herzblut-Löwe mit kühlem Kopf, habe Führungserfahrung und kann mich 1860 als Fulltime-Job widmen. Es wäre ein Traum und eine Ehre für mich, Präsident dieses Vereins zu werden.

Für Ihre Vorgänger wurde das Amt früher oder später zum Albtraum...

Cassalette: Meine Frau hat mich vor einiger Zeit auch noch gefragt: Willst du als Gesicht des Abstiegs in die 1860-Geschichte eingehen? Das will ich natürlich nicht! Klar habe ich mir auch schon gedacht, ob ich der nächste sein werde, der hier scheitert. Aber mich haben Herausforderungen immer schon gereizt. Ich bin zweimal bei Firmen eingestiegen, denen es schlecht ging und wo es dann besser wurde. Bei 1860 gibt es eine Menge zu tun: Wir verlieren seit Jahren Mitglieder, Fans und Sympathien.

Der Mann, an dem Ihre Vorgänger scheiterten heißt Hasan Ismaik und sitzt in Abu Dhabi. Hatten Sie bislang tatsächlich noch keinen Kontakt?

Cassalette: Nicht persönlich. Aber ich bin natürlich durch Noor Basha, Karl-Christian Bay (Verwaltungsrats-Chef) und Ulrich Bez (Ismaik-Vertrauter im Beirat) über den Stand der Dinge informiert. Eine erfolgreiche Wahl vorausgesetzt werde ich noch am Sonntagabend oder spätestens am Montag direkt Kontakt aufnehmen.

Wie ist der aktuelle Stand? Beim Fan-Infoabend am Mittwoch sprachen Sie von „Waffenstillstand“...

Cassalette: Der Stand ist, dass Hasan Ismaik die 1860 KGaA am Leben hält. Wenn hier demnächst die Lichter ausgehen würden, dann hätte ich mich nicht aufstellen lassen, so unerschrocken bin ich dann auch wieder nicht.

Gerhard Mayrhofer rollte Ismaik den Roten Teppich aus, am Ende versuchte er ihn mit der Brechstange loszuwerden. Was haben Sie sich zurechtgelegt?

Cassalette: Sicher kein Brecheisen. Das wäre – um im Bild zu bleiben – alleine schon deshalb sinnlos, weil Ismaik am längeren Hebel sitzt. Ich werde positiv auf ihn zugehen und versuchen, verlorenes Vertrauen aufzubauen. Ich bin Ismaik heute noch dankbar, dass er 1860 gerettet hat. Und ich kann auch nachvollziehen, dass er nicht erfreut darüber ist, dass es mit den 40 bis 50 Millionen Euro, die er hier reingesteckt hat, nicht besser, sondern immer schlechter geworden ist.

Mit Verlaub, so ähnlich klangen auch Ihre Vorgänger...

Cassalette: Ich denke, dass wir mit Benno Möhlmann und Oliver Kreuzer Leute an den sportlichen Schaltstellen haben, die Erfahrung und Leidenschaft mitbringen. Das passt jetzt. Letztlich geht es nur über den sportlichen Erfolg.

Also Roter Teppich...

Cassalette: Ich werde respektvoll, aber nicht unterwürfig auftreten. Ich muss nach dem Treffen wissen, was Ismaik von uns erwartet und was wir von ihm erwarten dürfen. Wir brauchen einen Partner, der investiert und verlässlich ist. Wenn ich sehe, dass wir keinen Weg finden, der in eine positive Zukunft führt, dann müssen wir Plan B angehen und eine Alternative, sprich einen anderen Partner, finden.

Was wollen Sie in den sieben Monaten bis zur nächsten Mitgliederversammlung erreicht haben?

Cassalette: Wir werden bis dahin weder ein neues Stadion noch eine Turnhalle hinstellen können. Aber ich will die Weichen richtig gestellt haben – im Gesamtverein.

Und auch im Abstiegsfall der Fußball-Profis würden Sie sich wieder zur Wahl stellen?

Cassalette: Selbstverständlich.

Interview: Ludwig Krammer

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