Trauer um einstigen Kapitän

1860-Legende Grosser ist tot: Emotionaler Abschiedsbrief der Meisterlöwen

Meister-Kapitän Peter Grosser erinnert sich an die goldenen Zeiten des Klubs.
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Meister-Kapitän Peter Grosser ist tot.

Der Meisterkapitän des TSV 1860 München ist verstorben. Der Corona-Lockdown hatte ihn schwer getroffen. Verein und Umfeld trauern um eine Ikone.

Udpate vom 5. März 2021: Der deutsche Fußball trauert um Peter Grosser (†82). Die Löwen werden am Samstag mit Trauerflor spielen, Grossers Kollegen und Freunde aus der Meistermannschaft von 1966 haben einen gemeinsamen Nachruf verfasst, den wir mit freundlicher Genehmigung veröffentlichen:

„Liebe Familie Grosser,

wir sind tief getroffen vom Tode unseres Kameraden Peter Grosser. Unser Beileid gilt Ihnen als Hinterbliebene, zu denen wir leider noch keinen Kontakt herstellen konnten.

Peter war für uns viel mehr als nur ein Kollege. Er war unser Mannschaftskapitän, seine Bedeutung für den TSV 1860 kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Peters Fähigkeiten auf dem Platz grenzten an Genialität. Er konnte Spiele mit seiner Übersicht und seinen überragenden technischen Fertigkeiten manchmal im Alleingang entscheiden. Sein Tor beim Sieg in Dortmund am vorletzten Spieltag der Saison 1965/66 war der Schlüssel zur Meisterschaft. Nicht nur auf dem Platz, auch in der Kabine hatten seine Worte Gewicht. Mit ihm haben wir die schönste Zeit unseres Lebens geteilt, sein Tod hat eine große Lücke mehr in unsere Reihen gerissen, die sich nicht mehr füllen lässt.

Nicht nur die Löwen haben Peter eine Menge zu verdanken, er hat auch bei zwei anderen Münchner Vereinen tiefe Spuren hinterlassen. Türkgücü hat ihm als Trainer zahlreiche Erfolge zu verdanken, die Spielvereinigung Unterhaching profitierte gleich in zweierlei Hinsicht von seinen Fähigkeiten. Als Aufstiegstrainer und später als jahrzehntelanger Vizepräsident prägte er die erfolgreichste Zeit der Hachinger entscheidend mit.

Wie kaum einer von uns ist Peter Grosser dem Fußball stets hautnah verbunden geblieben. Bei unseren Stammtischen rund um den Viktualienmarkt war er, wenn er mit seinem Radl vorbeikam, immer eine Bereicherung. Sein Anekdotenschatz war unerschöpflich, sein trockener Humor genau die richtige Auflockerung, wenn die Diskussionen mal wieder zu nostalgisch wurden. Es tut uns im Herzen weh, künftig nur noch über ihn und nicht mit ihm reden zu können. Du wirst uns fehlen, Meisterkapitän!“

Unser besonderer Dank gilt den Löwen-Fans für die Ehre, die sie Peter mit den Kränzen am Stadion erwiesen haben. Wir haben uns sehr über diese Aktion gefreut. - Fredi Heiss, Hans Rebele, Bernd Patzke, Hans Reich, Petar Radenkovic

Meldung vom 2. März 2021: München - Die Fußballwelt trauert um Peter Grosser. Der ehemalige Nationalspieler und Kapitän des TSV 1860 wurde am Montag leblos in seiner Münchner Wohnung aufgefunden. Die Polizei dementierte einen Suizid nicht. Grosser wurde 82 Jahre alt. „Die gesamte Löwen-Familie ist in tiefer Trauer“, schrieben die Sechziger auf ihrer Homepage. „Peter Grosser hat nicht nur Titel mit dem TSV 1860 München gewonnen, sondern auch als Mensch in Giesing tiefe Spuren hinterlassen. Ruhe in Frieden!“

Noch am Donnerstag hatte die tz mit Grosser telefoniert, nachdem ein erster Versuch am Mittwoch wegen eines Arzttermins des Ur-Münchners verschoben werden musste. Anlass des Gesprächs war das Derby der Löwen gegen die SpVgg Unterhaching am vergangenen Freitag. Mit beiden Klubs hatte Grosser eine tiefe Verbindung, in Haching wirkte er nicht nur als Trainer, sondern von 1990 bis 2011 auch als Vizepräsident.

Corona-Lockdown trübt Grossers Heiterkeit

Seine gerne ironisch gefärbte Heiterkeit war in den vergangenen Monaten vom Corona-Lockdown deutlich getrübt worden. „Ich lebe alleine und bin als Mitglied der Risikogruppe jetzt praktisch seit einem Jahr in Quarantäne“, sagte Grosser. Öffentliches Jammern war ihm trotzdem zuwider. Standardsatz: „Es hilft ja nix.“ Der Rest des Telefonats drehte sich um den Fußball, um die Hoffnungen der Hachinger im Kampf um den Klassenerhalt und die Aufstiegschancen der Löwen. „Noch ist nichts verloren. Aber jetzt braucht’s eine Serie…“

Auch der Bayerische Fußballverband gedenkt des Verstorbenen. „Peter Grosser war ein echtes Münchner Kind, der den Fußball in der Stadt als Spieler, aber auch als Trainer geprägt und zu Erfolgen verholfen hat – und der auch nach seiner aktiven Karriere aus Überzeugung Verantwortung übernommen hat”, schrieb BFV-Präsident Dr. Rainer Koch in seiner Stellungnahme: „Wir verlieren mit ihm einen großen Sportsmann und aufrichtigen Menschen. Wir sind in diesen schweren Stunden bei all denen, die mit diesem Verlust umgehen müssen.”

Löwen-Fan Franz Hell erschüttert

Erschüttert von der Todesnachricht war Franz Hell. Der Löwen-Fan seit Anbeginn der Bundesliga kannte Grosser nicht nur vom Fernsehen, sondern persönlich. „Das macht mich sehr traurig“, sagte Hell zur tz. „Ich hab den Peter zuletzt vor ein paar Wochen gesehen, da war er am Trainingsgelände, vermutlich wegen eines Interviews. Ich habe ihn gefragt, wie’s ihm geht. Da hat er gesagt: ,Weißt ja selber…‘ Auf mich hat er da schon einen etwas angeschlagenen Eindruck gemacht. Als Fußballer war er genial. Im entscheidenden Spiel zur Meisterschaft, 1966 in Dortmund, war er mit dem Radi zusammen der überragende Spieler auf dem Platz. Er hat die Mannschaft geführt und ein Supertor ins Kreuzeck geschossen. Bis zuletzt war er großer Unterstützer des Profifußballs bei 1860. Er hat viele Spiele in den unterschiedlichen Stadien angeschaut, zusammen mit seinen Kollegen aus der Meistermannschaft. Peters Traum war immer, dass wir noch mal in die Bundesliga aufsteigen, zumindest in die zweite. Er war absolut volksnah, hat mit jedem gesprochen und Autogramme gegeben. Für mich ist und bleibt er eine Legende.

Damit dürfte Hell nicht nur allen Löwen-Fans aus dem Herzen sprechen. lk, ulk

Lesen Sie hier die Reaktionen zur Nachricht von Grossers Tod aus der Fußballwelt.

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