Löwen-Sportchef vor Saisonstart

Poschner im tz-Interview: "1860 muss sich wieder lohnen"

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Löwen Sportchef Gerhard Poschner im neuen Mannschaftsbus des TSV 1860 München.

München - Vor der Saisonpremiere gibt sich Löwen Sportchef Gerhard Poschner selbstbewusst. Er spekuliert auf den Aufstieg und lobt den Sturm des TSV 1860 München.

Zum Auftakt am Montagabend gleich mal ein Härtetest für die Löwen: Der Betzenberg in Kaiserslautern wartet. „Neue“ Löwen soll man sehen, dominante und selbstbewusste. Auch aufstiegsreife? Die tz sprach darüber vor der Saisonpremiere mit Sportchef Gerhard Poschner.

Herr Poschner, bei den traditionellen Trainerumfragen zu Saisonbeginn schneidet der TSV 1860 nicht besonders gut ab. Er wird kaum genannt, wenn es um die Aufstiegsfavoriten geht. Nur Ingolstadts ­Ralph Hasenhüttl tippt die Löwen als Meister. Was halten Sie von ihm?

Poschner: Ich mag den Hasenhüttl. Ich hab’ ihn schon immer gemocht. Nein, im Ernst: Was die anderen Trainer sagen, ist eigentlich nicht relevant für uns.

Ihr Trainer allerdings spricht auch immer von Platz eins. Wie bewerten Sie das?

Poschner: Das finde ich in Ordnung. Dieses Ziel auszugeben, halte ich für legitim. Das heißt ja auch, dass er der Mannschaft vertraut. Wir haben Ricardo aber nicht mit der Vorgabe verpflichtet, in dieser Saison aufsteigen zu müssen.

Sondern?

Poschner: Wir wollen mit ihm einen Weg gehen, den wir nicht verlassen wollen. Ein langfristiges Konzept ist genau so wichtig wie der kurzfristige Erfolg. Da musst du auch geduldig sein. Und stark. Du musst Krisen aushalten können. Als ich bei 1860 unterschrieben habe, war das eine Bedingung von mir. Ich möchte nicht, dass der Verein dem Druck unterliegt, nur kurzfristige Resultate zu liefern. Die kannst du nicht garantieren. Aber dass unsere Spielweise einen Wiedererkennungswert hat, das kann man garantieren. Deshalb wurde Ricardo geholt. Wenn der Weg stimmt, halten wir auch bei einer Niederlagenserie an einem Trainer fest. Wenn das nicht der Fall ist, könnte es allerdings sein, dass ein Trainer nach fünf Siegen gehen muss.

1860 soll sich wieder lohnen

Was Schwierigkeiten mit den Fans bereiten würde. Der Verein gibt seit zwei Jahren keine Zahl mehr bezüglich der verkauften Dauerkarten bekannt. Man kann sich denken, warum. Ihr müsst doch die Fans zurückgewinnen. Und das geht nur mit Erfolgen.

Poschner: Natürlich. Zum einen wollen wir das mit attraktivem Fußball tun, zum anderen durch seriöse Arbeit, damit die Fans erkennen, dass es sich wieder lohnt und aufregend ist, Fan des TSV 1860 zu sein.

Sie haben als Neuzugänge fast nur ausländische Spieler geholt. Warum?

Poschner: Wir haben außer Stefan Ortega keine Spieler vom deutschen Markt verpflichtet, weil mit diesen nicht das realisierbar gewesen wäre, was wir auf unserem sportlichen Weg vorhaben. Es ist doch so: Gute Erstligaspieler sind schwer bezahlbar und gehen ungern in die 2. Liga. Und herausragende Zweitligaspieler gehen in die erste Liga. Außerdem stumpfen Spieler aus der 2. Liga auch mit den Jahren ab, wenn sie immer in der gleichen Klasse spielen. Für mich aber sind Hunger und Motivation wichtig.

Die spektakulärsten Zugänge waren die beiden Spanier Sanchez und Bedia. Ihr Urteil nach deren ersten sechs Wochen?

Poschner: Sanchez ist ein Leadertyp. Er ist zwar gut erzogen, kann aber auf dem Platz richtig böse und dreckig sein. Bedia ist mehr der Typ Künstler, aber wenn er anfängt, auf dem Platz zu schimpfen, dann merkt man, dass er angestochen ist. Ich verstehe ja alles. Wenn ich fluche, dann auch auf Spanisch. Außerdem ist die Leistungsbereitschaft von Sanchez und Bedia fast deutscher als bei einheimischen Spielern. Das ist auch mitentscheidend dafür, dass sie in Deutschland so gut funktionieren können.

Bei Ihrem ersten Spiel als Sportchef gab es eine böse Klatsche in Dresden. Sie erzählten mal, dass es zur Halbzeit beim Stand von 0:3 mucksmäuschenstill in der Kabine war. Für Sie ein Unding, dass sich keiner aufgeregt hat. Wäre das in der kommenden Saison noch denkbar? Abgesehen davon, dass es zur Halbzeit nicht mehr 0:3 stehen sollte…

Poschner: Das würde jetzt nicht mehr passieren. Die neuen Spieler nehmen in dieser Hinsicht auch Einfluss auf die anderen. Ein Julian Weigl steht doch jetzt auch schon anders da als in der vergangenen Saison. In der Mannschaft muss es auch Reibungen geben. Nur so entsteht Energie.

Stichwort Sturm. Ein neuer Angreifer fehlt immer noch. In Lautern stürmt Rubin Okotie, dahinter steht mit Marius Wolf nur noch ein unerfahrener Youngster. Reicht das? Lautern hat Lakic, Occean und Hofmann.

Poschner: Na und? Ich möchte mit keinem Sturm in der Liga tauschen. Das liegt nicht daran, dass ich die anderen abwerte, sondern dass ich an unsere Jungs glaube. Rubin Okotie hat zuletzt elf Tore in fünfzehn Spielen der ersten dänischen Liga erzielt. Das finde ich stark. Und was die jungen Spieler betrifft: Man muss wieder an sie glauben. Das habe ich hier vermisst. Maxi Wittek ist so ein Beispiel. Was der sich erarbeitet hat, ist für mich normal. Unsere klare Prämisse ist, diese Jungs so schnell wie möglich ans Profigeschäft heranzuführen. Auch wenn sie aussehen wie meine Enkelkinder.

Da Ricardo Moniz gerade nicht da ist – wer steigt auf?

Poschner: Wir. Ich möchte meinem Trainer doch nicht widersprechen…

tz

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