Löwen und Bullen im großen tz-Vergleich

Warum der TSV 1860 spart und RB Leipzig investiert

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Leipzigs Spieler feiern Trainer ­Alexander ­Zorniger nach dem Aufstieg.

München - Am Sonntag trifft der TSV 1860 München auf den finanzstarken Liga-Neuling RB Leipzig. Fußball-Traditionalisten sehen den Untergang des Abendlandes heraufziehen, Stichwort Wettbewerbsverzerrung. Die tz hat Löwen und Bullen verglichen:

Sieben Jahre ist es her, dass die Löwen erstmals gegen die TSG Hoffenheim antraten. 3:0 gewannen die Sechziger am 26. August 2007 beim von Ralf Rangnick trainierten Emporkömmling, der in der Rückrunde dank Verstärkungen wie Carlos Eduardo, Demba Ba oder Luiz Gustavo nicht mehr aufzuhalten war. Am Sonntag treffen die Löwen nun wieder auf einen finanzstarken Liga-Neuling. Wieder ist Ralf Rangnick am Ruder (als Sportdirektor), wieder sehen die Fußball-Traditionalisten den Untergang des Abendlandes heraufziehen, Stichwort Wettbewerbsverzerrung. Die tz hat Löwen und Bullen verglichen:

  • Die Historie: Die Fußball-Abteilung des TSV 1860 gibt es seit dem 25. April 1899. Als einer von 16 Klubs gehörten die Löwen 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Zwei Pokalsiege (1942, 1964) und eine Meisterschaft (1966) zieren den Briefkopf. Der „RasenBallsport Leipzig e.V.“ wurde 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet, nachdem 2006 ein Einstieg des Unternehmens bei Sachsen Leipzig am DFB (und Fanprotesten) gescheitert war. Nach einem Jahr in der Oberliga Nordost und drei Jahren in der Regionalliga gelang in den vergangenen zwei Jahren unter Trainer Alexander Zorniger der Durchmarsch in die Zweite Liga.
  • Die Mitglieder: Die Löwen wiesen im Jahr 2001 den Spitzenwert von 23.602 Mitgliedern aus, seitdem ist die Zahl unter die 20.000er-Marke gesunken. Neben Fußball bietet der Verein u.a. Boxen, Golf, Leichtathletik, Ski und Wassersport an. Bei RB Leipzig (nur Fußball) ist die Mitglieder-Mitbestimmung ein Punkt, bei dem der DFL-Lizenzierungsausschuss Nachbesserungen fordert. Bislang kostet eine Vollmitgliedschaft 800 Euro jährlich, die Einrichtung von Fördermitgliedschaften (ab 100 Euro) ohne Stimmrecht hat diesbezüglich keine Bedeutung. Die Mitgliedschaft bei den Löwen gibt’s für 90 Euro.
  • Die Investoren: Der in Abu Dhabi ansässige Geschäftsmann Hasan Ismaik (37) rettete die Löwen 2011 vor der Insolvenz, indem er 60 Prozent der KGaA-Anteile (davon 11 Prozent ohne Stimmrecht) für über 18 Millionen Euro kaufte. Seitdem hat Ismaik weitere Millionen als nachrangige Darlehen investiert, den überwiegenden Teil, um Jahr für Jahr das strukturelle Defizit des Klubs auszugleichen. Über seine Pläne mit 1860 hat sich Ismaik seit Monaten nicht mehr geäußert. Am Sonntag beim ersten Heimspiel der Saison wird Ismaik wohl nicht in der Arena sein. Wie zu hören ist, will der Jordanier die Entwicklung der Löwen unter dem neuen Führungspersonal abwarten, bevor er über weitere Investitionen entscheidet. In Leipzig hält man nicht viel von Abwarten. Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz (70) sagte zuletzt auf die Frage nach dem Ziel Deutsche Meisterschaft: „Ein paar Jahre vergehen ja schnell, aber irgendwann wird es so sein.“
  • Die sportliche Gegenwart: Während die Löwen mit einem unveränderten Profietat von rund zehn Millionen Euro in die Saison gingen und auf günstige Spieler setzen, holte Rangnick für fünf Millionen Euro neues Personal (Boyd, R. Khedira, Kalmar, Rebic, Compper), dazu kommen sieben Millionen Euro für den österreichischen Nationalstürmer Marcel Sabitzer und den belgischen Abwehrmann Massimo Bruno, die umgehend an den Salzburger Partnerklub verliehen wurden. „Sportlich gesehen, wäre es sicherlich kein Nachteil, wenn wir möglichst rasch in die erste Liga kommen“, sagt Mateschitz. „Andererseits brauchen Dinge auch ihre Zeit und Konsolidierungsphasen.“ 1860-Trainer

Ricardo Moniz, der 2011/12 als Trainer bei Red Bull Salzburg beschäftigt war, sagt: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Leipzig so angefeindet wird. Ich kenne Herrn Mateschitz persönlich, er kümmert sich sehr um die Red-Bull-Jugendakademien in Sao Paulo und Ghana. Er ist ein sehr idealistischer Mensch ohne kapitalistische Ausstrahlung.“

lk

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