Löwen-Mittelfeldregisseur im großen Interview

Neudecker mit Kampfansage im Aufstiegskampf: „Ich will noch was reißen!“

Spielstark: Richard Neudecker erzielte bislang vier Saisontore, hinzu kommen sieben Assists.
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Spielstark: Richard Neudecker erzielte bislang vier Saisontore, hinzu kommen sieben Assists.

Der TSV 1860 München ist wieder mittendrin im Kampf um die Aufstiegsränge. Rückkehrer Richard „Richy“ Neudecker spricht im Interview vor dem Derby gegen Türkgücü.

München– Eine Eckball-Vorlage für Semi Belkahia beim 3:1 gegen den KFC Uerdingen, jetzt das Kopfballtor zum 3:2 gegen Verl – es läuft bei Löwen-Rückkehrer Richard „Richy“ Neudecker. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht der 24-Jährige über Selbstkritik, Psychologie im Aufstiegskampf und das bevorstehende Derby gegen Türkgücü im Olympiastadion.

Richy, nachträglich nochmal alles Gute zu Ihrem Kopfballtor gegen den SC Verl. Presse- und derzeit auch Stadionsprecher Rainer Kmeth hat Sie am Samstag spontan zum „Kopfball-Ungeheuer“ ernannt.

Und zwar absolut zu Recht. Treffender kann man’s eigentlich nicht sagen (lacht).

Bringen Sie Ihre Gesamtbilanz in einer Antwort unter?

Ich versuch’s. Mein erstes Kopfballtor war bei den Sechzig-Amateuren gegen Burghausen, das zweite hab ich für St. Pauli gegen Darmstadt gemacht. Und das dritte... jetzt gegen Verl (grinst).

TSV 1860 München: Neudecker mit persönlicher Bilanz unzufrieden - „Über allem steht natürlich die Konstanz“

Insgesamt war es Ihr viertes Saisontor bei sieben Assists. Zufrieden mit den Zahlen?

Nein, ich bin mit meiner persönlichen Ausbeute noch nicht zufrieden. In den letzten zwei Spielen war’s in Ordnung von den Scorerpunkten her, aber insgesamt ist das zu wenig. In den sieben Spielen, die uns jetzt noch bleiben bis zum Schluss, will ich noch was reißen.

Mit wie vielen Toren und Vorlagen wären Sie als offensiver Mittelfeldspieler zufrieden?

An den Scorerpunkten alleine will ich es nicht festmachen. Es geht auch darum, wie oft ich den vorletzten Pass zum Tor spiele, oder wie oft mir ein öffnender Ball aus der Bedrängung heraus gelingt. Das ist – ganz ehrlich – genauso interessant für mich. Über allem steht aber natürlich die Konstanz. Nicht nur eine gute Halbzeit, wie neulich gegen Uerdingen, sondern zwei. Auch gegen Verl war ich nicht zufrieden mit mir. Nach 70 Minuten war ich müde, musste raus. Dabei hab ich mich vor dem Spiel eigentlich richtig gut gefühlt. Vielleicht hab ich einfach keinen guten Tag erwischt.

So viel Selbstkritik ist nicht alltäglich im Profifußball. Sie haben nach dem Spiel auch kein Blatt vor dem Mund genommen, als es um die Mannschaftsleistung ging. Verl habe Sechzig mit einem Mann weniger „hergespielt“. Wie war das Echo?

Es gab verschiedene Reaktionen. Nicht alle in der Mannschaft haben meinen Eindruck geteilt. Der Trainer hat mir in der Videoanalyse teilweise Recht gegeben, aber er hat auch die guten Dinge betont: Die Spielformen, die wir umgesetzt haben, die Art und Weise, wie wir zu unseren Chancen und Toren gekommen sind. Vielleicht war meine Wortwahl auch ein bissl überzogen im Nachhinein. Ich hatte halt den Eindruck, dass Verl den Ball sehr gut hat laufen lassen, was bei Elf gegen Zehn eigentlich unsere Aufgabe gewesen wäre.

TSV 1860 München: „Mangelnde Effektivität“ als Ursache für den zwischenzeitlichen Absturz

Wenn wir schon beim Kritisieren sind. Was waren Ihrer Meinung nach die Gründe, warum 1860 zwischenzeitlich den Anschluss zu verlieren drohte?

Wenn man das Saarbrücken-Spiel mal ausnimmt, wo wir in jeder Hinsicht einfach nur schlecht waren, dann lag es vor allem an der mangelnden Effektivität. Wir hatten gegen Meppen, Zwickau, auch Duisburg richtig gute Chancen, die wir nicht genutzt haben. Insgesamt haben wir uns da vielleicht zu sehr aufs Gut-Fußballspielen konzentriert, anstatt uns auch gegenseitig zu pushen, wenn wir was wegverteidigt haben. Das ist jetzt wieder anders.

Wie wichtig war der Sieg gegen Dynamo Dresden in dieser Hinsicht?

Dresden war mit das schönste Spiel der Saison. Da waren wir fußballerisch, taktisch und kämpferisch gut. Das späte Tor vom Steini (Phillipp Steinhart, d. Red.) war natürlich die Krönung.

Neudecker: „Ich habe keine guten Erinnerungen an das Olympiastadion“

Spielt es sich als Jäger so viel leichter, als als Gejagter?

Für mich spielt das keine Rolle. In der Mannschaft haben wir uns vor dem Dresden-Spiel gesagt, dass wir jetzt wirklich nur noch von einem Spiel zum nächsten denken und alles andere ausblenden, weil es eh nichts bringt. Psychologische Probleme bekommst du dann, wenn du nur immer das Saisonende im Kopf hast. Jetzt zählt Türkgücü, sonst gar nichts.

Wie heiß sind Sie auf die Revanche für das Totopokal-Aus?

Revanche haben Sie gesagt. Ich freu mich auf ein gutes Spiel am Samstag, in dem viel Feuer drin sein wird. Wir wollen unsere beste Leistung zeigen. Und dann schauen wir, was dabei rauskommt.

Freuen Sie sich auch aufs Olympiastadion?

Ich war selber noch nie drin und verbinde es mehr mit Konzerten als mit Fußball. Es ist sicher was Besonderes, dort mal spielen zu können. Aber ganz ehrlich…

Ja?

Ich habe keine guten Erinnerungen an das Olympiastadion, weil ich da immer an die Laktattests neben der Werner-von-Linde-Halle erinnert werde. Das ist nicht unbedingt das Highlight in der Vorbereitung (lacht).

Interview: Ludwig Krammer

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