Insolvenz doch ein Thema?

Klage gegen 50+1 Regel? Löwen-Boss Reisinger kontert Ismaik

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Präsident Robert Reisinger (r.) und der neue Geschäftsführer Markus Fauser beim TSV 1860 München.

Beim TSV 1860 München geht es weiter rund. Nach der Zahlungsverweigerung von Hasan Ismaik und der darauf folgenden Klage-Ankündigung stellt sich der 1860-Interimspräsident nun offen gegen den Investor.

München - Der 30. Mai 2017 wird im kollektiven Gedächtnis der Fans des TSV 1860 München wohl ewig einen Platz einnehmen. An jenem schwarzen Tag verabschiedete sich der Münchner Traditionsklub endgültig aus dem Profi-Fußball. Investor Hasan Ismaik konnte oder wollte nach dem Abstieg in die Dritte Liga die für eine Lizenz erforderlichen elf Millionen Euro nicht an den Verein überweisen.

Damit wird der TSV 1860 aller Voraussicht nach in der kommenden Saison in der Regionalliga antreten. BFV-Präsident und DFB-Vize Rainer Koch hatte das zuletzt erklärt: „Ich bin guter Dinge, dass 1860 in der neuen Saison in der Regionalliga spielen wird.“ Am Montag soll der Neubeginn mit Trainer Daniel Bierofka eingeleitet werden, dann ist Trainingsauftakt mit einem Kernteam aus U19- und U21-Spielern. Doch die Machtkämpfe im Verein gehen weiter.

Reisinger: Klage gegen 50+1 wird es mit mir nicht geben

Investor Hasan Ismaik hatte nach dem Abstieg der Löwen aus der Zweiten Liga und dem vorläufigen Ende des Profifußballs bei dem Münchner Traditionsverein eine Klage gegen die 50+1-Regel angekündigt. Der Jordanier wehrt sich dagegen, dass Investoren in Deutschland bei einem Verein nicht das letzte Sagen haben können. Die Stimmenmehrheit (darum 50+1) bei ausgegliederten Kapitalgesellschaften muss immer beim Klub liegen.

Doch Interimspräsident Robert Reisinger hat dem nun einen Riegel vorgeschoben: „Mit mir als Präsident wird es keine Klage auf einem Geschäftspapier der KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktie, Anm. d. Red.) des TSV 1860 gegen 50+1 geben“, so Reisinger gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Und auch im Bayrischen Rundfunk bestätigte der Interims-Boss diese Ansicht: „Ich kann von meiner Warte nur sagen: Auf einem Briefpapier vom TSV 1860 München e.V. wird mit Sicherheit nie eine Klage gegen diese Regel geschrieben werden. Solange ich Präsident bin und auch Einfluss habe auf die KGaA wird das auch auf einem KGaA-Papier nicht passieren.“

Insolvenzantrag offenbar möglich - Ismaik in schwacher Position

Der Gegenwind für Ismaik aus den eigenen Reihen wird damit nun offenbar stärker. Nicht nur unter den Fans regt sich Widerstand gegen den Jordanier - auch die Berufung des Insolvenzexperten Markus Fauser zum neuen Geschäftsführer der KGaA war gegen den Willen Ismaiks geschehen. Die SZ spekuliert gar, allein die Berufung Fausers sei ein Indiz dafür, dass ein Insolvenzantrag der KGaA eine Option sein könnte. Das würde die Verhandlungsposition von Hasan Ismaik ungemein schwächen - denn als Geldgeber wird er für die Regionalliga nicht mehr um jeden Preis benötigt.

Wenn es zu einer Insolvenz käme, brächte das erhebliche Nachteile für den jordanischen Investor mit sich. Die KGaA könnte sich so entschulden und Ismaik würde vermutlich viel Geld verlieren - laut dem Bericht der SZ sind Ismaiks Gesellschafterdarlehen als nachrangig eingestuft, bei etwaigen Zahlungen aus der Insolvenzmasse würden andere, vorrangige Gläubiger zuerst bedient. Doch ist damit auch die Möglichkeit gegeben, dass der e.V. Ismaik im Zuge eines solchen Verfahrens loswerden könnte? Laut dem SZ-Bericht verweisen Experten hier auf einen Präzedenzfall aus dem Bereich der Fach-Literatur, bei der ein Minderheitsgesellschafter seiner Sonderrechte im Zuge eines Insolvenzplans beraubt wurde. Es scheint also Vieles möglich zu sein.

Insolvenz in Eigenregie?

Die SZ spekuliert außerdem über eine Insolvenz in Eigenregie. Dabei würde der Insolvenz-Experte Fauser als Geschäftsführer im Amt bleiben und für die Aufgabe der Sanierung einen beratenden Berufskollegen an die Seite gestellt bekommen. Auch hier wären Ismaiks Einflussmöglichkeiten minimal. Selbstverständlich stünde dem Jordanier dann noch der Rechtsweg offen - mit dem Ausblick auf jahrelange juristische Streitigkeiten. Doch das kann beim TSV 1860 München eigentlich niemand wirklich wollen.

Über alle weiteren Entwicklungen und Neuigkeiten beim TSV 1860 München informieren wir Sie in unserem Live-Ticker.

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sdm/SID

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