Mauersberger: „Nicht zu sehr in der Vergangenheit aufhalten. Lieber in die Zukunft schauen“

Rückrunden-Auftakt der Löwen gegen Lotte - Schlechte Erinnerungen an 2017 

Happy Hiller? Womöglich muss Bonmann noch warten, bis er wieder im Tor steht.

Es war kalt, es war nass, und irgendwo im tiefen Rasen von Lotte blieb bald die Hoffnung dieses runderneuerten Löwen-Rudels hängen.

VON ULI KELLNER

Der eine Klasse tiefer spielende Gastgeber führte schon nach einer Stunde mit 2:0, bis auf ein paar Dribblings von Amilton war nichts von den teuren Winterzugänge zu sehen, in der Nachspielzeit bekam der eingewechselte Ribamar im Schneegestöber auch noch die Rote Karte entgegengestreckt – der Schlusspunkt eines bitteren Abends. „Volle Lotte blamiert“, titelte unsere Zeitung. Und womöglich war die 0:2-Pokalpleite bei den Sportfreunden sogar der Ausgangspunkt jenes Horrortrips, der die Löwen bis hinab in die 4. Liga führte.

Jan Mauersberger, damals Kapitän, sagt im Rückblick: „Ich persönlich war damals schon enttäuscht. Niederlagen im Pokal tun immer weh.“ Besonders wenn der Favorit überheblich zu Werke gegangen ist, was offensichtlich der Fall gewesen ist an diesem 8. Februar 2017. „Wenn man den weiteren Verlauf der Rückrunde sieht, dann möchte ich das nicht ausschließen“, formuliert es Mauersberger vorsichtig. Das Ende der Reise ist allen 1860-Fans in leidvoller Erinnerung: Statt „to the top“, wie von Startrainer Vitor Pereira angekündigt, floppte das ganze, viel zu großspurig angelegte Projekt mit Profis aus aller Herren Länder.

Von jenen 14 Spielern, die sich im Achtelfinale des DFB-Pokals 2016/17 gründlich blamierten, ist nur Mauersberger noch da, wenn der TSV 1860 heute erneut im kleinen Stadion von Lotte aufläuft. Würde er sich die Zeit nehmen, würde er sie womöglich noch zusammenbringen, die Startelf von damals. Ortega im Tor, davor Boenisch und Ba als Nebenmänner in der kaum geprobten Dreierkette. Das Mittelfeld bildeten Liendl, Wittek, Stojkovic und Lumor. Vergeblich auf Bälle im Sturm warteten: Aigner, kurz vorher als Kapitän zurückgetreten, besagter Amilton und Gytkjaer, der seinen Torriecher erst wiederfand, als er 1860 den Rücken kehrte und sich Lech Posen anschloss (69 Spiele, 35 Treffer).

Ob er noch verfolgt, wo die Kollegen von damals gelandet sind, wie es ihnen geht, was sie machen? „Nein“, sagt Mauersberger knapp: „Es interessiert mich auch nicht mehr. Ich hab das Thema im Sommer 2017 abgeschlossen und habe danach mit meinen jetzigen Mitspielern Gänsehaut-Momente wie den Aufstieg erlebt.“ Generell sieht es Mauersberger, 33, so: „Auch wenn ich gerne an den Aufstieg denke, lautet mein Credo: Nicht zu sehr in der Vergangenheit aufhalten. Lieber in die Zukunft schauen.“

Und diese Zukunft wird schwer genug, nachdem bei 1860 mal wieder der Rotstift regiert. Schon der heutige Wiederauftakt in der 3. Liga wird schwer, schließlich ist das aktuelle Team nicht gerade sorgenfrei ins Tecklenburger Land gereist. Adriano Grimaldi ist Geschichte, der Torjäger lächelt bereits im Uerdingen-Trikot in die Kameras. Und auch sonst kommt die Löwen-Offensive arg dezimiert daher. Gestern gesellte sich Marius Willsch (Leiste) zur Problemriege der Flügelspieler. Mauersberger klingt angemessen respektvoll, wenn er sagt, dass das 5:1 aus dem Hinspiel wohl kein Maßstab ist. Lotte habe sich „gefestigt“, sagt der Routinier. Er jedenfalls erwartet „keinen Fußballleckerbissen, sondern ein kampfbetontes Spiel, in dem wir vor allem körperlich dagegen halten müssen“.

Doch trotz aller Widrigkeiten: Mauersberger hat mehr Vertrauen in die Handlungsträger von heute als in die, die damals am Werk waren. Das belegt schon der Satz, mit dem er über die von Pereira eilig eingeführte, heute dagegen fast schon etablierte Dreierkette spricht. „Ich sag mal so: Man braucht für dieses System die geeigneten Spieler, und die hatten wir damals offenbar nicht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

TSV 1860 gegen den FC Bayern II - Sparlöwen gegen Luxus-Ausbilder: Mega-Differenz vor dem Derby
TSV 1860 gegen den FC Bayern II - Sparlöwen gegen Luxus-Ausbilder: Mega-Differenz vor dem Derby
Charity-Abend bei den Löwen: „1860 ist ja wie eine Frau, die dich dein Leben lang schlägt“
Charity-Abend bei den Löwen: „1860 ist ja wie eine Frau, die dich dein Leben lang schlägt“
„Bauen keine Luftschlösser mehr“ - Löwen-Präsident Reisinger über mögliche Kapitalerhöhung und Ismaik-Treffen
„Bauen keine Luftschlösser mehr“ - Löwen-Präsident Reisinger über mögliche Kapitalerhöhung und Ismaik-Treffen
TSV 1860 München gegen FC Bayern 2: Alle Infos zum Derby
TSV 1860 München gegen FC Bayern 2: Alle Infos zum Derby

Kommentare