Flexibilität ist Trumpf

TSV 1860: Trainer Köllner lässt Löwen rotieren - und überredet zwei Profis zum Positionswechsel

Training beim TSV 1860: Quirin Moll (li.) und Dennis Erdmann ziehen bei Köllners Rotation mit
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Training beim TSV 1860: Quirin Moll (li.) und Dennis Erdmann ziehen bei Köllners Rotation mit.

Michael Köllner, Trainer bei 1860 München, betätigt sich dieser Tage als Puzzlespieler: Im Kader seiner Löwen entstehen so mehr Alternativen und weniger unzufriedene Spieler.

  • TSV-1860-Trainer Michael Köllner frönt derzeit einer neuen Leidenschaft: Rasen-Schach.
  • Dadurch rückt plötzlich ein Spieler in den Vordergrund, der bisher die "zweite Geige" spielte.
  • Gewinner der bisherigen Vorbereitung: Quirin Moll, neues Mitglied der Innenverteidigung.

München - Gefragt nach den positivsten Überraschungen des Trainingslagers, musste Michael Köllner nicht lange überlegen. „Gewinner der Vorbereitung ist Quirin Moll“, sagte der 1860-Coach: „Quirin hat bisher bei mir keine Rolle gespielt und ein hartes Los gehabt. Aber so wie er sich auch in den Testspielen präsentiert hat – das ist einfach top! Genau auf der neuen Position.“

TSV 1860: Quirin Moll profitiert von Versetzung von Erdmann

Molls neue Position bei 1860 München ist die des rechten Innenverteidigers. Der Ex-Braunschweiger, unter Köllner bisher eine Randfigur, profitiert von der Versetzung des Abwehrrockers Dennis Erdmann ins defensive Mittelfeld. Auch beim Rafting machte er kürzlich eine auffällige Figur und versenkte seinen Trainer. Rochade nennt man so ein Wechselspiel im Schach, doch Köllner denkt eher an seine Hassliebe zum Puzzlespielen („Als Kind hat mich das tierisch genervt, die Teile haben nie gepasst“), als er über seine Beweggründe berichtet, gleich zwei Routiniers in seinem Kader umzuschulen. „Wie bei Dalli Klick“, sagt der 50-Jährige – ein Spiel in der früheren ZDF-Show Dalli Dalli, das seiner Generation noch vertraut ist. Ein Bild wurde dabei in Einzelteile zerlegt, von denen erst eins eingeblendet wurde, dann zwei, drei, vier – bis die Ratefüchse das Motiv erkannt hatten. „Bei Dalli Klick konnte ich immer gleich sehen, was das ist“, prahlte Köllner: „Dass das ein Hund ist. Im Fußball ist es auch so: Du musst sehen: Wie entwickelt sich ein Spieler weiter?“

Quirin Moll auf der Sechs habe nicht die erhoffte Entwicklung genommen. „Mit nur einem Sechser, wie wir auch wieder spielen werden – das deckt er einfach nicht ab. Sechser in einer Raute ist ein hartes Los. Da musst du extrem schnell spielen, spritzig sein. Der Quirin ist eher ein Spieler, der das nicht so vehement angeht.“ Ergo: Tim Rieder war unter Michael Köllner beim TSV 1860 München gesetzt, „und mit Daniel Wein hatten wir eine gute Alternative“.

1860 München: Moll einst „sauer und angepisst“ - jetzt Gewinner der Vorbereitung

Moll dagegen fand sich nach auskuriertem Kreuzbandriss auf der Bank wieder – mit entsprechender Laune. „Der Quirin ist kein ruhiger Zeitgenosse, der geduldig auf seine Chance wartet. Dann blockierst du innerlich, bist sauer und angepisst. Das habe ich ihm auch nie übel genommen. Wir haben uns im Sommer mehrmals zusammengesetzt – und die Sache erörtert.“

Das Ergebnis war, dass sich Quirin Moll von Köllner eine Versetzung in die Innenverteidigung schmackhaft machen ließ. „Gut ist, dass er dann auch nicht borniert ist und sagt: Ich bestehe auf die Position. Sondern, dass er flexibel ist und die neue Rolle gut annimmt. Das sieht man derzeit bei den Löwen, die sich unterdessen auch noch über eine Nachricht im finanziellen Hinblick freuen. In allen Spielen war er ein enormer Stabilitätsfaktor für uns.“ Was für den zweitligaerfahrenen Moll (29) im Abwehrzentrum spricht: „Hinten brauchen wir seine Ruhe. Zweikampfmäßig ist er eh gut, erfahren ist er – und das technische Vermögen bringt er auch mit.“

TSV 1860: Dalli-Klick-Experte Köllner mit genialer Moll-Erdmann-­Rochade

Praktischerweise hat Puzzlespieler Köllner aber nicht nur gesehen, dass Molls Stärken hinten besser zur Geltung kommen könnten. Sondern auch, dass Dennis Erdmann (29) viel wertvoller ist, wenn er eine Linie nach vorne springt – auf die bis zum Sommer von Moll beanspruchte Position des Solo-Sechsers. Die schlüssige Begründung des Dalli-Klick-Experten: „Dennis ist auch nicht der schnellste Spieler, aber ein abgewichster Hund.“

Michael Köllner sah vor seinem geistigen Auge, dass ein zentral kämpfender Erdmann für das insgesamt ruhige Team wertvolle Dienste leisten könnte: „Dennis ist auf der Sechs mit allen Wasser gewaschen. Das hat er in Magdeburg auch gespielt. Er bringt eine unglaubliche Aggressivität in unsere Mannschaft rein. Nachdem wir beim TSV 1860 viele junge Spieler haben, brauchst du Dennis dazu, um Leben in die Mannschaft zu bringen. Das kann Mölders nicht alleine, das muss von hinten kommen.“

Das Resultat der Moll-Erdmann-­Rochade ist eine Win-win-Situation: Köllner, der auch Johann Ngounou Djayo (19) zu den Gewinnern der Vorbereitung zählt, hat zwei Alternativen mehr in seinem nicht üppigen Kader – und zwei unzufriedene Spieler weniger. „Die Frage ist doch: Sitzt du ewig auf der Bank? Wechselst du den Verein? Oder gibt es eine Alternativposition?“ Die nun gefundene Lösung, findet er, sei Moll „auf den Leib geschneidert“. Und auch Erdmann, der schon mit einer Rückkehr nach Magdeburg geliebäugelt hatte, könnte im zweiten Löwen-Jahr vielleicht doch noch in die Rolle eines Schlüssel- und Führungsspielers schlüpfen.

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