Biero: "Man kann's nicht jedem recht machen"

München - Die einen freuen sich über die Rettung, die anderen trauern über den Verkauf der Seele. Der Einstieg von Investor Hasan Ismaik sorgt auch sechs Wochen nach der Unterschrift des Jordaniers für lebhafte Diskussionen bei den Löwen-Fans.

 Präsident Dieter Schneider weiß um die Spaltung der Szene; in einem Brief an den Fanklub-Dachverband ARGE gemahnte er vergangene Woche an die Eigenverantwortung der Anhängerschaft. „Wenn wir darüber reden, ob wir unsere Seele verkauft haben, muss uns bewusst sein, dass es an uns liegt, ob das so sein wird oder nicht“, schrieb Schneider. „Wenn wir gemeinsam unsere Seele, unsere Identität leben, wenn wir - die Vereinsführung und die Fans - zusammenhalten nach innen und außen, werden wir stark sein, dann können wir unserem Investor gegenüber demonstrieren, dass es wert ist, diese Identität zu erhalten.“

Bei den ARGE-Fans dürfte Schneider mit seinem Aufruf offene Türen einrennen. Vorstandsmitglied Andreas Kern von den Holledauer Löwen preist den 1860-Boss als „Geschenk“. Im Lager der Faninitiative  „Pro1860“  überwiegt dagegen die Skepsis. „Viele warten ab, wie sich das Ganze entwickelt“, sagt Pro1860-Sprecher Hans Vonavka. „Von Aufbruchsstimmung kann bei uns keine Rede sein.“

Der Löwen-Spielplan für die neue Saison

Und was sagen Trainer und Spieler? Reiner Maurer kann mit  dem Kampfbegriff „Seelenverkauf“ nichts anfangen. „Wir sind nach wie vor ein Arbeiter- und Ausbildungsverein“, sagt der Coach. „Der Schwerpunkt wird bei uns weiterhin auf der Jugendarbeit liegen. Ich sehe den Investoren-Einstieg als Win-Win-Situation. Das Beste wären Siege zum Saisonstart. Wenn wir in der Spitzengruppe mit dabei sind, dann werden sich die Debatten sicher ein bisschen abschwächen.“

Herzlöwe Daniel Bierofka sieht’s ähnlich. „Ich glaube nicht, dass die Seele verkauft worden ist. Wir können froh sein, dass wir noch in der Zweiten Liga spielen. Für uns Spieler hat sich nicht viel verändert. Wir leben den Verein.“ Auf Nachfrage wird der Vizekapitän konkret: „Die 18 Millionen, die bis jetzt geflossen sind, dienen doch hauptsächlich der Schuldentilgung. Der Profietat wurde von neun auf sechs Millionen Euro zurückgefahren, insofern ist das Gerede doch ein totaler Schmarrn. Man kann’s halt nicht jedem recht machen. Ich bin froh, dass Sechzig weiter im Profifußball spielt.“

Nachvollziehbar. Und für die Investoren-Skeptiker gibt es künftig ja die neugegründete dritte Herrenmannschaft des e.V. als Identifikationsobjekt. Das Team von Trainer Achim Kobahn (45, ehemals SC Au München) wird in der A-Klasse 4 beginnen und hat als klar formuliertes Ziel den Aufstieg. Trainingsstart ist am Dienstag um 20 Uhr auf dem Löwengelände an der Grünwalder Straße 114a.

lk

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