Erst eine Buspanne hält die Löwen in Jena auf

Im Stile einer Spitzenmannschaft: Aufstiegsplätze sind für 1860 jetzt in Reichweite

Alle mal herhören: 1860, dem würde auch Timo Gebhart nicht widersprechen, ist zu einem Topteam gereift.
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Alle mal herhören: 1860, dem würde auch Timo Gebhart nicht widersprechen, ist zu einem Topteam gereift.

In Jena feierte die seit nun 14 Spielen unbesiegte Köllner-Elf den zweiten Sieg in Serie. Der TSV 1860 München scheint auf dem besten Weg, beim Kampf um die Aufstiegsplätze mitzumischen. 

  • FC Carl Zeiss Jena - TSV 1860 München 0:3
  • 1860 München war in der Dritten Liga seit 13 Pflichtspielen ungeschlagen und setzt seine Serie auch in Jena fort.
  • Die Löwen schnuppern an den Aufstiegsplätzen.

Jena – Was dem Tabellenletzten Jena nicht gelungen ist und auch nicht 13 Gegnern zuvor, hat am Samstag ein defekter Busreifen geschafft: Er hat die Profis des TSV 1860 ausgebremst, die ihren sportlichen Höhenflug zuvor auf dem Rasen des Ernst-Abbe-Sportfeldes fortgesetzt hatten. „So können wir unmöglich auf die Autobahn“, sagte Busfahrer Georg Ostermaier mit Blick auf eine handtellergroße Beule im Kautschuk/Polyester-Mantel. Pannenhelfer des ADAC rückten aus, Liefertrupps, um die gestrandeten Löwen mit Essen und Bier zu versorgen. Trainer Michel Köllner nahm den um drei Stunden verlängerten Thüringen-Aufenthalt mit Humor. „Dem Bus ist die Luft ausgegangen“, sagte er, „zum Glück nicht uns im Spiel.“

Reifenpanne erkannt: Busfahrer Georg Ostermaier.

Davon konnte in der Tat nicht die Rede sein. Der 3:0 (2:0)-Sieg in Jena war auch deshalb so wertvoll, weil es eines dieser Spiele war, die die Löwen früher zuverlässig verloren haben. Angeschlagener Gegner, Lobeshymnen vom letzten Sieg im Kopf (4:3 gegen Chemnitz), dazu eine 13-minütige Unterbrechung, weil sich die Jena-Ultras lange weigerten, ein Anti-Hopp-Plakat vom Zaun zu nehmen. „Typisch Sechzig“ hätte man gesagt, wenn das Spiel bei einem kaum konkurrenzfähigen Gegner in die Hose gegangen wäre. Diesmal jedoch lieferten die Löwen reichlich Gründe, um ihren neuen Tabellenplatz (Sechster) mit der Ausstrahlung eines Spitzenteams zu unterfüttern. „Souveräner Auftritt, fast nichts zugelassen – besser kann man sich so ein Auswärtsspiel nicht vorstellen“, fasste Tim Rieder den Auftritt der Köllner-Elf zusammen, der aus besagten Gründen nicht nur 90, sondern 103 Minuten Konzentration erforderte.

TSV 1860 gewinnt gegen Jena: Erfolg im Stile einer Spitzenmannschaft

Das Spiel am Fuße der Kernberge in Jena-Paradies war kaum angepfiffen, da drohte bereits der Abbruch desselben. Jena-Ultras, die mit dem FC Bayern sympathisieren, entrollten nach zwei Minuten ein überdimensionales Hassplakat und lösten jenen Drei-Stufen-Plan aus, den der DFB unter der Woche verabschiedet hatte. Die Stufen eins („Spielunterbrechung, Stadiondurchsage“) und zwei („Mannschaften gehen in die Kabine, erneute Durchsage“) waren bereits vollzogen, eine gefühlte Ewigkeit mit Diskussionen verstrichen, als sich die Jena-Ultras doch noch überzeugen ließen, einen Spielabbruch zu verhindern. Sportlich bedeutete das: Stefan Lex musste an jene Eckfahne zurückkehren, an der er sich schon vor dem Zwangsaufenthalt in der Kabine gedehnt hatte.

„Ich hab befürchtet, dass ich mir wehtue, wenn ich nach einer Viertelstunde kalt die Ecke reinhaue“, sagte Lex und fügte genervt hinzu: „Natürlich nervt das, wenn ein Spiel unterbrochen wird.“ Aber, zeigte er Verständnis für die strenge DFB-Linie: „Wenn Leute beleidigt oder im Fadenkreuz abgebildet werden – das hat meiner Meinung nach nichts im Stadion zu suchen. Wenn hierzulande Leute in einer Shisha-Bar erschossen werden, dann muss man echt aufpassen.“

TSV 1860 gewinnt gegen Jena: Als nächstes wartet schwere Aufgabe gegen Duisburg

Während Jenas Startelf-Debütant Joy-Lance Mickels klagte, durch die Unterbrechung sei die Aufmerksamkeit auf 99 Prozent abgesackt („Ein Prozent fehlt dann halt“), fassten die Gäste einen klugen Entschluss. „Wir haben uns gesagt: Wenn die schon für eine Unterbrechung sorgen, dann hauen wir denen am besten direkt die Ecke rein“, sagte Lex, was Timo Gebhart mustergültig umsetzte. Weitere Belege für den Reifeprozess der Löwen: Bekiroglu legte rasch das 2:0 nach – Lex, ebenfalls nach Mölders-Vorarbeit, sorgte nach der Pause für klare Verhältnisse. „Bruder Leichtfuß“ (Köllner) hatte in der Schlussphase keine Chance mehr – auch weil der aufmerksame Marco Hiller zweimal gegen aufgerückte Jenaer parierte.

Köllner jedenfalls trat mit einem guten Gefühl die Heimreise an. „Es gibt Widerstände, die du einfach annehmen musst – das ist am Ende auch eine Charakterfrage“, sagte er, derweil Lex vorausblickte auf das Spitzenspiel am Samstag gegen Duisburg: „Das wird eine schwerere Aufgabe als heute, aber wenn wir weiter gewinnen, dann können wir irgendwann mal nach oben schauen.“ Pressesprecher Rainer Kmeth schwärmte noch von der guten Stimmung beim Warten im Bus – und vom Busfahrer selbst „So eine Panne musst du erst mal erkennen.“ Auch für Ostermaier gelte: „Solche Männer brauchst du!“

Der Spiel-Ticker zum Nachlesen:

Starke Löwen lassen Jena keine Chance - Gebhart nach Fast-Spielabbruch eiskalt

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