Vor dem Arbeitsgericht

Angekündigter Sieg für Matmour

München - Karim Matmour darf vorerst nicht ins Profitraining des TSV 1860 zurück. Er hatte beim Arbeitsgericht Klage gegen seine Degradierung eingereicht.

Am Ende sprach selbst der Richter von einem „unbefriedigenden Ergebnis“. Werner Bader setzte ein mitleidiges Gesicht auf, als er nach kurzer Beratung mit seinen Schöffen in den Verhandlungssaal des Arbeitsgerichts zurückkehrte, denn wem er in diesem eilig anberaumten Prozess folgte, war unschwer zu erkennen. Zwar verwehrte er Karim Matmour jene einstweilige Verfügung, mit der sich der algerische Fußballer zurück ins Profitraining des TSV 1860 klagen wollte. Aber, ließ Bader bei seiner Beschlussbegründung durchblicken: Es ist wohl nur eine vorläufige Niederlage, die der zur U 21 versetzte Offensivspieler erlitten habe.

“Irreparabler Schaden“ durch U21

„Die Sache muss eilbedürftig sein, daran scheitert’s“, erklärte Bader für alle Nichtjuristen im Saal, was in der Praxis bedeutet: Matmour, 31, wird wohl kein „irreparabler Schaden“ entstehen, wenn er weitere Wochen bei der viertklassigen U 21 trainieren muss, wie von der Geschäftsführung des Zweitligisten verfügt. Auf Kunstrasen. Mit ungewohnten Bällen. Zu Uhrzeiten, die sich der degradierte Profi mühsam erfragen muss. All diese zweifelhaften Punkte, die die Partei Matmour dazu bewogen hatte, vor Gericht zu ziehen.

Aber, deutete der Richter unmissverständlich an: In einem Hauptsacheverfahren, das frühestens im April stattfinden wird, dürfte 1860 eher schlechte Karten haben. Neben der Eilbedürftigkeit gebe es nämlich noch eine zweite Grundvoraussetzung für eine einstweilige Verfügung, und was die angeht, sieht Bader den Kläger klar im Vorteil. „Ginge es nicht um den Verfügungsgrund, also die Eilbedürftigkeit, dann würden Sie den Prozess verlieren“, sagte er an die juristischen Vertreter des TSV 1860 gewandt. Bader führte aus: „Aus unserer Sicht liegt ein ganz klarer Verstoß gegen das Maßregelungsverbot vor.“ Er verwies auf Paragraf 612a BGB. Dort ist geregelt: „Der Arbeitgeber darf einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung (...) nicht benachteiligen, weil der Arbeitnehmer in zulässiger Weise seine Rechte ausübt.“

Unmissverständliche Power-SMS

Das haben die Löwen aber getan. Sagt Bader. Weniger mittels der Maßnahmen, die Matmours Anwalt als Schikane wertet („Er muss bei der U 21 Verteidiger spielen“). Unzweifelhaft aber mit einem Dialog, der den Tatbestand der Maßregelung vollumfänglich erfülle. Stefan Hagen, Matmours Anwalt, zitierte aus einer SMS, die sein Mandant gegen Ende der Wintertransferperiode erhalten habe. „Geh nach China, da hab ich einen Verein für dich“, soll Geschäftsführer Anthony Power sinngemäß geschrieben haben: „Und wenn du nicht gehst, dann ab in die zweite Mannschaft.“ Richter Bader sieht einen logischen Zusammenhang zwischen dem Versuch, den Spieler loszuwerden, und der Konsequenz, den nicht losgewordenen Spieler zu degradieren: „Wenn etwas zeitlich so zusammenfällt, dann kann das kein Zufall sein.“

Schickte SMS an Matmour: Anthony Power.

Es ist mehr als ein juristisches Faustpfand, das Matmour seit Montag in der Tasche hat. Und was ebenfalls im Zuge der Verhandlung bestätigt wurde: Seinen gut dotierten Vertrag, der ursprünglich bis 2018 gelaufen wäre, hat er mittels einseitiger Option verlängert. Bis 2019. Was nicht jeder nachvollziehen kann. Tassilo König, Anwalt des TSV 1860, argumentierte: „Wenn die Schikanierung so schlimm ist, wie es dargestellt wurde, dann verlängere ich doch meinen Vertrag nicht.“ Hagen, Matmous Anwalt, hielt dagegen: „Er hat das aus der Not heraus gemacht.“

Wie geht‘s jetzt weiter?

Der Verein hätte seinen Spieler schließlich „faktisch erledigt“ und im Spätherbst der Karriere „auf zweierlei Weise Schachmatt gesetzt“. Zum einen, weil Matmours Image „schwer beschädigt“ sei, seit ihm in einer Pressemitteilung unterstellt wurde, nach „finanziellem Nutzen“ zu trachten. Zum anderen, weil die „faire Chance für Karim Matmour“, so der Titel besagter Pressemitteilung, nur mit viel gutem Willen zu erkennen sei. Schließlich habe Chefcoach Vitor Pereira den Spieler öffentlich als „untauglich“ gebrandmarkt.

Wie es nun weitergeht? Streng juristisch mit einem Gütetermin, dem die Hauptverhandlung folgen könnte. Realistischer ist jedoch, dass Matmour weder seinen Vertrag bis 2019 erfüllen noch eines Tages ins Profitraining des TSV zurückkehren wird – weil man sich vorher irgendwie einigt. 1860 hat nun schriftlich, dass die Droh-SMS von Power kontraproduktiv war. Hagen, Matmours Anwalt, sagte unwidersprochen: „Im Vergleich zu 1860 hat sich mein Mandant an seine Verträge gehalten.“ 

ulk

WhatsApp-News zum TSV 1860 gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für Löwen-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Löwen direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!


Video: SnackTV

Rubriklistenbild: © sampics

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Löwen bezwingen Jena und stärken Bierofka
Löwen bezwingen Jena und stärken Bierofka
Ticker: TSV 1860 gewinnt dank Doppelpacker Weber gegen Jena - auch Geburtstagskind trifft
Ticker: TSV 1860 gewinnt dank Doppelpacker Weber gegen Jena - auch Geburtstagskind trifft
1860-Glücksgriff Tim Rieder: Neue Hose, alte Heimat
1860-Glücksgriff Tim Rieder: Neue Hose, alte Heimat
1860 im Free-TV: Diese Spiele gibt es in der Hinrunde live und umsonst
1860 im Free-TV: Diese Spiele gibt es in der Hinrunde live und umsonst

Kommentare