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Interne Machtkämpfe: So tief mussten die Löwen für Berater und Gehälter in die Tasche greifen

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Von: Marcus Giebel

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Ein Verein vor ungewisser Zukunft: Es dunkelt noch immer über dem Löwen-Vereinsgelände.
Ein Verein vor ungewisser Zukunft: Es dunkelt noch immer über dem Löwen-Vereinsgelände. © dpa

Sechzig kommt auch während der Winterpause nicht zur Ruhe. Wenige Tage nach dem Wechsel auf dem Geschäftsführerposten sorgt ein Artikel über üppige Beraterhonorare für Aufsehen.

München - Wenn der kicker einem Regionalligisten eine Doppelseite spendiert, muss schon Außergewöhnliches passiert sein. Von daher ist es wenig überraschend, dass die Löwen in der neuesten Ausgabe des Sportfachmagazins ausführlichst behandelt werden. Welcher unterklassige Verein hat in den vergangenen Jahren auch nur annähernd so viele nicht-sportliche Schlagzeilen geschrieben wie die Giesinger? Die nun aufgetischten Zahlen scheinen allerdings einmal mehr zu demonstrieren, dass auch nach dem Worst Case mit dem Lizenzentzug im vergangenen Sommer noch eine Menge im Argen liegt bei Sechzig.

So soll der im Sommer als neuer Geschäftsführer eingesetzte und mittlerweile wieder abgetretene Markus Fauser kurz nach seiner Inthronisierung ein Budget von 505.000 Euro vom Aufsichtsrat der KGaA zur Verfügung gestellt bekommen haben. Mit diesem Betrag sollte Fauser mithilfe von Rechtsanwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfern alle möglichen Szenarien für den Klub - inklusive der Insolvenz - durchspielen und sich und den Geschäftsbetrieb absichern.

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613.000 statt 505.000 Euro binnen vier Monaten

Damit aber nicht genug: Der ohnehin schon üppig anmutende Betrag wurde dann nach kicker-Informationen noch einmal um einen sechsstelligen Betrag aufgestockt. Binnen vier Monaten sollen sage und schreibe insgesamt 613.000 Euro an Beraterhonoraren geflossen sein. 301.000 Euro gingen demnach bis Ende September an Fausers Stuttgarter Anwaltskanzlei Anchor, 312.000 Euro flossen an diverse andere Kanzleien.

So sollen die Wirtschaftsprüfer von Deloitte für das „Erstellen einer positiven Fortbestehungsprognose zur Vermeidung der Insolvenzantragspflicht der KGaA“ - also quasi lebenserhaltenden Maßnahmen für den Verein - 81.000 Euro eingestrichen haben. Weil das Lager von Investor Hasan Ismaik den weltweit operierenden und auch in München ansässigen Beratern jedoch nicht vertraute, wurden für ein zweites Gutachten durch die Nürtinger Kanzlei Andersch noch einmal 100.000 Euro fällig.

Alter und neuer Geschäftsführer: Michael Scharold (r.) folgt an der Grünwalder Straße auf Markus Fauser.
Alter und neuer Geschäftsführer: Michael Scharold (r.) folgt an der Grünwalder Straße auf Markus Fauser. © sampics / Stefan Matzke

Beratung wegen möglicher Aufkündigung der Kooperation mit Ismaik?

Unfassbare Summen, gerade mit Blick auf die finanzielle Schieflage des Klubs. Immerhin soll Fauser ab Oktober seinen branchenüblichen Tagessatz im vierstelligen Bereich halbiert haben. Doch an anderen Stellen wurde das Geld weiter mit beiden Händen ausgegeben. So kostete der nach wie vor schwelende Dissens zwischen Vereinsspitze und Investorenseite die Löwen laut kicker einen hohen fünfstelligen Betrag.

Die Kluboberen ließen sich demnach von der Kanzlei Imbeck wegen einer möglichen Aufkündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik beraten. Ohne Erfolg: Die Experten rieten im November ab. Grund soll einer Mail von Verwaltungschef Markus Drees zufolge die bereits mit Ismaiks Firma „HAMG“ getroffene Sanierungsvereinbarung gewesen sein. Somit hätten sich die Blauen nicht mehr auf die „Nichtzahlung der Lizenz“ für die 3. Liga durch den Milliardär aus Jordanien berufen können.

Hilft am Ende nur beten? Investor Hasan Ismaik befindet sich im Streit mit der Vereinsspitze der Löwen.
Hilft am Ende nur beten? Investor Hasan Ismaik befindet sich im Streit mit der Vereinsspitze der Löwen. © dpa

Personalchefin kassierte offenbar 130.000 Euro im Jahr

In einem weiteren Streitfall setzte die Vereinsseite ihren Willen dagegen durch. So sei die Vertragsverlängerung mit der auf Empfehlung von Ismaik engagierten Personalchefin Lina Abuamer abgeschmettert worden. Die Absolventin der Paris-Sorbonne-Universität von Abu Dhabi soll dem kicker zufolge im Jahr rund 130.000 Euro verdient haben. Das Sportmagazin zitiert Verwaltungschef Drees, der von einer „Politik der Nadelstiche gegen Ismaik“ spricht.

Jüngstes Beispiel für diese Taktik dürfte die Einberufung von Michael Scharold als neuer Geschäftsführer sein. Wie schon im Sommer bei Fauser nutzte die Vereinsspitze die 50+1-Regel, um Ismaik und Co. auszustechen. Wie wenig begeistert der Gönner von dieser Entscheidung ist, teilte er der Öffentlichkeit bereits via Facebook mit. Bereits im Sommer soll es zwischen dem Diplom-Kaufmann und dem Geschäftsmann aus dem Nahen Osten geknirscht haben. So hat Scharold Ismaik laut kicker am Tag des Lizenzentzugs per Mail davon überzeugen wollen, einen Fehlbetrag von einer Million Euro von einer nicht näher benannten privaten Person einzustreichen und dieser im Gegenzug 300.000 Euro zukommen zu lassen. Reichlich dubios.

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Nun plant Scharold, der ein niedriges sechsstelliges Jahresgehalt beziehen soll, die Rückkehr der Löwen in die 2. Liga. Und das allem Anschein nach komplett ohne Ismaiks Geld.

mg

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