Wann kommen Belkahia und Wein zurück?

1860-Sportchef Gorenzel über Saisonstart: „Lautern-Spiel war der Schuss vor den Bug“

Fordert mehr Konstanz beim TSV 1860 München: Sportchef Günther Gorenzel.
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Fordert mehr Konstanz beim TSV 1860 München: Sportchef Günther Gorenzel.

Wie bewertet 1860-Sportchef Günther Gorenzel den Saisonstart? Wie ist die Kadersituation und wie steht es um die potenziellen Rückkehrer? Das Interview.

München – Der Start in die neue Saison ist dem TSV 1860 je nach Sichtweise passabel bis ordentlich geglückt – vor dem Samstagsspiel gegen den SV Meppen liegen die Löwen vier Punkte hinter Überraschungs-Tabellenführer Viktoria Berlin. Im Interview gibt Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel Einblicke in seine Start-Analyse, spricht über auslaufende Verträge, die Zugänge und die Rückkehrpläne der Verletzten.

Herr Gorenzel, das Transferfenster ist seit Dienstag auch für 1860 zu. Was hätte passieren müssen, um nochmal aktiv zu werden?
Eine massive Verletzung mit langer Ausfallzeit. In diesem Fall hätten wir handeln müssen. Wir haben einen permanenten Schattenkader von drei bis fünf Spielern auf jeder Position, die wir engmaschig beobachten. Da die Ausfallzeit bei Semi Belkahia nicht so lange war, wie anfangs befürchtet, gab es keine Notwendigkeit für eine Änderung.
In Braunschweig ragte einmal mehr Torhüter Marco Hiller heraus. Was fehlt zur Vertragsverlängerung?
Wir wissen, was wir an Marco haben – und umgekehrt weiß auch Marco, was er an Sechzig hat. Doch in der derzeitigen Phase der Meisterschaft soll der Fokus jedes Einzelnen ausnahmslos darauf liegen, die nächsten Spiele erfolgreich zu gestalten. Spätestens im Oktober werde ich die Gespräche mit den Spielern aufnehmen, deren Verträge zum Saisonende auslaufen. Es geht letztendlich auch darum ligaunabhängig zu erörtern, wie die Spieler ihre Zukunft sehen und planen.
Ist die letzte Saison raus aus den Köpfen?
Den Eindruck habe ich, ja. Das Lautern-Spiel war der berühmte Schuss vor den Bug. Die letzten zwei Spiele haben gezeigt, dass jeder verstanden hat, worum es geht.
Wie lange hat es bei Ihnen persönlich gedauert, den Frust über den verpassten Aufstieg zu verarbeiten?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leichtgefallen ist. Auch wenn ich knapp 600 Spiele im Profifußball erlebt habe und eher der rationale Typ bin, das nagt an mir. Aber wer zu lange in der Vergangenheit hängt, dem fehlen wichtige Prozente für die Gegenwart.
In der Liga sind die ersten sechs Spiele rum. Entspricht das Tabellenbild Ihren Erwartungen?
Ich bin keiner, der in erster Linie an Punkte denkt, sondern in Prozessen. Fakt ist, dass wir noch in vielen Dingen Luft nach oben haben – individuell und im Kollektiv. Den Turnaround haben wir gegen Viktoria Köln und Eintracht Braunschweig geschafft, jetzt gilt es, Konstanz reinzubekommen.
Was hat Sie bislang am meisten überrascht?
Wie stark sich die Gegner in ihrer Spielweise auf uns einstellen. Sogar eine Mannschaft wie Braunschweig, die das Momentum mit drei Siegen auf ihrer Seite hatte, wartet ab und überlässt uns das Spiel. Das ist in dieser Ausprägung schon überraschend. Ein Kompliment, aber auch eine große Herausforderung.
Wie fällt Ihr Startzeugnis für die drei Neuen aus?
Wir haben drei super Persönlichkeiten dazubekommen, die sich schnell eingefügt haben. Yannick Deichmann spielt als Rechtsverteidiger auf hohem Niveau, darum muss sich Kevin Goden aktuell hintenanstellen. Marcel Bär ist ungemein wertvoll, weil er so flexibel ist. Er kann um Sascha Mölders herumspielen, oder als 11er, der nach innen zieht, wie gegen Braunschweig. Und er kann auch alleine vorne spielen, sollte Sascha mal ausfallen.
Warum hat die Mannschaft ihre Stärken im 4-2- 2-2-System nicht ausspielen können?
Das wird mir zu hoch gehängt. Die Positionsaufgaben wurden in den ersten Spielen ganz einfach nicht so ausgefüllt, wie es Michael Köllner vermittelt hat. Wir spielen auch im 4-1-4-1 mit zwei Spitzen im Ballbesitz. Das 4-2-2-2 ist zentrallastiger und eine Möglichkeit mehr, gegen tiefe Blocks zu spielen.
Marcel Bär hat in Braunschweig die hohe Zahl an verursachten Freistößen kritisiert. Wir haben mal nachgeschaut: 16 Stück. 
Zu viel, keine Frage. Die Spieler haben das selbst erkannt, daran wird im Training gezielt gearbeitet. Womit wir wieder bei der Spielweise wären. Dadurch, dass sich gegen uns viele Gegner hinten reinstellen und auf Konter lauern, steigt die Gefahr für taktische Fouls.
Wie sind Sie mit den Offensiv-Standards zufrieden?
Der Freistoß gegen Köln war einstudiert (Neudecker flach auf Steinhart, nach innen abgelegt, Dressel, Tor). So etwas freut einen natürlich, wenn’s klappt. Aber auch da ist noch viel Luft nach oben. Noch mehr Konzentration beim Schützen, noch mehr Entschlossenheit beim Einlaufen. Das sind die Vorgaben.
Was sollte die Mannschaft bis Ende September erreicht haben?
Konstanz. Meine drei Lieblingsbegriffe im Profisport sind Fokus, Balance und Konstanz. Eines folgt aus dem anderen, in dieser Reihenfolge. Dass sie es kann, hat die Mannschaft gegen Köln und Braunschweig gezeigt. Aber wenn wir in der Tabellenspitze mitspielen wollen, dann muss die Schwankungsbreite jetzt geringer werden.
Semi Belkahia und Daniel Wein stehen vor der Rückkehr in den Kader. Was erhoffen Sie sich?
Beide geben uns in der Defensive die Möglichkeiten, die wir in der Offensive schon haben, und somit können wir auf einen ausgewogenen Kader zurückgreifen. Beide haben ihre Stärken im spielerischen Bereich. Künftig können wir noch besser reagieren.
Und wie lange dauert es bei Marius Willsch noch?
Wir sind positiv überrascht, dass er das intensive Lauftraining problemlos wegsteckt. Jetzt geht es dann um Richtungswechsel, dann kommt die Ballarbeit. Wichtig ist, dass sich der Mäsch nicht zu viel Druck macht. Er hat sich im Saisonfinale aufgeopfert für die Mannschaft, für das große Ziel. Jetzt bekommt er alle Zeit der Welt, zurück zu alter Stärke zu finden.
Das 1:1 im Heimspiel gegen Meppen gehörte in der Vorsaison zur Kategorie unnötiger Punktverlust. Warum wird’s am Samstag erfreulicher?
Ich hoffe, dass es erfreulicher wird und wir das Spiel auf unsere Seite ziehen können. Fakt ist: Das Meppen jetzt kannst du mit dem der Vorsaison nicht vergleichen, die treten viel offensiver auf, verteidigen brutal nach vorn. Wer glaubt, dass die nächsten Gegner einfacher werden, der täuscht sich. 

Das Interview führte Ludwig Krammer.

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