Investor rechnet mit langem Prozess

Ismaik-Klage gegen 50+1: Experte sieht gute Chancen

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Zieht vor Gericht: Hasan Ismaik will die 50+1-Regel kippen.

Hasan Ismaik hat eine Klage gegen die 50+1-Regel angekündigt. Der Investor der Blauen wird sich gedulden müssen, hat aber laut einem Experten gute Aussichten auf einen Erfolg.

München - Jetzt macht Hasan Ismaik also ernst. „Heute habe ich mich entschlossen, die Klage gegen diese aberwitzige 50+1-Regel einzureichen“, vermeldete der Investor am Freitag. Gegenüber der tz legte er nach. Er habe „jahrelang die Misswirtschaft beim TSV 1860 ertragen“. Jetzt aber sei „der Zeitpunkt gekommen, um aufzustehen“, um gegen die „altmodische“ und „aus der Steinzeit gekommene 50+1-Regel“ zu klagen.

Hasan Ismaik hatte in der Vergangenheit schon öfter angekündigt gegen die Regel zu klagen, welche den Einfluss von Investoren in Deutschland limitiert. Bislang hatte er aber noch nie auf seine Worte wirklich Taten folgen lassen. Jetzt klingt er konkreter. Der SZ sagte Ismaik, er reche damit, dass der Prozess „drei Jahre“ dauern werde.

Ismaik attackiert BFV-Boss

Von den Entscheidungsträgern gab es keine Reaktion. DFB-Vize-Präsident Rainer Koch schwieg am Sonntag zum Vorstoß von Hasan Ismaik. Der Investor hatte Koch, der auch Präsident des bayerischen Fußballverbandes ist, am Freitag noch persönlich angegriffen. „Besonders enttäuscht mich auch die Haltung von Dr. Rainer Koch. Einerseits versucht der DFB mit 50+1 den Kommerz zu unterbinden, andererseits organisiert der Verband für Chinas U 20-Nationalmannschaft einen Startplatz in der Regionalliga.“

Aber welche Chancen hat Ismaik vor dem Bundeskartellamt? Eine Einschätzung gibt der Sport-Business-Experte Thomas H. Rudy: „Ismaik hat sehr gute Chancen. Die 50+1-Regel hat im deutschen Fußball aus kultureller und historischer Sicht sicher ein Existenzrecht, aber mittlerweile gibt es zu viele Ausnahmen und Sonderregelungen, so dass man aus rechtlicher Sicht Probleme bekommt.“

US-Ligen als Vorbild?

Das aber bedeutet nicht, dass Ismaik ohne 50+1 schalten und walten könnte wie er will, sagt Rudy und bringt als neue Lösung das Vorbild US-Sport ins Spiel: „Die NFL hat einen strikten Zulassungsprozess für Investoren und neue Besitzer. Darüber hinaus müssen 24 der 32 Teambesitzer für jeden neuen Besitzer stimmen. Das steigert die Wahrscheinlichkeit der Seriosität. Außerdem muss jeder Investor seine gesamten Finanzen offenlegen.“

Sollte Ismaik klagen, könnte er von den Löwen keine Unterstützung erwarten. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Interims-Präsident Robert Reisinger kürzlich: „Ich kann von meiner Warte nur sagen: Auf einem Briefpapier vom TSV 1860 München e.V. wird mit Sicherheit nie eine Klage gegen diese Regel geschrieben werden. Solange ich Präsident bin und auch Einfluss habe auf die KGaA, wird das auch auf einem KGaA-Papier nicht passieren.“

Ismaik kritisiert auch Hauptsponsor

Ismaik legt sich nicht nur mit der DFL an - sondern auch mit Löwen-Hauptsponsor „Die Bayerische“. „Unser Verein braucht potente Investoren und Sponsoren, aber mit Sicherheit keine, die wie Die Bayerische peinliche Vereinspolitik betreiben. Diese Versicherung wollte jetzt ein Darlehen in Höhe von zwei Millionen Euro geben und im Gegenzug zwei Sitze im Verwaltungsrat“, sagt Ismaik. „Ich hätte kein Problem, wenn das Trikot in der neuen Saison leer bliebe. Das Trikot gehört allein unseren Fans. Für den Fehlbetrag komme ich gerne auf!“

Der Jordanier kritisiert auch den Verein: „Ich bin sehr enttäuscht, dass 1860 verschweigt, dass ich die Darlehen verlängert habe.“ Nach tz-Informationen hatte Ismaik allerdings bis Freitagnachmittag tatsächlich nur eine mündliche Absichtserklärung abgegeben, die Darlehen in Höhe von acht Millionen Euro zu verlängern. Gegenüber der tz erklärte er am Sonntag, dass er das Darlehen schriftlich fixiert und um zwei Jahre verlängert hat. Die Summe wäre ursprünglich 2018 fällig gewesen und stand einer positiven Fortführungsprognose im Weg.

ffu

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