Zurück an der Tabellenspitze

TSV 1860 entwickelt sich für Haching zum Trauma: Löwen ballern sich zum Sieg im „S-Bahn-Derby“

Spieler des TSV 1860 bejubeln den Auswärtssieg bei der SpVgg Unterhaching am Montag
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Spieler des TSV 1860 bejubeln den Auswärtssieg bei der SpVgg Unterhaching am Montag.

Im München-Schlager der Dritten Liga fährt der TSV 1860 einen Auswärtssieg ein. Ein Geburtstagskind beschenkt sich selbst - Am Ende trifft noch der Unterhaching-Schreck.

  • Der TSV 1860 München ist in der Dritten Liga in die Erfolgsspur zurückgekehrt.
  • Beim „S-Bahn-Derby“ gegen die SpVgg Unterhaching feierten die Löwen einen Auswärtssieg.
  • Damit ist das Köllner-Team an die Tabellenspitze zurückgekehrt. Zwei „Haching-Schreckgespenster“ trafen.

München - Acht Stunden vor dem Anpfiff sprang die Unterhachinger Corona-Ampel doch noch auf Dunkelrot. Fußball mit Zuschauern war nun auch im südlichen Landkreis untersagt – was den verwegenen Plan eines altgedienten TSV-1860-Fans jäh durchkreuzte. „Sitzplatz, Stehplatz, Liegeplatz, Flutlichtmast – I nehm ois“, hatte der auf ein Ticket lauernde Löwen-Junkie am Sonntag gesagt (Name der Redaktion bekannt) – und wurde am Montagabend wie die Anhänger der gastgebenden SpVgg Unterhaching auf den Platz im Fernsehsessel gezwungen.

TSV 1860 gewinnt viertes von fünf Drittliga-Duellen gegen Unterhaching

Zu sehen gab es dort ein Drittligaderby, das lief wie die meisten zuletzt: Lange Zeit hasenfüßige Vorstädter pflegten ihren Löwen-Komplex und verloren auch das vierte von fünf Drittliga-Duellen. Die Haching-Schrecks Dennis Dressel und Sascha Mölders schossen die Tore zu einem 2:0 (1:0)-Auswärtssieg (Ticker zum Nachlesen) heraus, der den Nebeneffekt hat, dass 1860 auch wieder die Tabellenführung übernimmt – vorbei an Rostock. Haching dagegen muss sich nach einer verpatzten Englischen Woche (drei Niederlagen) nach unten orientieren.

Beide Trainer hatten ihren Verlierermannschaften vom vergangenen Mittwoch das Vertrauen geschenkt – mit einem erzwungenen Wechsel aufseiten der Löwen. Für den angeschlagenen Stefan Lex stürmte Austria-Neuzugang Martin Pusic, das Ganze im offensiven 4-Raute-2-System. „Das Spiel gegen Saarbrücken (1:2/Red.) haben wir gut aufgearbeitet“, sagte Michael Köllner: „Wir hoffen, dass uns Martin Pusic mit seiner Erfahrung heute hilft.“

1860 München: Geburtstagskind Dressel trifft gegen Haching besonders gerne

Bei strömendem Regen und Herbstkälte wäre ein „Killer-Hiller“ nicht die schlechteste Wahl gewesen. Besagtes Getränk wird derzeit im sechs Kilometer entfernten Löwenstüberl ausgeschenkt. Am Montag stand wie üblich Namenspate Marco Hiller im 1860-Tor – und der war erstmals in der 3. Minute gefragt (verzinkter Schuss von Dombrowka). Danach ergab sich das aus den letzten Derbys gewohnte Bild: 1860 übernahm die Initiative, Haching ließ sich reindrücken – und fing sich früh das 0:1.

Verantwortlich hierfür: Der Mann, der nun die Hälfte seiner acht Profitore gegen die SpVgg erzielt hat. Dennis Dressel hielt nach einer Ecke von Richard Neudecker drauf, Dombrowka fälschte ab – fertig war das perfekte Geburtstagsgeschenk für sich selber. Dressel, seit Montag 22, gab dem Derby die von den Gästen gewünschte Richtung. „Der linke Fuß von Dennis ist mittlerweile in der Liga bekannt“, sagte Sportchef Günther Gorenzel im Halbzeit-Interview von Magenta.

„Wir müssen uns für den Aufwand endlich mal belohnen“, hatte Haching-Coach Arie van Lent vor dem Spiel gesagt: „Dafür ist heute der richtige Zeitpunkt.“ Nachdem sein Team die ersten 45 Minuten durch seltsame Passivität hatte verstreichen lassen, war ab Minute 46 eine Reaktion gefordert: Felix Schröter kam für Hasenhüttl, Luca Marseiler für Heinrich. Das Spiel wurde nun ausgeglichener.

SpVgg gegen TSV 1860: Am Ende zieht Haching-Schreck Mölders den Stecker

Haching hängte sich nun rein. Marseiler sorgte dafür, dass sich auch Hiller mal wieder ein bisschen strecken durfte (50.), Fuchs zog aus der Distanz ab (54.) – ein Anfang. Und nach einem abgewehrten Eckball wäre es dann fast passiert: Hufnagel stürmte energisch Richtung Löwen-Tor, Hiller spielte Neuer und klärte vor dem eigenen Strafraum – den Nachschuss aus 30 Metern Entfernung setzte Schröter über die Latte.

In der Schlussphase wurde es endlich ein echtes Derby: Haching versuchte alles, 1860 konterte und vergab Chancen (Dressel, Pusic), den Spannungsstecker zu ziehen – bis Hachings personifizierter Albtraum zur Tat schritt. Nach seinem späten 3:2 im Advent 2019 hatte der 1860-Kapitän Sascha Mölders auch diesmal das letzte Wort: Linksschuss aus 25 m, abgefälscht und rein in den Winkel. Haching hat ein Löwen-Trauma – und 1860 freut sich über sein erstes Saisonspiel ohne Gegentor.

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