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Ein Appell voller Frust

Pfarrer Schießler schießt gegen Ismaik: „Babylonische Gefangenschaft“

Rainer Maria Schießler
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Pfarrer Rainer Maria Schießler.

Mit Peter Grosser oder Peter Cassalette hat Investor Hasan Ismaik auch nach dem Absturz in den Amateurfußball prominente Fürsprecher rund um den Verein. Von anderer Seite weht dem Milliardär jedoch ordentlich Gegenwind ins Gesicht.

So betont der Münchner Stadtpfarrer Rainer Maria Schießler in einem Appell, der adressiert an „Mein lieber Verein“ ist und der Nachrichtenagentur „KNA“ vorliegt, dass die Misere bei den Blauen bereits zu dem Zeitpunkt ihren Lauf nahm, als Ismaik als Geldgeber bei den Löwen einstieg: „Im Grunde genommen begann die babylonische Gefangenschaft bereits zu diesem Zeitpunkt und nicht erst heute.“ Mit dem Begriff der babylonischen Gefangenschaft wird der Zustand der katholischen Kirche im 14. Jahrhundert beschrieben: Damals hatten sieben Päpste ihren Sitz nicht etwa in Rom, sondern in Avignon - auf Druck der französischen Krone.

Trotz alledem hofft der Geistliche, dass die große Anhängerschaft der Sechzger den Verein allen Irrungen und Wirrungen zum Trotz weiterhin unterstützen wird. „Gerade in der Not braucht man Freunde, oder wie Jesus von Nazareth sagt: Die Kranken zu heilen bin ich gekommen, nicht die Gesunden. Wenn dieser Verein mit seiner großen Geschichte einen unverlierbaren Wert hat, dann wird er auch irgendwann wieder zu alter Größe aufsteigen.“

Schießler gibt des weiteren zu, dass er sogar darauf gehofft habe, dass Hasan Ismaik die Frist zur Zahlung der elf Millionen Euro für die Lizenz der 3. Liga nicht einhalten werde. Verbunden damit war allerdings auch die Hoffnung, dass dies dann gleichbedeutend mit dem Rückzug des Jordaniers aus Giesing einherginge und „ein totaler, radikaler Neuanfang für den Verein somit möglich wäre.“ So oder so: Schon bei Ismaiks Teilübernahme im Jahr 2011 hätten die meisten Löwen-Fans den Investor nicht als „Licht aus dem Osten“ oder als Heilsbringer empfunden, sondern als der einzig mögliche Geldgeber in der damals finanziell schier ausweglosen Situation.

Seinerzeit hätte man zu einem Rücktritt in eine untere Liga zum Zwecke der Selbstkonsolidierung bereit sein müssen. Schießler bedauert, dass dem nicht so gewesen ist: „Man glaubte an den Erfolg des schnellen Geldes. Manchmal gelingt das ja auch, aber eben nur manchmal.“

Alle Entwicklungen bei den Löwen lesen Sie in unserem News-Ticker.

Der Appell von Rainer Maria Schießler im Wortlaut:

Mein lieber Verein von 1860 München e.V.! 

Wenn ich ehrlich bin, habe ich gehofft, dass Herr Ismaik nicht zahlt! Ja, wirklich, aber nur, wenn dies dann auch bedeutet, dass er sein Engagement überhaupt beendet und ein totaler, radikaler Neuanfang für den Verein somit möglich wäre! Dies wird man aber noch abwarten müssen. Als Licht aus dem Osten hat ihn ohnehin kaum einer betrachtet. Er war der einzige wirkliche Geldgeber in einer damals für den Verein aussichtslosen Situation. Im Grunde genommen begann die babylonische Gefangenschaft bereits zu diesem Zeitpunkt und nicht erst heute. Damals hätte man zu diesem Rücktritt in eine untere Liga zum Zwecke der Selbstkonsolidierung bereit sein müssen. Leider war man es nicht. Man glaubte an den Erfolg des schnellen Geldes. Manchmal gelingt das ja auch, aber eben nur manchmal. 

Mein erster Trost lautet nun: Trauern macht nur Sinn, wenn man um einen Geliebten trauern muss. Das Trauerspiel der letzten Jahre aber wird wohl kein eingefleischter Fan als seine Geliebte bezeichnen können. Erinnern wir uns doch lieber an die früheren besseren Tage, an den damaligen Aufstieg von der Regionalliga in die 1. Liga und sammeln wir aus den Träumen neue Kräfte für einen dringenden Neuanfang. Außerdem: es geht um eine sportliche Angelegenheit. Die sollte man schon deswegen sportlich nehmen und nicht gleichsetzen mit Anliegen, die wirklich Leben und Tod ausmachen. Lassen wir die schönste Nebensache auch eine solche sein. „Lebbe geht weiter“ sagte unvergesslich der damalige Eintracht Frankfurt Trainer Stepanovic. 

In diesem Sinne sollte auch das Gebet nicht missbraucht werden. Gebet ändert nie Lebensumstände, es kann mich verändern, mich zu einem anderen Menschen machen, mich heilen, damit ich sogar Unheil ertragen kann. Genau dazu sind wir Löwen-Fans aufgerufen. Wenn wir in dieser Hinsicht beten, dann bitte! Aber möglichst alle und ohne Unterlass, wenn´s geht! 

Wenn dieser Verein mit seiner großen Geschichte einen unverlierbaren Wert hat, dann wird er auch irgendwann wieder zu alter Größe aufsteigen. Bis dahin werden wir uns von ihm nicht abwenden. Gerade in der Not braucht man Freunde, oder wie Jesus von Nazareth sagt: Die Kranken zu heilen bin ich gekommen, nicht die Gesunden!

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