Nach Trainingslager in Estepona

TSV 1860: Stahl und Bülow wollen ins Team – beide auf der Sechs

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1860-Trainingslager in Estepona: Kai Bülow.

Estepona - Auf keinem Zimmer im Trainingslager in Estepona dürfte abends mehr gelesen worden sein als bei Kai Bülow und Dominik Stahl. Und das ist der Grund. 

Der Relegations-Torschütze hatte mit Ken Folletts Die Säulen der Erde und Frank Schätzings Breaking News zwei dicke Schmöker mitgebracht, Stahl nutzte die freien Stunden, um sein Psychologie-Fernstudium voranzutreiben. Ja, die beiden verstehen sich. Und sie sind lange genug dabei, um die Verhältnisse bei ihrem höchst seltsamen Arbeitgeber kommentieren zu können. „Nach der erfolgreichen Relegation war Euphorie da bei den Fans“, sagt Bülow (29, seit 2010 im Verein). „Schade, dass sie durch interne Querelen zwischen Präsidium und Sportdirektor und die Transfersperre im Sommer so verpufft ist. Es wäre ein Moment gewesen, aus dem man viel hätte mitnehmen können. Der Wind, den wir in den Segeln hatten, wurde uns leider genommen.“ 

Jetzt zählt nur noch der Blick nach vorne. Stahl, 27, Löwe seit der U17, sagt: „Was mich zuversichtlich stimmt, ist die Tatsache, dass wir in der Hinrunde nur wenig Spiele hatten, in denen wir kein Land gesehen haben. Die meisten Niederlagen waren knapp. Wenn wir jetzt die letzten Prozente drauflegen können, warum soll es dann nicht klappen? Stand jetzt sind wir abgestiegen. Es kann nur nach vorne gehen – so müssen wir denken. Der Geist ist da – und er ist auch willig.“ Aber wie sieht es bei ihren Körpern aus? Stahl und Bülow haben beide lange Knie-Verletzungspausen hinter sich, das Programm im Trainingslager konnten beide voll durchziehen. 

„Ich fühle mich gut“, sagt Stahl. „Ich habe keine Zipperlein mehr und kann richtig reingehen in die Zweikämpfe.“ Die lange Auszeit mit zwei Knieoperationen bezeichnet er als „schlimmste Zeit“ seiner Karriere. „Und das soll auch so bleiben.“ An Ambitionen herrscht kein Mangel. „Wir stellen uns ungern hinten an“, sagt Stahl. „Natürlich waren wir jetzt lange raus, aber ich sehe keinen Grund, warum wir keinen Anspruch auf Stammplätze anmelden sollten. Wenn wir nicht den Anspruch haben sollen, der Mannschaft in dieser schwierigen Situation zu helfen, wer soll’s dann machen?“ Kurioserweise bewerben sich aktuell beide für dieselbe Position, die „Sechs“ vor der Abwehrkette. 

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Stahl fühlt sich dort seit jeher zu Hause, Bülow ist nach der Verpflichtung von Jan Mauersberger als Innenverteidiger nur noch zweite Wahl und agierte in den Testspielen ausschließlich im defensiven Mittelfeld. Für beide Profis geht es auch um die persönliche Zukunft. Die Verträge bei 1860 laufen im Sommer aus, wie es weitergeht, kann derzeit niemand prognostizieren. Bülow sagt: „Wenn der Verein in einigen Wochen sieht, in welche Richtung es geht, dann wird man auch sehen, was aus dem Fußballer Kai Bülow wird. Ich möchte, dass 1860 weiter in der Zweiten Liga spielt.“ 

Stahls Kommentar zum Thema Zukunft: „Ich lasse es auf mich zukommen. Ich hoffe auf Einsätze, dann wird man weitersehen.“ Bülow, der mit seinem Tor in der Nachspielzeit gegen Kiel 2015 zum Löwen-Retter wurde, hätte nichts gegen eine neue Auflage der Saisonverlängerung: „Die Relegation ist sicher ein Ziel auf dem Weg zum Klassenerhalt. Das ist eine Option, die einem geschenkt wird, um aus einer verkorksten Saison noch was zu machen.“ Könnte fast ein Geschäftsmodell für 1860 werden, dieses eine Heimspiel mehr. Wenn’s nur nicht so ernst wäre.

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