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TSV 1860: Joker Skenderovic beschert den besten Start seit 51 Jahren

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Von: Uli Kellner

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Eingewechselter Sieg: Boyamba & Co. brachten neuen Schwung, Skenderovic (l.) traf zum Last-Minute-Sieg.
Eingewechselter Sieg: Boyamba & Co. brachten neuen Schwung, Skenderovic (l.) traf zum Last-Minute-Sieg. Foto: imago © imago

Historisch: Der TSV 1860 München bleibt in der 3. Liga ohne Punktverlust. Dank starker Joker um den Last-Minute-Torschützen Skenderovic.

Paderborn – Ein Schmunzeln huschte über das Gesicht von Martin Kobylanski. Ihm gefiel, was der Bildschirm im Kabinentrakt anzeigte. 1860 grüßt weiterhin vom Spitzenplatz der 3. Liga und hat mit dem vierten Sieg im vierten Spiel einen 51 Jahre alten Vereinsrekord egalisiert. Als die Löwen letztmals so gut in eine Saison starteten, hieß der Trainer Hans Tilkovski (Ex-Nationaltorhüter, 2020 verstorben) – und der heutige Coach war eineinhalb Jahre alt.

„Ich bin immer noch geflasht“, sagte Michael Köllner, 52, als er sich nach dem Last-Minute-Treffer von Joker Meris Skenderovic aufs Pressepodium setzte: „Wir haben Historisches geschafft!“

Im Sommer 1971 waren es Siege über Villingen, Hof, Regensburg und Ingolstadt-Ringsee (Regionalliga Süd), im Sommer 2022 über Dresden (4:3), Oldenburg (1:0), Meppen (4:0) – und am Samstag beim SC Verl (1:0). Mit drei Zu-Null-Siegen in Folge legen die Rekordjäger von der Grünwalder Straße eine Stabilität an den Tag, die kaum jemand dem runderneuerten Team des Vorjahresvierten zugetraut hätte.

Sicher: Spielerisch war an einem heißen Samstag in Ostwestfalen einiger Sand im Getriebe, vor allem in den ersten 45 Minuten. Ab der Pause jedoch zeigten alle Löwen, dass sie (noch) nicht gewillt sind, sich mit einem Unentschieden zufrieden zu geben. Köllner stellte zweimal die Taktik um, von 4-1-4-1 über 4-4-2 aufs offensive 4-3-3 – und nach und nach wechselte er alles ein, was seine trotz dreier Langzeitverletzter (Bär, Belkahia, Steinhart) erlesen besetzte Bank hergab.

„Spitzenmannschaften gewinnen auch solche Spiele“, sagte Joseph Boyamba, einer der fünf Einwechselspieler. „Verl war in der Schlussphase körperlich am Ende – wir konnten Qualität nachlegen und den Druck erhöhen“, schwärmte Köllner von seinem neuen Luxuskader. Kobylanski, der nach einer Stunde vom Feld musste, sagte: „Wir sind eine Mannschaft. Wir kämpfen mit- und füreinander. Das ist der Punkt. Wir können auch in der 90. Minute das 1:0 schießen. Wir haben eine Bank, die immer was machen kann. Letzte Woche hat Laki (Fynn Lakenmacher) die Tore gemacht, heute war Mero dran.“

In der zweiten Minute der Nachspielzeit hielt besagter „Mero“ (Skenderovic) den Kopf nach einer Flanke des Ex-Verlers Chris Lannert hin – fertig war der kaum noch erwartete Dreier, was der Schütze als Erlösung empfand. „Eine kleine Last“ sei von ihm abgefallen, bekannte der aus der Regionalliga gekommene Ex-Schweinfurter: „Ich hatte in den letzten Spielen schon ein paar Chancen – und jetzt so ein besonderes Tor in der 90. Minute! Das wird mir Kraft geben für die nächsten Spiele.“ Bemerkenswert zudem: Erik Tallig half erstmals als Linksverteidiger aus – und löste seine Aufgabe trotz einiger Wackler zur Zufriedenheit des Trainers.

Der gönnte sich am freien Sonntag einen Ausflug zu den Passionsspielen. Bei LinkedIn schrieb Köllner: „Möge das Leben Jesus Christus und seine Worte und Taten Einfluss auf unser Leben nehmen – jeden Tag.“

Mit irdischer Fron geht es schon heute für 1860 weiter: Erst Totopokal in Feuchtwangen (s. Interview), am Freitag dann das Heimspiel gegen Halle. Köllners Rekordlöwen wollen ihren Höhenflug fortsetzen. „Die Tabellensituation ist schön“, sagte Boyamba, „und am meisten würde es uns freuen, wenn es am Ende der Saison genauso aussieht.“ (Uli Kellner)

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