tz vergleicht Systeme von drei Trainern

Moniz: "Das 4-3-3-ermöglicht ein Spektakel"

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Max Merkel (l.) führte die Löwen zur Meisterschaft, Werner Lorant (Mitte) schaffte zwei Aufstiege – kann Ricardo Moniz die spielerische Durststrecke in Giesing beenden?

München - Neues System, alter Erfolg? Ricardo Moniz hat den Löwen ein 4-3-3 verordnet. Die tz vergleicht die Spielweisen, sprach mit dem 1860-Coach und zwei Protagonisten früherer Jahre.

Die neue Ordnung beim TSV 1860 heißt 4-3-3. Ein offensives Spielsystem, mit dem sich die Löwen wieder in die Herzen der Fans spielen wollen. Trainer Ricardo Moniz ist als Holländer ohnehin ein Verfechter des 4-3-3, Sportchef Gerhard Poschner ebenfalls. Noch ist Moniz nicht zufrieden mit der Umsetzung des Systems, aber es bleibt ja noch Zeit zum Üben. Und Verstärkungen für den Sturm sollen ebenfalls noch zum Kader stoßen. Wie auch immer: Unter Moniz und mit seinem System sollen die Löwen endlich wieder erfolgreichen Fußball spielen.

Den gab’s in den vergangenen Jahrzehnten nur in zwei Phasen. Da war zum einen die alles überstrahlende Zeit Mitte der Sechzigerjahre unter Trainer Max Merkel, als die Löwen neben Pokalsieg und Meisterschaft bis ins Europacup-Finale vordrangen.

Und dann waren da natürlich die Neunziger, als Werner Lorant den komatösen Klub von der Bayernliga bis in die Champions-League-Qualifikation führte. Andere Zeiten, andere Spielsysteme. Die tz fragte bei Ricardo Moniz und zwei Protagonisten aus früheren Jahren nach.

Fredi Heiß, Außenstürmer in der Bundesliga von 1963 bis 1970: „Wir haben damals, wie eigentlich alle Mannschaften, im sogenannten WM-System gespielt. Die Spieler waren darin angeordnet wie die beiden Buchstaben. Zwei Außenverteidiger, ein Mittelläufer, zwei Außenläufer, zwei Halbstürmer, zwei Außenstürmer und ein Mittelstürmer. Offensive pur, vor allem bei uns, weil wir damals zwischen 1965 und 1967 gleich sechs deutsche Nationalstürmer in unseren Reihen hatten. Ein super Angriff, dem Trainer Max Merkel alle Freiheiten gewährte. Da gab es keine Verpflichtung, hinten mit auszuhelfen, an der Mittellinie war eigentlich Schluss. Und wenn bei uns alle fünf Stürmer gleichzeitig gut drauf waren, dann hatte der Gegner keine Chance. Nicht von ungefähr haben wir damals in der Ersten Liga dreimal neun Tore geschossen, oder immer wieder mal sieben, sechs oder fünf Treffer erzielt. Taktik haben wir bei Merkel relativ wenig gepaukt. Was denn auch? Von den heutigen Feinheiten wie Verschieben, Doppeln, viele Leute hinter den Ball bekommen oder im Raum decken war damals nicht die Rede. Die Abwehrspieler mussten hinten allein gegen ihren Mann ran und waren im damaligen System die ärmsten Schweine. Für uns Stürmer war es aber eine herrliche Zeit.“

Werner Lorant, erfolgreicher Trainer von 1992 bis 2001: „Ich habe immer mit zwei Stürmern, fünf Mann im Mittelfeld und hinten mit einer Dreierkette inklusive Libero gespielt. Die Dreierkette würde ich auch heute noch bringen, Pep Guardiola hat das kürzlich im Pokalfinale erfolgreich praktiziert. Was brauche ich vier Leute hinten, wenn die meisten Gegner mit nur einem Stürmer kommen? So aber hatte ich fünf Leute im Mittelfeld, wobei ich immer variiert habe. In der Zweiten Liga, als viel über den Kampf ging, habe ich zentral einen Abräumer wie Thomas Miller gebraucht, später in der Bundesliga war es wichtig, richtig gute Fußballer auf dieser Position zu haben. So wie wir sie dann mit Peter Nowak oder Thomas Häßler bekommen haben. Worauf ich aber immer gesetzt habe, war das Flügelspiel. Ob mit zwei Pärchen wie in der Zweiten Liga Imhof/Keller und Trares/Störzenhofecker oder später dann mit Harald Cerny allein auf rechts oder Horst Heldt auf links. Die mussten ganz schön rauf und runter rennen. Aber die konnten das schon ab. Der Horst hatte ja die beste Kondition, auch wenn er das selbst nicht geglaubt hat.“

Ricardo Moniz, 1860-Trainer seit 1. Juli 2014: „Das 4-3-3 ist für mich das System, mit dem du die optimale Raumaufteilung hinbekommen kannst. Die Distanzen müssen stimmen, zwischen Verteidigung und Sturm dürfen nie mehr als 40 Meter Abstand sein. Wichtig ist auch, dass die beiden Außenstürmer hoch stehen. Sie dürfen auch Fehler machen, weil sie immer versuchen sollen, im eins gegen eins durchzukommen. Für die Außenverteidiger ist die erste Aufgabe, defensiv gut zu arbeiten. Wenn die Außenstürmer aus dem Spiel genommen werden, dann müssen sich auch die Außenverteidiger offensiv mit einschalten. Beim Trio im Mittelfeld bin ich variabel. Du kannst mit zwei Sechsern und einem Zehner spielen, oder einem Sechser und zwei Zehnern. Das hängt vom Gegner ab. Zwei Zehner – das klingt jetzt vielleicht komisch. Aber ich sage immer Zehner zu offensiven Mittelfeldspielern, den Ausdruck Achter verwende ich nicht. Mit dem 4-3-3 versuchen wir ein System zu spielen, das die größte Garantie auf Dominanz und Torchancen verspricht. Und obendrein noch ein Spektakel ermöglicht.“

tz

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