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TSV 1860: Beinahe-Transfer hätte Rieder-Rückkehr fast platzen lassen - „Das war skurill“

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Von: Jacob Alschner

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Ein echter Häuptling auf dem Platz, aber kein Mann der großen Worte: Tim Rieder soll die Löwen auf der Sechs zum Aufstieg führen. Es wäre nach dem Seuchenjahr mit Türkgücü ein wahres Märchen.
Ein echter Häuptling auf dem Platz, aber kein Mann der großen Worte: Tim Rieder soll die Löwen auf der Sechs zum Aufstieg führen. Es wäre nach dem Seuchenjahr mit Türkgücü ein wahres Märchen. © EIBNER

Tim Rieder ist zurück beim TSV 1860 München. Dabei hätte ein Beinahe-Wechsel im Winter die Rückkehr fast zerschlagen.

München – Wer diese Tage das Glück hat, rund um die Grünwalder Straße oder sonstwo in München einem gewissen Tim Rieder zu begegnen, der erlebt einen jungen Mann, 28 Jahre ist er alt, der in sich ruht und seinen Frieden gefunden hat mit der oft so hektischen Fußballwelt. Der Grund ist simpel: Rieder, bis März noch Mittelfeld-Abräumer in Diensten von Türkgücü München, ist zurück beim TSV 1860.

Eine Rückkehr zu Sechzig, „fix und ohne Leihe“, das sei sein Wunsch gewesen, öffnete Rieder in einer Medienrunde am Dienstag sein Herz. „Hier habe ich mich bisher am Wohlsten gefühlt, 1860 ist mein Heimatverein.“ Dass Rieder, der in der Spielzeit 2019/20 vom FC Augsburg an die Grünwalder Straße ausgeliehen war, überhaupt die Chance hatte zurückzukehren, grenzt dabei fast an ein Wunder.

TSV 1860: Rieder-Wechsel nach Klagenfurt scheitert dramatisch

Angesichts der drohenden Insolvenz Türkgücüs wollte sich der gebürtige Dachauer schon im Winter neu orientieren, mit Austria Klagenfurt unter Trainer Peter Pacult war alles klar. Doch im letzten Moment scheiterte der Deal: „Das war skurril“, erinnert sich Rieder. „Wir waren auf dem Weg zum Auswärtsspiel nach Halle. Da hatte ich fast schon den Vertrag an der Raststätte unterschrieben, der Trainer (Andreas Heraf, d. Red.) hatte mich schon im Bus verabschiedet. Und auf einmal ruft mich mein Berater an.“ Die Schock-Nachricht: Austria Klagenfurt hatte die Papiere beim Verband fünf Minuten zu spät eingereicht, der Wechsel war gescheitert.

„Im Nachhinein war es gut, dass das nicht geklappt hat“, schmunzelte Rieder. „Sonst wäre ich wahrscheinlich für eineinhalb Jahre in Klagenfurt gewesen.“ Schon nach der Leihe aus Augsburg wäre er gerne in München geblieben. Doch damals wäre eine Ablöse fällig gewesen, die die Löwen nicht stemmen konnten, so Rieder. Also ging es nach Lautern, nicht wenige TSV-Fans sagten Rieder Geldgier nach, dann folgte der Schritt zu Türkgücü. Spätestens jetzt trug er für viele den Stempel eines Spielers, der nur hinter dem Geld her ist. „Eine dicke Haut“ war nötig, um die Anfeindungen auszuhalten, erinnert sich Rieder und stellt klar: „Ich kannte ja die Gründe für den Wechsel und wusste damals schon: Ich war nie ein Söldner und werde auch nie einer sein!“

TSV 1860: Rieder geht als Führungsperson voran

Nun reist Rieder mit ins weiß-blaue Trainingslager, wo die Löwen sich nach Informationen unserer Zeitung auch mit dem englischen Scheichclub und Premier-League-Elften Newcastle United messen werden. Und Rieder stellt fest, dass sich doch einiges verändert hat beim TSV. „Die Herangehensweise, dass man alles nach vorne peitscht und sagt, man will aufsteigen.“ Der Vorteil? Das erzeuge jeden Tag einen gewissen Druck, erfolgreich zu sein. „Aber einen schönen Druck“, berichtete er im Pressestüberl. „Das war bei Türkgücü egal, wie man gespielt hat.“

Tim Rieder ist zurück, wo er hingehört. Als Neuling fühle er sich nicht – zu Recht. Schon viel eher sieht er sich in der Führungsrolle. „Ich zeige den anderen Neuen, was hier los ist in München und rund um den Verein.“ Bei einem Verein, den er kennen- und liebengelernt hat. „Der Club hat eine brutale Wucht, das merkt man im Training und auch schon in den Testspielen“, findet Rieder und kann sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen, als er das Gesprächsründchen beschließt: „Darauf habe ich zwei Jahre gewartet.“ Das wusste wohl auch Gattin Luisa, die er im Mai heiratete. „Die hat auch gemerkt, wie aufgeregt ich vor dem ersten Training war und meinte, ich führe mich auf wie am ersten Schultag.“ Wer mag es ihm verdenken… (Jacob Alschner)

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