Klatsche gegen RB Leipzig

Lorant blafft: "Soll das ein Heimspiel sein?"

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Werner Lorant auf der Tribüne.

München - Löwen-Trainer Moniz will Meister werden – doch nach dem 0:3 gegen Leipzig ist der klassische Fehlstart perfekt. Werner Lorant wundert sich.

Zum Schluss sind wenigstens die Löwen-Fans in der Nordkurve noch mal aufgewacht. Auf der Videowand über ihnen leuchtete das bittere Ergebnis: Eine Null unter „1860“ und eine 3 unter „RBL“ (für RB Leipzig) – grafisch nachempfunden dem alten „Taferl“ aus dem Grünwalder Stadion. Doch der treueste Anhang unter den 32 000 Zuschauern schunkelte trotzig, hielt Fanschals hoch und zelebrierte einen endlosen Singsang.

Haltung bewahren, auch wenn’s weh tut – in dieser Disziplin haben die Fans des TSV 1860 reichlich Übung. Und nach der schallenden Ohrfeige gestern muss man kein Prophet sein um festzustellen: Auch diese Saison könnte enttäuschend enden. Meister will Ricardo Moniz werden, doch in der Form von gestern sind die Löwen Topfavorit auf den Abstieg.

Lorant: "Soll das ein Heimspiel sein?"

Schon zur Halbzeit hatte Vip-Gast Werner Lorant die Nichtleistung auf dem Platz auf den Punkt gebracht. „Soll das ein Heimspiel sein?“, blaffte der Ex-Coach ins „Sky“-Mikrophon. „Kein Flügelspiel, kein Spielsystem, kein Spiel nach vorne, keine Moral.“ Keine Torchancen, hatte Lorant vergessen.

Offenbarungseid ist dazu die branchenübliche Bezeichnung, und selbst Moniz musste nach der 0:3-Heimpleite gegen den Aufsteiger feststellen: „Für uns ist es sehr peinlich, dass wir das katastrophale Spiel von letzter Woche (2:3 in Kaiserslautern nach 2:0-Führung in Überzahl/Red.) nicht vor eigenem Publikum reparieren konnten.“ Daniel Adlung sprach von einem „klassischen Fehlstart“ und meinte: „Vielleicht war die Niederlage ein Tor zu hoch, aber das ist scheißegal. Es war in jedem Fall eine verdiente Niederlage.“

90 Minuten lang hatte sich gezeigt, dass weder die internationalen Neuzugänge noch der einfallsreiche Trainer in der 2. Bundesliga angekommen sind. Gary Kagelmacher sah vor allen drei Gegentoren reichlich alt aus, Leonardo war erneut ein Totalausfall, dem Moniz unverständlicherweise bis zum Schlusspfiff Fitnesstraining unter Wettkampfbedingungen schenkte. Rubin Okotie, Doppeltorschütze vom Betzenberg, erging es nicht viel anders als vielen Löwen-Stürmern vor ihm: Keine Bälle, keine Chancen, und irgendwann auch keine Lust mehr. Und auch die beide Spanier Sanchez und Bedia scheinen noch zu staunen über die körperbetonte Spielweise der 2. deutschen Liga. „Nach ihren Mitteln haben die auch alles gegeben“, urteilte Adlung milde. Aber kein Vorwurf, fügte er hinzu: „Tempo und Härte“ seien eben noch ein wenig gewöhnungsbedürftig für die iberischen Edeltechniker.

Die Leipziger hatten jedenfalls leichtes Spiel. Beim 0:1 durch den nie zu bremsenden Dänen-Blitz Poulsen (39.) offenbarten sich alarmierende Löcher im spanisch-bayerischen Dreiermittelfeld. Nicht nur vor dem 0:2 durch den eingewechselten Morys (68.) zeigten sich Kagelmachers Tempodefizite. Und als das 0:3 durch Thomalla fiel (82.), war das Löwen-Team bereits auseinander gefallen.

Kiraly hatte Disput mit Kagelmacher

Der Friede in der Multikulti-Truppe scheint bereits massiv gefährdet zu sein. Gabor Kiraly sah Gelb, nachdem er sich mit Kagelmacher einen heftigen Disput geliefert hatte. Inhalt des Zwiegesprächs? „Bleibt intern“, brummte der Torhüter später. Der Ungar sah mächtig frustriert aus, dabei hatte zumindest sein Arbeitstag vielversprechend begonnen. Erst 13 Minuten waren gespielt, als der Ungar einen von Wittek an Teigl verschuldeten Elfmeter abwehren konnte. „Wir müssen jetzt schauen, was wir verbessern können“, sagte der 38-Jährige, und die Antwort kann eigentlich nur lauten: Alles. Platz 17 in der Tabelle hat zwar noch wenig Aussagekraft, doch in der Form von gestern dürfte auch Pokalgegner Kiel (nächsten Sonntag) eine kaum zu überwindende Hürde darstellen.

Positiv waren gestern eigentlich nur die Löwen-Fans, die Gegner Red Bull zwar grenzwertig anfeindeten („Raus aus der Liga!“), das eigene Team aber mit erstaunlich viel Nachsicht bedachten. Jahrelang erprobte Leidensfähigkeit. Ob viele von ihnen auch im nächsten Heimspiel wiederkommen werden? Was ihm Mut mache, wurde Moniz nach der Partie gefragt. „Eigentlich nur die erste Hälfte in Kaiserslautern“, sagte der Trainer, der Rest sei schlecht gewesen.

Es sieht so aus, als ginge die traditionelle Löwen-Krise heuer bereits vor dem 3. Spieltag los.

Von Uli Kellner

Löwen chancenlos gegen RB Leipzig: Bilder zum Spiel

Bilder & Einzelkritik zur 1860-Niederlage: Einmal Note 6!

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