tz-Interview mit dem Löwen-Trainer

Torsten Fröhling: Schach dem Abstiegskampf!

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Wer ist sein Turm in der Schlacht? 1860-Trainer Torsten Fröhling.

München - Torsten Fröhling hat erzählt, er würde nicht einmal seinen eigenen Sohn beim Schachspiel gewinnen lassen. Den tz-Redakteur dann wohl auch nicht ... Wir haben den 1860-Coach für eine Partie getroffen, und uns nebenbei noch über die Löwen unterhalten.

Siegbesessen? Aber hallo! Er lasse nicht mal seinen 13-jährigen Sohn Paul beim Schach gewinnen, sagte Löwen-Trainer Torsten „Todde“ Fröhling (48) bei seinem Einstand vor vier Wochen. Jetzt sitzt der Chefcoach der Löwen mit dem tz-Redakteur vor dem Schachbrett im Besprechungsraum der 1860-Geschäftsstelle und eröffnet klassisch mit dem Königsbauern von e2 nach e4.

Herr Fröhling, im Schach dient die Eröffnung dazu, die Figuren zu entwickeln, das Zentrum unter Kontrolle zu bekommen. Die Parallelen zum Fußball liegen auf der Hand.

Fröhling: Ganz klar. Darum betone ich auch immer wieder, wie wichtig es mir ist, dass wir von hinten rausspielen und die Bälle nicht rausschlagen. Bewegung kriegst du nur durch Spielen rein, damit kommst du viel leichter und öfter nach vorne. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn du darauf hoffst, dass ein Stürmer den Kopfball erwischt und möglichst noch gezielt ablegt.

Wie weit ist Ihre Mannschaft in dieser Hinsicht?

Fröhling: Es wird besser, aber mir fehlt in vielen Situationen noch der letzte Tick Mut. Klar ist es nicht leicht in unserer Tabellenlage, wo du dir praktisch keinen Fehler erlauben kannst. Darum geht die spielerische Entwicklung auch nur peu à peu. Sandhausen, erste Halbzeit, das war schon ein Fortschritt. Fürth jetzt wieder. Aalen wird am Freitag kaum so offensiv spielen als zu Hause gegen Aue. Da müssen wir auch wieder die richtige Mischung aus Geduld und Konsequenz finden.

(Fröhling zieht die Dame) So, ich sag jetzt mal Schach! Wir haben ja nicht so viel Zeit.

Spielen Sie immer so offensiv?

Fröhling: (lacht) Ach, ich bin kein guter Schachspieler. Das ist für mich Spaß und Entspannung.

(Die tz stellt das Schach mit einem Bauern zu, bedroht die Dame, Fröhling zieht zurück.)

Von wem lassen Sie sich Tipps geben? Im Schach und Fußball?

Fröhling: Im Schach ist das nicht so wichtig. Im Fußball möchte ich von allen Input haben, ob das jetzt von Collin Benjamin ist, von Necat Aygün oder von Poschi. Mich interessiert das alles. Aber entscheiden muss ich.

Und wie gefällt Ihnen die Arbeit im Rampenlicht?

Fröhling: Es ist ein Traum. Ich will 1860 helfen, diese schwierige Situation zu meistern. Und natürlich will ich meine Chance hier nutzen.

Ist die Mannschaft wirklich besser als sie dasteht?

Fröhling: Wenn du nach 25 Spieltagen auf Platz 15 stehst, dann stehst du dort auch zu recht. Was man sagen kann, ist, dass sich einige Spieler in der Ersten Liga vielleicht leichter tun würden als in der Zweiten, wo es doch eher rustikal zugeht. Insgesamt ist mir die Mannschaft noch zu lieb, es gibt zu wenig Leader. Aber der Charakter der Mannschaft ist gut.

Daniel Adlung sieht sich selbst als Führungsspieler, konnte diesen Anspruch bislang aber nur selten rechtfertigen. Woran liegt’s?

Fröhling: Daniel braucht Sicherheit und Vertrauen. Und auch mit ihm kannst du noch an einigen Dingen arbeiten. Ein Beispiel? (Fröhling springt auf, simuliert einen Kopfball-Zweikampf) Mich hat es aufgeregt, wie passiv Adi gegen Sandhausen in die Kopfball-Duelle gegangen ist. Also hab ich ihn mir vor dem Fürth-Spiel in der Hotellobby geschnappt und ihm gezeigt, wie du als Angreifer hingehen musst, damit zumindest ein Freistoß für dich rausspringt. Im Spiel hat man gesehen, dass es gefruchtet hat. Und das freut mich dann, wenn man sieht, was Kleinigkeiten bewirken können.

Sie reden viel mit den Spielern, wenn es an die Kadernominierung geht. Wie schwer fallen Ihnen solche Entscheidungen?

Fröhling: Das sind die schlimmsten Tage für mich. Ich bereite mich zum Teil schriftlich darauf vor, den Spielern meine Entscheidungen zu erklären. Als ich Ilie Sanchez gegen Sandhausen zum zweiten Mal in Folge nicht mitgenommen habe, hat er mir nach dem Gespräch die Hand gegeben und mir viel Glück gewünscht. Da hab ich ihn gleich umarmt (lacht). Es geht um gegenseitigen Respekt. Die Spieler dürfen, ja müssen sich ärgern. Aber sie dürfen den Frust nicht öffentlich und vor der Mannschaft zeigen.

(Fröhling zieht den Springer. Bevor die italienische Partie zu zäh wird, bietet die tz ein Remis an.)

Fröhling: (lacht) Angenommen! Gibt’s noch Fragen?

Wie sicher sind Sie, dass die Mission Klassenerhalt gelingt?

Fröhling: Angst zerfrisst Qualität. Gegen Aalen wollen wir den Brustlöser hinbekommen, einen zweiten Sieg nachlegen. Wir sind jetzt wie ein Tier in der Ecke, wir wehren uns! Wenn wir so weiterarbeiten und diese Zielstrebigkeit an den Tag legen, dann bin ich überzeugt, dass wir es schaffen.

Interview: lk

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