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Trainerlegende Karsten Wettberg wird 80: „Der Aufstieg mit 1860 war unübertrefflich“

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Von: Ludwig Krammer

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„König von Giesing“: Es ist ein Ehrentitel für die Ewigkeit, den sich Karsten Wettberg als impulsiver und erfolgreicher Trainer des TSV 1860 erworben hat. Hier bejubelt der Ex-Postbeamte den 2:0-Sieg in der Aufstiegsrunde 1991 bei Hessen Kassel.
„König von Giesing“: Es ist ein Ehrentitel für die Ewigkeit, den sich Karsten Wettberg als impulsiver und erfolgreicher Trainer des TSV 1860 erworben hat. Hier bejubelt der Ex-Postbeamte den 2:0-Sieg in der Aufstiegsrunde 1991 bei Hessen Kassel. © imago

Er genießt nicht nur beim TSV 1860 München Legendenstatus. An diesem Mittwoch feiert Karsten Wettberg seinen 80. Geburtstag.

München - Im Interview spricht der „König von Giesing“ über sein Fitnessprogramm, den nach wie vor gut gefüllten Terminkalender und natürlich die Löwen, die ihm mit dem 1:3 in Osnabrück ein Geschenk zum Vergessen gemacht haben.

Servus Herr Wettberg, wie geht’s Ihnen mit der Zahl 80 vor Augen?

Die ist nicht wichtig für mich. Was zählt, ist die Gesundheit. Und da kann ich mich nicht beschweren. Mein großes Glück war eine Routine-Untersuchung vor knapp zwei Jahren. Als ich erwähnt habe, dass mein Bruder mit 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben ist, da wurde ganz genau hingeschaut und festgestellt, dass meine Herzkranzgefäße fast komplett zu waren. Frau Dr. Riemenschneider-Müller hat mir damals im Mainburger Krankenhaus gesagt, dass ich es nur meiner Fitness zu verdanken hätte, dass bisher noch nichts Ernsthaftes passiert sei. Ich habe dann zwei Herzkatheter und sechs Stents eingesetzt bekommen. Die sollen halten bis ich hundert bin (lacht).

Wo wird gefeiert – und mit wem?

Wir feiern in Aiglsbach bei Elsendorf (Wettbergs Heimat am Rande der Hallertau). Zwischen 120 und 140 Gäste werden kommen, darunter mein langjähriger Freund Franz Maget, Michi Altinger und viele ehemalige Spieler aus den zahlreichen Vereinen, die ich trainiert habe. Das wird eine bunte Mischung.

„Ich mache 150 Liegestützen täglich und 20 Minuten Bauchmuskeltraining.“

Karsten Wettberg über sein Fitnessgeheimnis.

Ihr Tipp fürs Jungbleiben?

Bewegung – körperlich wie geistig. Wenn es vom Wetter her geht, bin ich mit dem Rennrad unterwegs, dazu mache ich 150 Liegestützen täglich und 20 Minuten Bauchmuskeltraining. Wichtig ist mir die Zeitungslektüre, ich lese mehrere Blätter, auch das Ihrige, ich engagiere mich bei den BR-Sternstunden und in drei Fördervereinen. Wir haben es geschafft, gegen Widerstände aus der Politik das Stadion in Mainburg auszubauen, um dem lokalen Sport eine vernünftige Heimat zu geben. Der Austausch mit Leuten aller Altersstufen hält mich jung.

Haben Sie noch Ambitionen als Trainer?

Es gab immer wieder Anfragen, aber dieses Kapitel habe ich abgeschlossen – zumindest, was Vereine angeht. Ganz aufgehört habe ich aber noch nicht. Ich coache die Löwen-Legenden und hab bei einem Spiel heuer in Aying auch selbst gespielt. Und dann helfe ich unentgeltlich noch bei einem Start-up-Unternehmen für individuelles Fußballtraining (MO5ES/Red.) mit, wo Talente aus der Region gefördert werden. Jugendarbeit ist die Basis von allem.

Karsten Wettberg im legendären Interview mit Edgar Endres nach dem Aufstieg mit dem TSV 1860.
Karsten Wettberg im legendären Interview mit Edgar Endres nach dem Aufstieg mit dem TSV 1860. © Imago

Mit 54 Meisterschaften und Pokalen sind Sie Deutschlands erfolgreichster Amateurtrainer. Was waren Ihre schönsten Erfolge?

Der Aufstieg mit Sechzig aus der Bayernliga 1991 war natürlich was ganz Spezielles. Das war vom Fanaufkommen her, von der ganzen Emotionalität, unübertrefflich. Aber auch die Aufstiege mit Haching vorher oder die Rettungsaktionen in Landshut und Seligenporten werde ich immer im Herzen behalten. Die positiven Erlebnisse haben die negativen, wie meine Entlassung bei 1860, bei Weitem übertroffen.

„Ich hätte Anfang der Neunziger in die Bundesliga nach Nürnberg oder Rostock gehen können oder in die Schweiz, aber das wäre weder mit meinem Beruf bei der Post vereinbar gewesen noch mit meiner Frau Gisela.“

Karsten Wettberg über Angebote aus dem Profifußball.

Welchen Spieler hätten Sie gerne trainiert?

Da würde ich denen unrecht tun, die ich trainieren durfte. Ich habe mit so vielen tollen Spielern und Persönlichkeiten zusammengearbeitet, von Roland Kneißl bis Horst Schmidbauer, Thomas Miller und Rainer Berg, von Bernhard Trares, Flori Hinterberger und Reiner Maurer bis Reiner Leitl und Karl Obermeier. Da bin ich einfach dankbar, dass ich die weiterbringen konnte, dass wir gemeinsame Erfolge feiern durften. Und das Allerschönste ist, dass viele Kontakte bis heute gehalten haben.

Meinungsfreudig und auch mal unbequem: Wettberg als
Redner bei der Mitgliederversammlung 2018.
Meinungsfreudig und auch mal unbequem: Wettberg als Redner bei der Mitgliederversammlung 2018. © Oryk HAIST

Gibt es etwas, das Sie bereuen?

Sportlich nicht. Ich hätte Anfang der Neunziger in die Bundesliga nach Nürnberg oder Rostock gehen können oder in die Schweiz, aber das wäre weder mit meinem Beruf bei der Post vereinbar gewesen noch mit meiner Frau Gisela. Was ich tatsächlich bereue, sind die vielen Jahre, in denen ich zu wenig für die Familie da war, für meinen Sohn Stefan. Da habe ich vieles falsch gemacht, fast alles. Umso froher bin ich, dass wir heute ein so gutes Verhältnis haben.

Gibt es einen Traum, den Sie sich noch erfüllen wollen?

Nein, ich brauche nichts Materielles, und ich muss auch nirgendwo mehr unbedingt hin. Was ich mir wünsche: dass ich noch einige Male bei den Legenden spielen kann und bei den Sternstunden. Und dass wir bedürftigen Menschen mit dem gesammelten Geld helfen können.

„Die zweite Halbzeit war eine Katastrophe, anders kann man’s nicht sagen.“

Karsten Wettberg über die Leistung der Löwen in Osnabrück.

Werden die Löwen bis zu Ihrem 85. Geburtstag wieder in der Zweiten Liga spielen?

Ich hoffe es. Alleine schon für die vielen treuen Fans, die den Verein trotz aller Rückschlage weiterhin unterstützen.

Wie jetzt am Samstag wieder beim 1:3 in Osnabrück.

Die zweite Halbzeit war eine Katastrophe, anders kann man’s nicht sagen. Osnabrück war uns in allen Belangen überlegen, mit dem 1:3 waren wir am Ende noch gut bedient. So wie es ausschaut, wird nach oben nicht mehr viel gehen in dieser Saison, das langt einfach nicht. Aber wenn jetzt jemand von Abstieg spricht: Da wette ich dagegen!

Karsten Wettberg ist auch heute noch dem TSV 1860 verbunden.
Karsten Wettberg ist auch heute noch dem TSV 1860 verbunden. © Imago

Wie soll’s besser werden?

Du musst Qualität dazu holen, echte Verstärkungen, keine Ergänzungen. Auch Leihgeschäfte können sinnvoll sein. Aber um an die richtig guten Leute zu kommen, brauchst du ein vernünftiges Scoutingsystem, wie es sich zum Beispiel Jahn Regensburg aufgebaut hat. Abgesehen davon muss aus dem Waffenstillstand zwischen den Gesellschaftern ein Miteinander werden. Und wir brauchen eine zukunftsfähige Lösung beim Stadion. Ich bin skeptisch, was den Umbau des Grünwalders und die finanziell dringend benötigten VIP-Logen angeht. Auch im besten Fall wird das ein Flickenteppich bleiben. Idealerweise braucht Sechzig ein neues Stadion. Aber das ist ein weiter Weg, wem erzähl ich das?

Interview: Ludwig Krammer

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