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TSV 1860: Köllner überlässt nichts dem Zufall - Spieleabende statt Bungee-Sprünge

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Von: Uli Kellner

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Auch ein Bad im eiskalten Auer Mühlbach verbindet: 1860-Zugang Jesper Verlaat (l.) mit Yannick Deichmann und seinem Zimmerpartner Semi Belkahia (r.).
Auch ein Bad im eiskalten Auer Mühlbach verbindet: 1860-Zugang Jesper Verlaat (l.) mit Yannick Deichmann und seinem Zimmerpartner Semi Belkahia (r.). © Uli Wagner

Am Freitag startet der TSV 1860 in sein alljährliches Trainingslager in Windischgarsten. Michael Köllner setzt auf Altbewährtes, um aus der Mannschaft eine Einheit zu formen.

München – Die Neuheiten aus dem Spieleschrank von Stefan Lex, Michael Köllners Lieblingsfilm – das eine wie das andere dürfte auf dem Tisch bzw. auf der Leinwand landen, wenn die Löwen ab Freitag ihr alljährliches Trainingslager in Windischgarsten aufschlagen. Die Gegend in Oberösterreich ist ein Paradies für Outdoor-Aktivitäten, doch der Trainer setzt auf Altbewährtes, wenn es darum geht, den Teamgeist zu pflegen.

„Ein Spiele- und ein Kinoabend ist Pflichtprogramm bei mir“, erklärte er. Es hat zwar auch schon Rafting-Action unter Köllner gegeben, doch generell setzt der 52-Jährige auf sanfte Methoden, um Neuzugänge zu integrieren. Sein Credo: „Man muss nicht vom Dach runterspringen und die anderen fangen einen auf. Oder fünf Kästen Bier saufen. Wichtig ist vor allem, dass du vorlebst: Jeder Spieler hier ist wichtig.“

TSV 1860: Michael Köllner überlasst nichts dem Zufall

Traditionell dient eine Vorbereitung dem Feilen am Teamspirit, auch anderswo ist das so. Speziell an Köllner ist die Akribie, mit der er gruppendynamische Entwicklungen vorantreibt. Sollte sich jemand gewundert haben, dass die Löwen ihr erstes Testspiel wie ein Endspiel in der Liga angegangen sind – mit Anreise tags zuvor und Übernachtung in Niederbayern: Die Logistik wurde so gewählt, weil der Trainer es so wollte. „Spiele wie Waldkirchen sind am Ende auch ein Teamevent“, sagt er: „Deswegen wollte ich das bewusst mit Übernachtung haben.“ Und die Zimmereinteilung ist Teil des Programms.

„Ich teile grundsätzlich ein und entscheide, wer mit wem im Zimmer liegt“, stellt der Trainer klar. In Jesper Verlaat und Semi Belkahia sind auf diese Weise nicht nur zwei Positionsrivalen in derselben Stube gelandet, sondern bewusst ein Neu- und ein Altlöwe. Köllners Grundsatz: „Zwei Neue kommen bei mir nie zusammen.“ Als Beispiel nennt er Phillipp Steinhart und Marcel Bär, die er im Sommer 2021 zu Bettgenossen gemacht hatte. Das Resultat: „Die beiden waren dann die ganze Saison miteinander unterwegs.“

Köllner sieht es so: „Man muss schon schauen: Welche Gruppe will ich am Ende haben? Wer soll sich mit wem am besten verstehen? Das kannst du als Trainer sehr gut steuern.“ Wobei es ihm auch darum geht, „untereinander so viele Verbindungen und Kontakte herzustellen wie nur möglich“.

TSV 1860: Köllner arbeitet im zwischenmenschlichen Bereich

Wie in jedem Unternehmen wird auch bei 1860 das Betriebsklima darüber entscheiden, wie leistungsfähig die Gruppe am Ende ist. Bis zum Ernstfall 23. Juli (bei Dynamo Dresden) gehe es parallel zum Training darum, „eine Chemie aufzubauen“, speziell vor dem Hintergrund, dass die Hälfte der Stammbelegschaft ausgetauscht wurde (neun Neue). Wie erwähnt: Köllner setzt im Zweifel auf wenig spektakuläre, aber menschlich wirkungsvolle Effekte – und wenn nur ein Kuchen in der Kabine steht wie am Samstag in Heimstetten, als Waschfrau Tanja Geburtstag hatte. „Jeder Spieler durfte vor dem Spiel zugreifen“, so Köllner: „Das war ein guter Mandarinenkuchen – ich hab direkt zwei Stücke genommen und dafür das Mittagessen ausgelassen. Manchmal ist es auch nur so etwas.“

Und was ist nun ab Freitag zu erwarten, im Hotel Dilly, das die Löwen seit 2018 jährlich einlädt? Wie immer macht der Trainer im Vorfeld ein Geheimnis aus den Spielen und Filmen, die er der Mannschaft vorsetzen will. Beim Auftritt im Mathäser griff er ein Geständnis von Physio Stefan Müller auf und sagte: „Eis am Stiel war auch von mir früher ein Lieblingsfilm ...“ Wahrscheinlich ein Scherz, aber auch das gehört eben dazu, wenn Köllner eine Gruppe formt: Humor. (Uli Kellner)

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