Im Interview

1860 und die Allianz Arena: Ex-Präsident Auer enthüllt Hoeneß-Details - und spricht über Verschwörungstheorie

„Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Arena“: Der damalige 1860-Präsident Karl Auer im Jahr 2004.
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„Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Arena“: Der damalige 1860-Präsident Karl Auer im Jahr 2004.

15 Jahre Allianz Arena: Der FC Bayern München freut sich über sein Stadion - und der TSV 1860? Ex-Präsident Karl Auer blickt zurück.

  • Die Allianz Arena wird am Wochenende 15 Jahre alt
  • Die Arena war bis zur Rückkehr ins Grünwalder Stadion auch Spielstätte der Löwen. Ex-Löwen-Präsident Karl Auer blickt im Interview zurück
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Herr Auer, 15 Jahre Allianz Arena. Was löst das in Ihnen aus?

Auer: Der Übergang war für 1860 nicht ganz einfach. Da haben wir einige Stunden in den Containern verbracht. Es waren stressige Zeiten für mich, aber dann sehr erfreuliche.

Inwiefern erfreulich?

Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Arena.

Was fällt Ihnen da ein?

Mei, es ging los mit den Eröffnungsspielen. Aber auch an das erste Pflichtspiel gegen Hansa Rostock kann ich mich erinnern (4:1/Red.). Volle Bude (51.200). Da kommt immer Freude auf. Niederlagen gab es sicher auch, aber die haben wir weggesteckt.

Bedauern Sie es, dass 1860 relativ schnell die Anteile verkaufen musste?

Ja, sehr.

War es unausweichlich?

Nicht ganz, aber ich will da auch nicht nachkarten. Bevor ich damals in die Klinik gekommen bin, hatte ich mit Uli Hoeneß gesprochen. Wir hätten eine Möglichkeit gefunden, dass wir uns da als 1860 noch eine Weile über Wasser halten. Das Problem war, dass der Abstiegsfall nicht wirklich einkalkuliert war. Die ganzen Berechnungen waren nur für die Erste Liga. Unseren normalen Zahlungen sind wir auch nachgekommen, nur die Sonderzahlungen konnten wir nicht mehr stemmen.

Unterdessen findet möglicherweise das CL-Finale 2020 in der alten Löwen-Spielstätte statt.

„Das Stadion ist ja früher abgezahlt als es geplant war“

Die Anteile verkauft hatte damals Stefan Ziffzer, der kurz zuvor Geschäftsführer geworden war…

Ich hätte die Anteile nicht verkauft. Ich glaube auch nicht, dass Bayern uns hätte hängen lassen. Klar gab es Termine für die Rückzahlung der Darlehen, aber die hätte man auch nach hinten verschieben können. Genauso wie sie Bayern später nach vorne verschoben hat. Das Stadion ist ja früher abgezahlt als es geplant war. Es war überhaupt schade, dass das so gekommen ist.

Hätte 1860 nicht absteigen dürfen? Oder direkt wieder aufsteigen müssen?

Genau. Ein Knackpunkt war sicher, dass wir im vorletzten Spiel im Grünwalder einen Sonntagsschuss bekommen haben. Wenn wir damals direkt wieder aufgestiegen wären, hätte es anders ausgeschaut. Auf Dauer 2. Liga war einfach nicht möglich.

Tiefblaue Fans sind überzeugt, dass Bayern von Anfang an vorhatte, 1860 aus der Arena zu drängen. Eine Verschwörungstheorie?

Für mich schon. Hätte 1860 zum Zeitpunkt der Planung nicht die finanziellen Möglichkeiten gehabt, wäre die Arena nie gebaut worden. Die Verträge waren so gestaltet, nur: Wenn du deinen Zahlungen nicht nachkommst, bist du halt immer auf das Wohlwollen der Anderen angewiesen. Da ist schon auch viel falsch gemacht worden.

Auer über Hoeneß: „Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt“

Sie wohnen in Rottach-Egern, Uli Hoeneß in Bad Wiessee. Treffen sich die ehemaligen Präsidenten manchmal bei einem Spaziergang am Tegernsee?

(lacht): Nein, aber wenn wir uns mal sehen, passt alles. Wir haben immer ein gutes Verhältnis gehabt.

Blindes Verständnis unter gelernten Metzgern?

Ja, weil beide wussten, dass ein Wort einfach ein Wort ist. Ich kann nur sagen: Mir gegenüber war der Hoeneß immer ein fairer Partner. Ich habe auch nie ein schlechtes Wort über ihn verloren – und er nicht über mich. Leider haben das nicht alle auf der Löwen-Seite so gehandhabt.

Jetzt ist 1860 zurück in Giesing. Die richtige Entscheidung?

Auf Dauer ist es keine Basis mit 18.000 Zuschauern. Das Potenzial für mehr wäre da.

Kann man in Giesing wirtschaftlich über die Runden kommen?

Wir haben damals Gewinn gemacht, aber wenn du in der Ersten Liga spielen willst, ist Schluss. Dann brauchst du ein vernünftiges Stadion. Und eigentlich muss ja das immer das Ziel sein für 1860, in der Bundesliga zu spielen.

In Kürze kämpfen auch die Fußballer des TSV 1860 wieder um Punkte. Vor dem Wiederbeginn der Dritten Liga blicken wir auf die sportliche Lage bei den Löwen und der Konkurrenz.

Nach der Corona-Unterbrechung gibt‘s den Re-Start für die Löwen. Der Live-Ticker zur Partie des TSV 1860 gegen den MSV Duisburg.

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