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TSV 1860 München und die Stadionfrage: Übernimmt Sechzig das Grünwalder?

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Von: Paul Ruser

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Wird das Grünwalder Stadion ausgebaut oder nur saniert? Leitet die Stadt oder der TSV selbst das Projekt? Wann fällt eine Entscheidung? Fragen über Fragen in Bezug auf das Stadion an der Grünwalder Straße.
Wird das Grünwalder Stadion ausgebaut oder nur saniert? Leitet die Stadt oder der TSV selbst das Projekt? Wann fällt eine Entscheidung? Fragen über Fragen in Bezug auf das Stadion an der Grünwalder Straße. © Imago

Wie geht es mit dem Grünwalder weiter? Münchens dritte Bürgermeisterin, Verena Dietl, gab in einem Interview Auskunft über den Status quo, vorliegende Pläne und Alternativen.

München - Der TSV 1860 München und die Stadionfrage - eine immer wiederkehrende Streitfrage. Dabei sieht die Sachlage auf dem Papier ganz einfach aus: Die Sechzger wollen das Grünwalder Stadion ausbauen, der Stadtrat stimmte - bereits vor mehr als zwei Jahren (!) - dem Vorhaben zu. Für Verena Dietl „gehöre die Fußball- und Fankultur zur Geschichte dieser Stadt“, zudem erkennen viele Mitglieder des Stadtrates „die Faszination des Sechzgerstadions“ an.

Trotzdem hapert es seit dem Beschluss der Stadt. Es wirkt so, als würden beide Seiten aneinander vorbeireden. Einen negativen Höhepunkt gab es vor zwei Wochen, als 1860-Präsident Robert Reisinger empört auf kritische Aussagen von Dieter Reiter reagierte. Im selben schnippischen Ton wie der Münchner Oberbürgermeister, wohlgemerkt.

Ausbau des Grünwalder Stadions: Aussage gegen Aussage

Spannung spürt und sieht Reiters Kollegin Verena Dietl aber nicht. Im Gespräch mit der Abendzeitung sprach die Politikerin sogar von einem „partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe“. Daher verwundert es umso mehr, dass es kaum vorangeht. Auch wenn die dritte Bürgermeisterin der Landeshauptstadt es dementiert, das Problem scheint an der angespannten und verhärteten Kommunikation zu liegen.

Das sieht auch Sechzigs Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer so. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung meinte er vor zehn Tagen noch: „Uns liegt bis zum heutigen Tag nichts Schriftliches und keine Grundlage für Gespräche vor.“ Beide Parteien haben Vorstellungen und Forderungen an die jeweilige Gegenseite, die aber nicht erfüllt werden können - oder wollen. Das öffentliche Interesse und die daraus resultierenden Vorwürfe helfen mitnichten jemandem weiter.

TSV 1860 München: Bürgermeisterin Dietl sieht die Löwen am Zug

Für Verena Dietl zeigen die Blauen zu wenig Beteiligung an der Thematik. Besonders in der Thematik um die künftige Miete für die Nutzervereine kriselt es. Für Präsident Reisinger ist die Sachlage aber klar: „Alles, was die Geschäftsführung der KGaA benötigt, ist eine Auskunft über die zu erwartende Miete nach einem Umbau. Es gibt bis heute keine Berechnungen, die als Verhandlungs-Grundlage dienen könnten.“

Bizarr. Denn die Stadt wartet dafür auf einen Zug des Vereins: „Aktuell brauchen wir noch entscheidende Informationen von Sechzig, um seriös sagen zu können, wie hoch die Miete liegt. Wir wollen alle, dass diese in einer Beschlussvorlage im Stadtrat schon genannt wird und die Pläne dann weiter verfolgt werden können“, meint Verena Dietl. So viel zum partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe.

„Wenn Sechzig der Meinung ist, alles besser zu können als die Stadt, dann kann sich der Verein auch überlegen, ob er es mit irgendeinem Konstrukt selbst macht.“

Bürgermeisterin Verene Dietl.

Nun könnte aber Bewegung in die festgefahrene Situation kommen. Denn die Sport-Bürgermeisterin Münchens warf eine neue Idee in den Raum: „Wenn Sechzig der Meinung ist, alles besser zu können als die Stadt, dann kann sich der Verein auch überlegen, ob er es mit irgendeinem Konstrukt selbst macht. Wir als Stadt sind dafür offen. Dann könnten sie das Projekt ganz in ihrer Hand behalten. Das habe ich Sechzig auch schon angeboten.“

TSV 1860: Dietl fordert Löwen zur Zusammenarbeit auf

Funktionieren würde das mithilfe eines Erbpachtvertrags. Dieser würde dem TSV 1860 München erlauben, das Stadion selbstständig - auf dem Grund der Stadt - zu sanieren. Für die Stadionerweiterung müssten zudem auch keine neuen Entwürfe angefertigt werden: „Die Planungen sind da. Wenn Sechzig sich das vorstellen kann, kann man da anknüpfen.“

Ob die Löwen-Bosse diesen Vorschlag annehmen werden, wird sich zeigen. Dass es aber bis zu einer Entscheidung noch dauern wird, ist ziemlich wahrscheinlich. Verena Dietl erhofft sich ein Einlenken aus dem Verein: „Es gibt immer zwei Möglichkeiten: einfach nur zu fordern - oder auch mitzuhelfen.“ Sie zeigt sich aber - auch aufgrund früherer Kooperationen mit dem Verein - optimistisch: „Wir haben immer gute Lösungen gefunden und ich glaube, dass wir wieder eine finden. Ich bin noch zuversichtlich. Trotz allem.“ (Paul Ruser) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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