Pleite gegen 1. FC Heidenheim

1860 München verliert fast den Glauben an die Rettung

+
1.FC Heidenheim, in der Allianz-Arena München. Christopher Schindler (TSV 1860 München).

München - Der TSV 1860 München verliert auch das Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim – und fast schon den Glauben an die Rettung.

An diesem Samstag wollen die Löwen-Profis mit ihren treuesten Fans Weihnachtslieder anstimmen. Das sog. „Adventssingen“ im Grünwalder Stadion hat sich in den letzten Jahren etabliert. Fraglich ist heuer bloß, ob diese für 19 Uhr angesetzte Veranstaltung nicht abgesagt werden muss. Wegen akuter Abstiegsgefahr des Zweitligateams. Und wegen schlechter Laune, wie sie Benno Möhlmann nach der 1:3-Pleite am Vorabend gegen Heidenheim zur Schau trug. „Es muss sich was ändern, das ist ganz klar“, grantelte der Coach in bisher nicht gekannter Manier. „Zu erkennen, dass es selbst gegen einen Gegner zu wenig ist, der mit uns auf Augenhöhe ist, das macht auch mir keinen Spaß. Und aus zwei, drei, vier guten Aktionen Hoffnung rauszukitzeln, da hab ich keine Lust zu.“ Möhlmann hofft auf „zwei, drei“ neue Spieler. Nur so, glaubt er, wird sein Team den Abstieg vermeiden können.

Wenn das Weihnachtsfest naht, ist bei vielen Menschen innere Einkehr angesagt, die Worte werden süß wie Zuckergebäck, auch bei 1860. Im Vorwort des Stadionmagazins blickte Geschäftsführer Markus Rejek auf das turbulente Jahr 2015 zurück und sagte allen Fans Danke, „die Ihr für Sechzig mehrmals durch die Löwen-Hölle gegangen seid“. Abstiegskampf ohne Pause, zwischendurch die Relegation gegen Kiel (kurzes Durchschnaufen), dazu wie immer Knatsch und Intrigen. Nein, es war wieder mal nicht einfach, ein Anhänger dieses Klubs zu sein.

Entsprechend – mit schönen Grüßen aus der Hölle – begann die Partie gegen Heidenheim. Bereits nach sechs Minuten lag der Ball im Löwen-Netz und die Hoffnung auf bessere Zeiten erhielt einen ersten Dämpfer. Ben Halloran, der flinke Rechtsaußen des FCH, traf über den Innenpfosten ins Schwarze. Vitus Eicher sah dabei ebenso unsicher aus wie sämtliche Defensivspieler vor ihm.

TSV 1860 München: Möhlmann war nonstop im Wüterich-Modus

Fahrig, verunsichert, fehlerhaft – es sah nicht gut aus, wie die Löwen in diesem wichtigen Spiel auftraten. Möhlmann war nonstop im Wüterich-Modus an der Seitenlinie. Und wie immer, wenn er unzufrieden ist, gab es ein frühes Personalopfer: Fejsal Mulic, der keinen Pass an den Mann brachte, musste gehen. Für ihn kam Richard Neudecker – und mit ihm ein bisschen Ballsicherheit.

Langsam kamen die Löwen besser ins Spiel – und Sekunden vor dem Halbzeitpfiff wurden sie für ihr etwas mutigeres Auftreten belohnt. Es gab Freistoß im rechten Halbfeld. Michael Liendl visierte den Kopf von Rubin Okotie an, eine scharfe Hereingabe, ein wuchtiger Kopfball – 1:1. Ein bisschen ungerecht war das schon aus Sicht der Gäste, denn der aufgerückte Innenverteidiger Beermann hatte zwei Minuten zuvor den Außenpfosten getroffen.

Stadionsprecher Stefan Schneider empfahl den Fans ein „Pausenbier“ – keine schlechte Idee, denn schon in der 54. Minute war wieder Leiden angesagt. Missver-ständnis zwischen Maxi Wittek und Sertan Yegenoglu im Mittelfeld, Robert Leipertz ging auf und davon – und traf aus 15 Metern links unten an Eicher vorbei. 1:2.

Leblosigkeit, Resignation – das war die Reaktion von Fans und 1860-Profis. Bis Möhlmann gut 20 Minuten alles auf eine Karte setzte. Milos Degenek, der einzige Sechser, musste raus. Mit Stefan Mugosa kam ein zweiter Stürmer. Theoretisch ein guter Plan. Nur: In der Praxis landete auch weiterhin kaum ein verwertbarer Ball im Heidenheimer Strafraum.

Wie schon beim 0:1 gegen Frankfurt eine Woche zuvor ließen die Löwen die Zeit verstreichen, ohne nennenswerte Gegenwehr zu leisten. Der junge Neudecker war eine der wenigen Ausnahmen, doch auch ihm war nach Steilpass von Liendl kein Torerfolg vergönnt (78.). Kurz darauf machte Heidenheim den De-ckel drauf. Marc Schnatterer per Freistoß an den Pfosten, Smail Morabit staubte ab – und für den Löwen-Anhang war ein weiterer Höllen-Abend war perfekt.

Löwen-Fehlstart in die Rückrunde - Viermal Note 5!

Löwen-Fehlstart in die Rückrunde - Viermal Note 5!

Von Uli Kellner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut

Kommentare