Spitzenspiel beim Tabellenführer

VfL-Aufsichtsrat Goosen: „Bochum ist ein Dorfverein“

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Die Bochumer führen derzeit die Tabelle in der Zweiten Liga an.

München - Frank Goosen ist Kabarettist, Romanautor und er sitzt beim nächsten Löwen-Gegner VfL Bochum (Montag, 20.15 Uhr) im Aufsichtsrat. Das tz-Interview.

Herr Goosen, am Montag kreuzt der TSV 1860 beim Tabellenführer VfL Bochum auf. Wie optimistisch sind Sie, dass im nächsten Jahr ein anderer Verein aus München gastiert?

Goosen: Sie meinen die Bayern in der ersten Liga. Ich erwarte das zum jetzigen Zeitpunkt zwar noch nicht unbedingt, würde es aber billigend in Kauf nehmen.

Wie kommt’s, dass ein Autor im Aufsichtsrat eines Bundesligaklubs sitzt?

Goosen: Vor fünf Jahren fragte mich der damalige Aufsichtsratschef Werner Altegoer, ob ich vielleicht mehr als nur dumm daherreden könne und im Aufsichtsrat mitmachen würde. Da habe ich zugesagt.

Und wie war’s?

Goosen: Am Tag der Wahl ist dann erst mal der komplette alte Aufsichtsrat zurückgetreten, übrig geblieben sind zunächst nur ich und ein weiteres neues Gremiumsmitglied. Wir mussten dann mithelfen, einen neuen Aufsichtsrat aufzubauen. Es waren harte erste Jahre. In meiner ersten Saison verpassten wir gegen Gladbach knapp den Aufstieg, und dann war drei Jahre Abstiegskampf angesagt. Ich kann Ihnen sagen: Dagegen ist der Abstiegskampf in der ersten Liga ein richtiger Spaß…

Und jetzt läuft’s auf einmal. Neben den Siegen gibt’s auch tollen Fußball. Ein Verdienst von Trainer Gertjan Verbeek?

Goosen: Ich muss sagen, dass wir in den vergangenen Jahren richtig gute Entscheidungen getroffen haben. Ich habe sofort großes Vertrauen zu Sportchef Christian Hochstätter gefunden, alle verantwortlichen Leute harmonieren miteinander, und Verbeek hat hochmoderne Trainingsmethoden und Fachleute mitgebracht. Der Trainerjob ist harte Arbeit.

Er kommt ja ziemlich knurrig rüber, kann er auch anders sein?

Goosen: Natürlich. Der bölkt jetzt nicht den ganzen Tag nur rum. Aber er kann unbequem sein. Er hat eben Qualität, im Unterschied zu manch anderen.

Wie schwer hat es der VfL Bochum durch die Nähe zu Dortmund und Schalke?

Goosen: Jeder der beiden anderen Klubs ist 20 Kilometer weg, und wir sehen uns nach wie vor als Rivalen von ihnen. Der Bochumer saugt den VfL mit der Muttermilch auf, so wie ich auch. Trotz der 350 000 Einwohner ist Bochum eigentlich ein Dorf und der VfL der Dorfverein. Der VfL ist eben eine Angelegenheit für das ganze Dorf.

Wann ging es bei Ihnen los?

Goosen: 1975 war ich das erste Mal im Stadion. Ich war acht Jahre alt, und wir gewannen 4:2 gegen den Wuppertaler SV.

Ein Jahr später gab es eins der verrücktesten Spiele der Bundesligageschichte. Das 5:6 gegen den FC Bayern…

Goosen: Da war ich auch. Wir führten 4:0, und dann schlugen die Bayern zurück. Leider habe ich die Eintrittskarte von damals verloren. Das wäre heute eine Pretiose. Ich weiß aber noch genau, wo ich saß: Block A, Reihe 22, Sitz 2. Übrigens: Hermann Gerland, der damals beim VfL spielte, wird heute noch von Uli Hoeneß mit diesem Spiel aufgezogen.

VfL-Anhänger pflegen eine Fan-Freundschaft zum FC Bayern. Sie auch?

Goosen: Na ja. Das ist nicht so mein Ding, dass so etwas gleich in Freundschaft ausarten muss.

Und wie steht’s um die Sympathien für den TSV 1860?

Frank Goosen sitzt im Aufsichtsrat beim VfL Bochum.

Goosen: Ich sage Ihnen mal was. Wenn ich in München eine Lesung mache, dann sind die meisten Zuhörer Löwen-Fans. Wenn die mich gut finden, warum sollte ich ihren Verein nicht mögen? Es besteht ja auch immer noch eine unglaubliche Verbundenheit der Münchner zum TSV 1860. Wenn du 57 000 Zuschauer gegen Holstein Kiel hast – also bitte.

Obwohl viele blaue Fans die Arena nicht mögen…

Goosen: So ist der heutige Fußball. Die Stadien werden vor die Tore der Stadt hingebaut, dort, wo man früher die Pestkranken abgeliefert hat. Wir in Bochum haben das geilste Stadion Deutschlands. Mitten in der Stadt, und kein Zuschauer hat zum Spielfeld mehr als 30 Meter Distanz.

Sie sind jetzt 40 Jahre beim VfL. Wer war eigentlich Ihr Lieblingsspieler?

Goosen: O Gott. Das ist schwer. Natürlich die Helden meiner Jugend. Ata Lameck, Hermann Gerland, Jupp Tenhagen. Wenn ich dem heute gegenüberstehe, werde ich immer noch nervös.

Und die Jetzigen?

Goosen: Wir haben endlich wieder Typen in der Mannschaft, die nie aufgeben – so wie früher. Unsere Spieler werden richtig knatschig, wenn sie mal den Ball verlieren. So nach dem Motto: Das ist mein Ball, gib ihn wieder her.

Sie haben zwei Söhne. Gehen die auch zum VfL?

Goosen: Die sind 14 und zwölf und absolute Bochum-Fans. Andernfalls müssten sie ihre Ausbildung auch selbst bezahlen. Eins war mir aber mal peinlich. Als mein Großer einen Tennisschläger kaufte, steckte dieser in einer gelb-schwarzen Hülle. Da hat mein Sohn die Verkäuferin doch tatsächlich gefragt, ob es die Hülle auch in einer anderen Farbe gebe…

tz

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