Löwen warten seit fünf Spielen auf einen Dreier

TSV 1860 München: Trainer Michael Köllners erste Krise

Hadert mit der Chancenverwertung: 1860-Trainer Michael Köllner ist seit fünf Spielen ohne Sieg.
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Hadert mit der Chancenverwertung: 1860-Trainer Michael Köllner ist seit fünf Spielen ohne Sieg.

Der TSV 1860 ist gegen Viktoria Köln zum fünften Mal in Folge unter Michael Köllner sieglos geblieben. Eine Analyse vor den letzten drei Spielen im Jahr 2020.

  • Der TSV 1860 München hat sein Auswärtsspiel am 14. Spieltag der 3. Liga beim FC Viktoria Köln mit 1:2 verloren.
  • Die Mannschaft von Trainer Michael Köllner wartet damit seit fünf Spielen auf  einen Sieg und rutscht in der Tabelle auf Rang neun ab. 
  • Problematisch bei den Löwen ist der dünne Kader und die Abschlussschwäche der vergangenen Wochen.

München – Auf die Gefahr hin, dass Sascha Mölders das Lesen umgehend abbricht: Die Löwen stecken in ihrer ersten Krise unter Trainer Michael Köllner. Das 1:2 bei Viktoria Köln war bereits die vierte Niederlage in den letzten neun Partien, seit fünf Spielen warten die Sechziger auf einen Sieg – Punkteschnitt: höchst durchschnittliche 1,4.

Woran es liegt, dass der verheißungsvoll in die Saison gestartete Traditionsclub drauf und dran ist, im grauen Mittelmaß der Drittklassigkeit zu versanden? Eine analytische Zustandsbeschreibung drei Spieltage vor Jahresschluss.

Harmlosigkeit 

25 Tore, alles paletti? Oberflächlich betrachtet ja. Wer die Kantersiege gegen Halle (6:1) und Lübeck (4:1) als Ausreißer betrachtet, kommt der Wahrheit schon ein gutes Stück näher. Weder gegen Uerdingen und Türkgücü, noch in Dresden, Verl und Köln konnten sich die Löwen ein Chancenplus erarbeiten, die Standards funktionieren nicht mehr, von Abschlussqualität im positiven Sinne kann keine Rede sein.

In Köln am Samstag scheiterten Stefan Lex und Sascha Mölders zum wiederholten Male aus kurzer Distanz, Richard Neudeckers prächtiger Distanzschuss zum 1:0 blieb das Tageshighlight aus weiß-blauer Sicht. „Wir müssen nach 30 Minuten schon zwei oder drei zu null führen“, sagte Michael Köllner. „Das ist der große Vorwurf, den wir uns heute machen müssen.“ Nicht der einzige…

Anfälligkeit 

Zum vierten Mal in den jüngsten fünf Spielen ließen sich die Löwen eine Führung nehmen, im Derby gegen Türkgücü sogar zweimal. Die Tempodefizite im Zentrum sind kaum mehr zu übersehen, die neu formierte Innenverteidigung mit Quirin Moll und Stephan Salger hat gegenüber dem Vorgänger-Duo Berzel/Erdmann zwar Vorteile in der Spieleröffnung, beim Kerngeschäft hingegen ist kein echter Fortschritt erkennbar. 

Köllners bitteres Fazit nach dem Auftritt bei Viktoria Köln: „Das 1:1 haben wir Viktoria geschenkt, indem wir einen offenen Ball gar nicht verteidigt haben, beim zweiten Gegentor haben wir leider den Rückraum am zweiten Pfosten vernachlässigt. Viktoria hat uns gnadenlos bestraft.“

Kaderstärke 

Die dünne Decke an unumschränkt drittligatauglichen Profis ist zum ernsthaften Problem geworden. Und dabei stehen die Löwen in Sachen Verletzungen und Corona-Infektionen im Ligavergleich gut da. Einzig Sperren (Dressel, nun auch Wein – fünfte Gelbe) mach(t)en Umstellungen in der Aufstellung zwingend notwendig.

Echte Alternativen für Stammkräfte gibt der Kader nicht her, speziell im Sturmzentrum herrscht Notstand. In Köln wechselte Köllner einmal mehr Dennis Erdmann ein, um den Ausgleich zu erzwingen. Der im Sommer als Ersatzstürmer verpflichtete Martin Pusic will den Club wegen privater Probleme verlassen, am Montag soll laut Sportchef Günther Gorenzel ein gemeinsames Gespräch stattfinden. Das ebenfalls verpflichtete Talent Tim Linsbichler hat nach Informationen unserer Zeitung mit einer Schambeinentzündung zu kämpfen.

Ob im Januar personell nachgelegt werden kann? Gorenzel antwortet auf diese Frage mit Marktsondierungs-Phrasen, die Texter von Investor Ismaik ließen am Sonntag einen Kalenderspruch vom Stapel: „Setze deine Ziele hoch und höre nicht auf, bis du ankommst.“

Alles klar?

(Ludwig Krammer)

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