Richtungweisendes Duell gegen Lautern

Ist der TSV 1860 München für den „heißen Herbst“ gewappnet?

Kein Bier, dafür eine charmante Begleitung: Timo Gebhart mit Partnerin Nina. 
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Kein Bier, dafür eine charmante Begleitung: Timo Gebhart mit Partnerin Nina. 

Da saßen sie also – und gaben ein leicht bemitleidenswertes Bild ab. Die alkoholfreien Mass’n standen schon bereit, als die Löwen-Profis am Dienstagabend auf der Galerie des Hackerzelts eintrafen.

München – Unten tobte das Feiervolk, oben war Wiesn light angesagt. Mehr als ein Anstandsbesuch beim Sponsor war nicht drin. Das lange Nachmittagstraining, Stau am Ring und die strengen Einlasskontrollen hatten eine fast einstündige Verspätung verursacht – und eine „Nachfeierzeit“ über 21 Uhr hinaus kam nicht infrage. Nicht mit Daniel Bierofka, der die Regeneration vor dem Lautern-Spiel über alles stellte. Der 1860-Coach kennt schließlich den Spielplan und weiß: Ein Sieg am Samstag wäre elementar, um sich punktemäßig für den „heißen Herbst“ zu wappnen.

Auf die erste Woche des Oktoberfests folgt bekanntlich der Oktober – und da wird es nicht nur auf den Erntebereiten Äckern hektisch, sondern auch auf den Fußballfeldern der 3. Liga. Um im Bild zu bleiben: Die Trauben hängen hoch für den Giesinger Hinterhofbetrieb, denn bis Ende November stehen unter anderem drei Lokalderbys auf dem Programm. Dazu das bayerische Duell in Würzburg – und andere knackige Auswärtsaufgaben. Rostock (Platz 6 der Heimtabelle), Halle (Dritter ebenda) – danach, kurz vor dem Advent, dürfte sich tabellarisch die Spreu vom Weizen getrennt haben.

„Wir als Stadt können die Hardware liefern, die Sechziger müssen die sportliche Software beisteuern“, hatte OB Dieter Reiter seinen Wiesn-Gastgebern ins Stammbuch geschrieben – verbunden mit der Empfehlung, im Hinblick auf den geplanten Umbau des Grünwalder Stadions an der Stabilität zu arbeiten, sportlich und vereinspolitisch: „Ich wünsche 1860, dass sie in diesem Jahr nicht wieder gegen den Abstieg spielen, sondern sich irgendwann mal konsolidieren.“ Zumindest Bierofka weiß, dass der Klassenerhalt in dieser Haifisch-Liga kein Selbstläufer wird. Und alles, was über den Abstiegsstrich hinausgeht, ist für 1860 eh nur mit maximaler Kräftebündelung zu erreichen.

Heimsiege sind Pflicht, wenn man sich auswärts schwertut wie die Löwen. Und als Reiter seiner Derby-Sehnsucht Ausdruck verlieh, meinte er ausdrücklich nicht die Duelle mit Bayern II (24. November) und dem potenziellen Stadion-Vermieter Unterhaching, die am 11. Oktober (Totopokal) und 1. Dezember (Liga) auf den TSV 1860 zukommen.

Vor einem Jahr fiel das Wiesn-Derby gegen Haching (1:1 mit Last-Minute-Gegentreffer) mitten hinein in eine Phase der Herbstdepression: Heim-1:2 gegen Wehen, 1:1 gegen Würzburg, 0:1 in Meppen. Diesmal sollten die Löwen etwas konstanter punkten, um nicht gleich wieder unten reinzurutschen. 26 Punkte hatte Bierofkas Team zum Jahreswechsel 2018/19 auf der Habenseite (nach 20 Spielen). Den versöhnlichen Jahresabschluss gab es zwei Tage vor Heiligabend zu feiern – mit einem Heimsieg just gegen den 1. FC Kaiserslautern, der damals wie heute einen Trainerwechsel hinter sich hat (2018: Hildmann für Frontzeck, diesmal Schommers für Hildmann).

Ein Sieg am Samstag, dann könnten die Löwen etwas entspannter in die nähere Zukunft blicken – zumal danach eine sogenannte „lange Woche“ auf dem Programm steht. Erst am Montag, 7. Oktober, geht es in Würzburg weiter. Liefern die Löwen den erhofften Heimsieg, wird Bierofka gewiss auch ein, zwei Augen zudrücken, wenn beim nächsten Wiesn-Besuch seiner Profis echtes Bier in den Masskrügen landet.

Drei Siege aus den jüngsten vier Spielen – eine Bilanz, die den Münchner Löwen vor dem heutigen Gastspiel bei den Würzburger Kickers Mut machen sollte. Einerseits.

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