Von Ahlen deutet Konsequenzen an

Vorläufiges Ende des 4-3-3-Experiments

+
Markus von Ahlen wird wohl das System ändern.

Aue/München - Es war ein desolater Auftritt bei Markus von Ahlens Cheftrainer-Premiere beim TSV 1860 München in Aue. Die Not wird nach dem 1:4 immer größer.

Wenn die Blicke nach dem Schlusspfiff zu den anderen Ergebnissen wandern, weiß man, dass das Fußballjahr in eine ernste Phase eingetreten ist. Für die Löwen war nach der 1:4 (1:3)-Blamage von Aue das Heimspiel des FSV Frankfurt gegen Zweitliga-Spitzenreiter Ingolstadt interessant. Endstand: 0:1. Das Schlimmste, der Sturz ans Tabellenende, blieb dem TSV 1860 nach dem zehnten Saisonspiel erspart. Doch auch so ist die Lage ernst bis prekär, wenn nicht bereits alarmierend.

Auf Rang 17, einem der beiden direkten Abstiegsplätze, ist die von Sportchef Gerhard Poschner zusammengestellte Multikulti-Truppe angekommen, und nach den Eindrücken von Aue ist verbissener Existenzkampf etwas, das die Löwen-Generation 2014/15 noch weniger beherrscht als attraktiven Angriffsfußball, den sich der Verein im Sommer des Großreinemachens auf die Fahne geschrieben hatte. Die Anfangsviertelstunde mit drei Gegentreffern sei „ein Scheißstart“ gewesen, kommentierte Markus von Ahlen, der erstmals als offiziell beförderter Cheftrainer an der Seitenlinie gestanden hatte. Es sei nach diesem Debakel „eine gute Herausforderung“, gemeinsam aus der Krise zu gelangen. Auflösungserscheinungen wie bis zum Halbzeitpfiff und in der Schlussphase gilt es zu analysieren. Unmittelbar nach Schlusspfiff fingen die Spieler damit an. Am Zaun im Gästefanblock bildeten sich grimmige Diskussionsrunden.

Vorläufiges Ende des 4-3-3-Experiments

Immerhin: Die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, scheint in den Spielerköpfen angekommen zu sein. „So darf man sich nicht präsentieren. Das war gar nix. Gerade in so einer Situation müssen wir anders auftreten“, übte Daniel Adlung Selbstkritik. Stürmer Rubin Okotie fügte hinzu: „Das war enttäuschend, wir können uns bei den Fans nur entschuldigen.“

Von Ahlen, der ernüchtert wirkende Cheftrainer, sprach bereits aus, was nun wohl zu erwarten steht: die Abkehr vom 4-3-3-Fußball, der in der neuen Klubsatzung voreilig verankert wurde. „Wir müssen uns in der anstehenden Woche Gedanken machen, ob wir nicht einen Schritt zurückgehen wollen von dem offensiven Fußball, der uns grundsätzlich vorschwebt.“ 4-2-3-1 ist eine Grundordnung, die dem labilen Team mehr defensive Sicherheit verleihen könnte. Es ist auch davon auszugehen, dass treue Kämpfer wie Kai Bülow und Dominik Stahl (fast genesen), schon gegen Braunschweig am Sonntag zurück in die Anfangsformation rutschen.

Die Hintermannschaft von gestern hat sich jedenfalls nicht für weitere Auftritte empfohlen. Alle vier Gegentreffer fielen über die linke Abwehrseite, für die sich Grzegorz Wojtkowiak und Kapitän Christopher Schindler die Verantwortung teilen. Vor dem 0:1 durch Klingbeil war es der überragende Kortzorg, der ungestört flanken durfte (zum Ärger der Löwen aus Abseitsposition). Auch beim 0:2 war weit und breit keiner, der Novikovas daran hinderte, aus halbrechter Position die entfernte Torecke anzupeilen. Das 0:3 schließlich erzielte Kortzorg, nachdem sich Schindler mit einfachen Drehungen austanzen ließ. Und bei Benatellis 1:4, das das kurze Aufbäumen der Gäste beendete (nach Ramas 1:3, eingeleitet von Einwechselspieler Claasen), sah auch Gary Kagelmacher nicht besonders souverän aus.

„Nach dem 0:3 durch individuelle Fehler – ich voran – war das Spiel gelaufen“, haderte Schindler. „Nach dem 1:3 haben wir zwar noch mal Hoffnung geschöpft, aber wir waren nicht zwingend genug. Diese Niederlage ist schwer zu verarbeiten. Ich hoffe, dass wir nächsten Sonntag gegen Braunschweig den Schalter wieder umlegen können.“ Zeit wird’s, sonst dürfte es mittelfristig schwer werden, die gefährdeten Regionen wieder zu verlassen.

von Uli Kellner

 

Schindler weint: Löwen nach Debakel am Boden

Schindler weint: Löwen nach Debakel am Boden

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Zwölf Verträge enden 2018 - welche dieser Spieler bleiben Löwen?
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Schon jetzt ist klar: Eric Weeger wird am Sonntag Rekord brechen
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
Löwen-Reserve: Nächster Sieg in Traunstein?
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut
1860 vor dem Derby in Augsburg: Tabelle gut, Team gut, Stimmung gut

Kommentare