5:0 Kantersieg

Entfesselte Löwen lassen Kritiker verstummen

„Ich muss den jungen Spielern ein Vorbild sein“, sagt Sascha Mölders – und belässt es nicht bei schönen Worten. Gegen Mannheim traf er dreimal.
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„Ich muss den jungen Spielern ein Vorbild sein“, sagt Sascha Mölders – und belässt es nicht bei schönen Worten. Gegen Mannheim traf er dreimal.

Nach fünf Spielen ohne Sieg setzt der TSV 1860 ein echtes Ausrufezeichen. Der überragende Mann war dabei Sascha Mölders.

  • Der TSV 1860 München beendet gegen Waldhof Mannheim seine Durststrecke.
  • Es war womöglich das bisher stärkste Spiel unter Michael Köllner.
  • Der Coach singt ein Loblied auf seine Spieler.

München – Fünf Spiele ohne Sieg? Fünf zu Null! Eine bessere Antwort hätten die Löwen nicht geben können auf ihre Ergebniskrise, die sie nach starkem Saisonstart ins Tabellen-Mittelfeld der Dritten Liga hatte abgleiten lassen. Nach dem Kantersieg gegen heillos überforderte Mannheimer sind die Sechziger nun wieder zurück in der erweiterten Spitzengruppe. Und gierig, die dritte Englische Woche zu ihrer zu machen. „Der Sieg war wichtig, dass wir Feuer kriegen für die nächsten Spiele“, sagte Trainer Michael Köllner, der glücklich war, dass sich die Mannschaft „heute mal für ihren Aufwand belohnt hat“. Wie es kam, dass die Löwen ihr insgesamt bislang stärkstes Spiel unter Köllner ablieferten? Fünfmal Beifall:

Sascha Mölders mit Galavorstellung

Für Sascha Mölders: Ein Hattrick binnen 24 Minuten, der erste in der Dritten Liga, der zweite für die Löwen seit dem 5:0 in der Regionalliga gegen den VfB Eichstätt (April 2018). Damals brauchte Mölders freilich ewige 30 Minuten. Klar, dass sich die Debatten beim 35-Jährigen längst nicht mehr nur um diese, sondern bereits um die nächste Spielzeit drehen. Auch Trainer Köllner machte mit seinem Halbsatz von der „vorletzten Saisonentsprechende Andeutungen. Fakt ist: Ein Mölders in dieser Verfassung stünde selbst in der Zweiten Liga nicht auf verlorenem Posten. Für die Löwen ist er als Torjäger (aktuell neun Stück) und Kapitän schlicht unverzichtbar. Ob er sich im Training hin und wieder eine Pause gönne, fragte ihn der MagentaSport-Reporter am Samstag. Antwort: „Als junger Spieler hab ich es gehasst, wenn die älteren unter der Woche drei, vier Tage nicht trainiert haben und dann am Samstag trotzdem gespielt haben. Deswegen trainier ich immer, ich muss den jungen Spielern ein Vorbild sein!“

Für Phillipp Steinhart: Der oft kritisierte Linksverteidiger spielt seine bislang stärkste Saison für 1860. Im Stellungsspiel verbessert, mutiger nach vorne – so dürfte einer Vertragsverlängerung mit dem 28-jährigen Dachauer nichts im Wege stehen. Am Samstag sammelte Steinhart seine Scorerpunkte vier, fünf und sechs. Gegenspieler Marcel Costly dürfte keine ruhige Nacht gehabt haben.

Quirin Moll zurück im Mittelfeld

Für Quirin Moll: Erstmals in dieser Saison ließ Trainer Köllner das zum Innenverteidiger umfunktionierte Kraftpaket auf dessen angestammter Position im defensiven Mittelfeld ran. Moll dankte es mit einem bärenstarken Auftritt: Er organisierte das Pressing, spielte kluge Pässe. „Es war wichtig, dass wir eine kleine Rochade gemacht haben“, sagte Köllner. „Quirin hat das beste Spiel gemacht, seit ich hier Trainer bin. Wir wollten auf der Sechser-Position einen Spieler, der gegen den Ball aufmerksam verteidigt und in der Spieleröffnung gute Bälle spielt. Quirin hat das super gemacht und dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt.“ Auch gegen Lautern, wenn Daniel Wein und Dennis Dressel von ihren Sperren zurückkehren?


Für Richy Neudecker: Der wuselige Mittelfeld-Techniker hat den Weggang von Efkan Bekiroglu kompensiert, seine Übersicht und Geistesblitze können (nicht nur) in dieser Liga den Unterschied machen. Wie er Mölders das 3:0 auflegte, war die perfekte Verschmelzung von Kunst und Gegenpressing. Ein Extra-Plätzchen!

TSV 1860: Auftritt nach Lehrbuch

Für Michael Köllner: Alle Unterrichts-Inhalte umgesetzt, da freute sich der Fußball-Lehrer! Endlich hatte sein Team ein 1:0 nicht als Ruhekissen betrachtet, sondern als Auftrag, nachzusetzen. Endlich griff das Pressing über 90 Minuten. Ein neuer Maßstab ist gesetzt. Und die Bank aktiviert. Semi Belkahia (knapp 22) durfte nach anderthalb Jahren Verletzungspause wieder mitmischen, Matt Durrans (22) bekam seine erste Chance im Sturm. Talent des Tages war freilich der erst 17-jährige Lorenz Knöferl, den Köllner für Stefan Lex einwechselte. Trotz seiner unglücklich verpassten Chance zum 6:0 gab’s für den ehemaligen U16-Nationalspieler aus dem Schrobenhausener Land ein Extralob von Mölders: „Der Junge trainiert überragend, das musste belohnt werden. Jetzt ist er ein Drittliga-Spieler.“ Und morgen auf dem Betzenberg wohl erneut im Kader. 

(Ludwig Krammer)

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