Selbst die Liga ist noch offen

50+1, Stadion, Mannschaft: Wie sieht die Löwen-Zukunft aus?

Zum Wegschauen: Selbst das Löwen-Maskottchen fühlt sich unwohl in seiner Haut.
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Zum Wegschauen: Selbst das Löwen-Maskottchen fühlt sich unwohl in seiner Haut.

Die Blauen stehen vor einem Scherbenhaufen. Die Zukunft des Klubs ist völlig ungewiss. Nach dem Abstieg in den Amateurfußball beantworten die wichtigsten Fragen.

München - „Da Ismaik zoid!“, rief Christl Estermann und strahlte übers ganze Gesicht. Kurz nach zwölf zeigte die Uhr. Und soeben hatte eine Internet-Spekulation die Runde gemacht, wonach Hasan Ismaik die elf Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz zur Verfügung stellen würde. Eine von gefühlt tausend Fehleinschätzungen der letzten Tage…

Um 15.41 Uhr, elf Minuten nach Ende der DFB-Frist, herrschte Gewissheit: Kein frisches Geld, keine Lizenz, Abstieg in die Regionalliga. Aber trotzdem keine Ausstiegserklärung von Ismaik. Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen, wie es jetzt weitergehen soll beim TSV 1860.

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Warum hat Ismaik nicht bezahlt?

Der Investor beteuerte in seiner Mitteilung um 15.41 Uhr, „bis zur letzten Minute um eine Lösung gekämpft“ zu haben. Seine „begründeten Forderungen“ seien bei den Verantwortlichen des e.V. auf taube Ohren gestoßen. Vizepräsident Heinz Schmidt widersprach dieser Version deutlich. Auch in der letzten Fassung der Forderungen seien Punkte dabeigewesen, „die unserer Satzung widersprochen hätten“ und damit unerfüllbar waren. Die SZ berichtet, dass Ismaik bei Fristablauf um 15.30 Uhr gerade mit einem Redakteur der Zeitung telefoniert habe.

Gibt es Hinweise, dass Ismaik die Brocken hinwirft?

Nicht wirklich. Der Investor erhofft sich von der Mitgliederversammlung am 2. Juli, dass ihm die Basis mehr Macht und der Profi-KGaA die Jugendabteilung geben werde. Er wolle den Klub „weiterhin unterstützen“ und „notwendige Veränderungen“ vorantreiben, hieß es in Ismaiks Schreiben. Der SZ sagte er, dass RB Leipzig in der fünften Liga angefangen habe…

Einmal Löwe, immer Löwe? Hasan Ismaik will den Verein auch im Amateurfußball unterstützen.

Gilt die 50+1-Regel in der Regionalliga nicht?

Ismaik scheint das anzunehmen, befindet sich aber auf dem Holzweg, wie BFV-Präsident Dr. Rainer Koch klarstellte: „In allen bayerischen Ligen gilt die 50+1-Regel. Herr Ismaik muss diese beachten. Sollte vonseiten des Investors versucht werden, den Verein unter Kontrolle zu bekommen, wird für den TSV 1860 kein Platz in einer der bayerischen Amateur-Spitzenligen sein.“ Wie die SZ berichtet, will der Investor nun vor Gericht gegen die Regelung klagen, die ihn ausbremst. Auch die von Ismaik beabsichtigte Einverleibung der Jugendmannschaften sei mit den Statuten des BFV nicht vereinbar.

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Wie stark ist der e.V.?

Auch ohne einen Präsidenten ist der e.V. handlungsfähig. Vize Hans Sitzberger sagte am Freitag zum Thema Ismaik: „Es ist seine Sache, ob er aussteigen will. Mir würde es nix ausmachen.“ Kollege Schmidt ergänzte: „Wir haben Ismaik in dieser Saison viele Freiheiten gegeben und Entscheidungen bis fast zur Selbstverleugnung mitgetragen. Künftig werden wir 50+1 wieder mehr in den Mittelpunkt stellen.“

Sind die Löwen schon für die Regionalliga angemeldet?

Nein. Die Anmeldung obliegt dem Geschäftsführer der KGaA, den es nach dem Abgang von Ian Ayre aktuell nicht gibt. Ismaik wollte Anthony Power zurück auf diesen Posten hieven, bekam aber keine Mehrheit im paritätisch besetzten Geschäftsführungs-Beirat, in dem neben Ismaik und seinem Bruder Yahya auch die e.V.-Vertreter Markus Drees und Robert von Bennigsen sitzen. „Sollten sich die Gesellschafter nicht einigen können, wird es einen Notvorstand geben müssen“, sagte Vizepräsident Schmidt. Eine Entscheidung über einen neuen Geschäftsführer werde es „in den kommenden Tagen“ geben müssen. Die Regionalliga beginnt am 13. Juli in Memmingen.

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In welchem Stadion wird 1860 spielen?

Dazu gab es am Freitag noch keine klare Antwort. OB Dieter Reiter sagte auf tz-Nachfrage: „Wenn sich der TSV 1860 bei mir meldet, bin ich gerne bereit, mit dem Verein über die Rückkehr ins Grünwalder Stadion zu sprechen.“

Wie wird das Team aussehen?

Die Spieler der abgelaufenen Saison sind nicht zu halten, 1860 hatte den drittteuersten Kader der 2. Liga. U21-Trainer Daniel Bierofka sagte in dieser Woche, er könne sich vorstellen, dass seine Nachwuchstruppe als Basis für die neue Mannschaft passen würde. Allerdings ging er dabei noch von einer Teilnahme an der 3. Liga aus. Wer das Team trainieren wird, ist offen; Abstiegscoach Vitor Pereira hätte schon in Liga drei nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Pressestimmen zum Sechzig-Absturz: „Ismaik lässt Löwen fallen“

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Besteht Insolvenzgefahr für die KGaA?

Eine Zahlungsunfähigkeit liege nicht vor, sagte Schmidt. Die bestehende Überschuldung sei dann kein Insolvenzgrund, wenn es eine positive Fortführungsprognose für das Unternehmen gebe. Feststellen müsse dies der neue Geschäftsführer.

Müssen sich mit Hasan Ismaik auseinandersetzen: Die Vizepräsidenten Hans Sitzberger (l.) und Heinz Schmidt sind aktuell die ranghöchsten Vertreter des e.V..

Was sagen die Fans?

„Ich habe von Anfang an vor der Arena mit dem FC Bayern gewarnt. Die ist auf die Champions League ausgelegt. Mit der Arena ging es bergab. Jetzt wird es schwer, wieder auf die Beine zu kommen.“
Georg R., Pensionär, München

„Schon länger habe ich ­gesagt, dass Schluss sein muss. Der Ismaik kann nicht gegen den DFB entscheiden. Mir tut es für die Angestellten leid. Jetzt muss man schauen, dass man gute Leute zusammenbringen. Die 4. Liga ist kein Spaziergang!“
Peter Brünner (54), Koch, München

„Ich war lange Zeit für ­Hasan Ismaik, aber jetzt muss Schluss sein. Wir brauchen einen Neustart. Mit ihm wird es den nicht geben. Wir ­haben es schon einmal ­geschafft, neu anzufangen. Ich bin sicher, es kann auch jetzt mit den Fans klappen.“
Niki Wiendl (21), FSJler, München

Sechzig und Ismaik: Der Niedergang in sechs Akten

L. Krammer, F. Fussek, dpa

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