Fröhling angefressen

"Wie kann man nur so eine Leistung abrufen?"

+
Torsten Fröhling (l.) war am Montag verärgert.

München - Die Löwen machten am Montag die Schotten dicht. Geheimtraining! Trainer Torsten Fröhling spricht von einer "beschissenen Phase" - und zeigt sich angefressen.

Zwei Ordner standen im Weg, ein Absperrseil war aufgespannt – an der Grünwalder Straße war am Montag mal wieder Geheimtraining angesagt. Einen Tag nach der erschütternden 0:3-Heimpleite gegen Union Berlin machte man beim TSV 1860 die Schotten dicht. Zu spät? Auch damit war nicht mehr zu verhindern, dass den Löwen das Wasser mittlerweile bis zum Hals steht. Platz 17, ein Abstiegsrang, ist drei Spieltage vor Ende der Saison die traurige Wahrheit. Aber nicht nur, dass das Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand – es bestand wohl Angst vor pöbelnden Fans – auch die Tatsache, dass kein entspanntes Auslaufen für die Stammspieler auf dem Programm stand, war neu.

Stattdessen fanden Tempoläufe für den gesamten Kader statt. „Wir wollten unter uns sein, und die Mannschaft wollte heute zusammen trainieren“, erklärte Fröhling.“ Der Ausdruck „die Mannschaft wollte“ war aber wohl eher als zynischer Hinweis des Trainers zu verstehen, dass sich die Spieler die harte Extraschicht mit ihrer Darbietung am Sonntag gegen Union kräftig erarbeitet hatten. Denn wen immer man ansprach von den Profis, jeder erklärte, dass Form und Art des Trainings auf Geheiß von Fröhling stattfand. Dieser wollte eigentlich wegen eines privaten Termins am Montag in Hamburg sein. „Ich stand schon am Flughafen“, verriet Fröhling. Dann aber machte er doch wieder kehrt. Die Mannschaft im Eimer, der Trainer im 800 Kilometer entfernten Hamburg – das wäre sicherlich nicht ganz so gut angekommen.

Zumal Fröhling selbst aussprach, was jeder im blauen Lager denkt: „Wir sind in einer beschissenen Phase.“ Und er verlieh seiner Enttäuschung darüber auch deutlich Ausdruck: „Wenn ich nach dem Spiel vom Platz gehe, muss ich nicht mehr stehen können, dann muss ich alles rausgehauen haben. Aber bei uns haben höchstens drei, vier Spieler annähernd Normalform gezeigt.“ Absolut unverständlich für den Löwencoach nach dem ansprechenden Auftritt beim 1:1 in Düsseldorf: „Wie kann man nur sieben Tage später dann so eine Leistung abrufen? Eine Katastrophe!“

Vor allem Ilie Sanchez lieferte im zentralen Mittelfeld eine unterirdische Darbietung ab. Ohne Tempo, ohne Engagement – und die Pässe des Spaniers hatten eine Streuung wie beim Rebhuhnschießen. „Ich werde darüber nicht öffentlich sprechen“, sagte Fröhling, als er auf Sanchez angesprochen wurde – und kam daher sofort auf Rubin Okotie zu sprechen. „Wenn einer sagt, dass er fit ist, dann muss er so eine Chance wie sie sich ihm geboten hat, auch reinmachen.“

Sanchez zählt ja zu den „Entdeckungen“ von Gerhard Poschner, der jetzt im Bayerischen Fernsehen Stellung zu den Geschehnissen beim TSV 1860 bezog. Und in Zusammenhang mit der derzeitigen Lage und zu hohen Erwartungen unter anderem davon sprach, dass „1860 in den letzten zehn Jahren in der 2. Liga im Durchschnitt Platz acht bis neun belegt hat. Wir sind mittlerweile fester Bestandteil der 2. Liga“. Wenn er sich da mal nicht täuscht…

Am Freitag geht es schon beim FSV Frankfurt weiter, die Löwen müssen punkten, punkten, punkten. Aber Fröhling, der dritte Trainer in dieser Saison, sagt selbst: „Seit ich hier bin, habe ich auch keine Konstanz reingekriegt.“ In den letzten drei Spielen wäre sie bitter nötig…

tz

Bilder: Geheimes Löwen-Auslaufen nach der Union-Pleite

Bilder: Geheimes Löwen-Auslaufen nach der Union-Pleite

Auch interessant

Meistgelesen

Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!
Jan Mauersberger und Nicolas Feldhahn: Ja, es ist ein Derby!
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?

Kommentare