Yegenoglu nimmt sich Elfer nicht zu Herzen

"Ich musste eine Sekundenentscheidung treffen"

+
Kein „Hallo-wach-Effekt“: Nach einem Foul von Yegenoglu an Halimi verwandelt Schahin den spielentscheidenden Elfmeter. Eicher ohne Chance.

München – Der von Sertan Yegenoglu verschuldete Elfmeter entschied eine schwache Löwen-Partie gegen den FSV Frankfurt. Während sich Benno Möhlmann ärgerte, gab sich Daniel Adlung kämpferisch.

Elfmeter oder Schwalbe? Noch Minuten nach dem Schlusspfiff wurde über die spielentscheidende Szene diskutiert. Sky packte sämtliche Zeitlupen aus, auch die Superzeitlupe brachte keine endgültige Klarheit – und dann betrat Sertan Yegenoglu die Interviewzone. Grashalm auf dem Augenlid, Trikot in der Hand. Abgekämpft sah der Löwen-Verteidiger aus, doch er versuchte erst gar nicht, die Schuld von sich zu weisen. „Ein Kontakt war da“, sagte der 20-Jährige zu seiner Grätsche, die FSV-Spielmacher Besar Halimi zu einem geschickten Hinfaller genutzt hatte. „Er hat das schlau gemacht. Es war eine Sekundenentscheidung, die ich treffen musste. Fehler passieren, aber das wird mir nicht lange nachhängen.“

Kann man vom TSV 1860, Yegenoglus Verein, so nicht behaupten. Die 0:1-Heimpleite, die das November-Hoch der Löwen beendete, hat mittelfristig gravierende Auswirkungen. Sechzig beendet die Hinrunde auf Platz 17, mit historisch wenigen Punkten (14). Obendrein hat es die Mannschaft versäumt, den FSV, Benno Möhlmanns Ex-Klub in den Abstiegskampf zu ziehen. „So gesehen war das ein extrem wichtiger Sieg“, sagte der zufriedene Gäste-Kapitän Manuel Konrad.

Serie vorbei: Einmal die Note 5 - Bilder vom Spiel

Serie vorbei: Einmal die Note 5 - Bilder vom Spiel

Im Gästeblock, wo 13 Tage zuvor noch 4000 St. Pauli-Fans für Stimmung gesorgt hatten (trotz der 0:2-Pleite), wäre am Freitag viel Platz für einen weiteren, großen Werbebanner gewesen. Nur 71 von der Polizei handgezählte FSV-Fans hatten das zweite Advent-Wochenende mit einem Ausflug nach München begonnen. Sie fügten sich ein in eine insgesamt trostlose Kulisse, doch immerhin: Zur Pause wurden in der Kurve der Frankfurter begeistert drei schwarz-blaue Fahnen geschwenkt. Mit 1:0 lagen die Gäste nach 45 Minuten in Führung. Durch einen berechtigten Elfmeter zwar, aber vom Spielverlauf her doch etwas überraschend.

Nach nervösem Start und vielen Abspielfehlern hatten sich die Löwen Mitte der ersten Halbzeit ein spielerisches Übergewicht inklusive Chancen-Plus erarbeitet. Vor allem der lange Fejsal Mulic, der erneut rechts aushelfen musste, überzeugte mit mutigen Aktionen nach vorne und zwei kernigen Abschlüssen (24., 43.). Auch Rubin Okotie, der Hattrick-Held vom 4:4 in Paderborn, hatte einen gefährlichen Kopfball auf das FSV-Tor gebracht (30.), doch wer vorne nicht trifft, wird eben hinten bestraft. „Ich denke, dass wir vor allen Dingen in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel gekommen sind“, grantelte Möhlmann.

Die Hoffnung auf eine weitere Aufholjagd lebte zunächst weiter, denn alle sieben Tore in Möhlmanns Amtszeit hatten die Löwen in der zweiten Halbzeit erzielt, das früheste in der 54. Minute (Liendl gegen St. Pauli). Und diesmal? Holte sich Liendl in der 55. Minute eine Gelbe Karte ab. Frust und Verzweiflung machten sich breit, auch beim Publikum. Möhlmann reagierte und brachte zwei frische Offensivkräfte: Stefan Mugosa und U21-Torjäger Nico Karger, der sein Profi-Debüt feierte. Schon in der 63. Minute setzten die Löwen alles auf eine Karte.

Ein Fernschusskracher von Daniel Adlung (65.) weckte noch einmal Zuversicht, doch zu einem echten Aufbäumen waren die Löwen gegen die abgezockten Defensivkünstler des FSV nicht in der Lage. Auch der zuletzt gefeierte Okotie blieb blass, und ab der 70. Minute hallten die ersten Pfiffe durch die gespenstisch leere Arena.

Ein moralischer Nackenschlag, diese am Schluss mit gesenkten Köpfen ertragene 0:1-Pleite? „Mit etwas Glück hält der Vitus den Ball“, sagte Adlung: „Ich denke, heute hat uns so ein Hallo-wach -Effekt gefehlt, um wieder richtig in die Puschen zu kommen.“ Entmutigen lassen will er sich trotzdem nicht. „Wir sollten gucken, dass wir Punkte holen, dann wird sich die Tabelle von alleine regulieren.“ Gegen Heidenheim, zum Rückrundenstart am kommenden Freitag, sind drei Punkte jetzt fast schon ein Muss.

Der Ticker gegen Frankfurt zum Nachlesen.

Uli Kellner 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
Klare Worte: Das sagt Bierofka zu Zündlern im Sechzig-Block
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
So wurden die Sechzig-Bosse in Augsburg schikaniert
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?
Nach Korb im Sommer: Ärgert Mölders die Bayern ein zweites Mal?
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…
Ist das ein richtiges Derby? Für Bierofka keine Frage…

Kommentare