Die Sechziger treffen auf Braunschweig – da schwingt Nostalgie mit

TSV 1860: Der große Löwen-Vergleich - „Da werden wir uns gewaltig strecken müssen“

Duell zweier Aufstiegstrainer: Michael Köllner vom TSV 1860 (l.) und Braunschweigs Michael Schiele
+
Duell zweier Aufstiegstrainer: Michael Köllner vom TSV 1860 und Braunschweigs Michael Schiele.

Der TSV 1860 München trifft heute im Traditionsduell auf die Eintracht aus Braunschweig. Das Löwen-Duell könnte wegweisend für die Saison sein.

München – Löwen gegen Löwen. Bei aller sportlichen Rivalität wird an diesem Samstag auch eine gehörige Portion Nostalgie mitschwingen, wenn Eintracht Braunschweig den TSV 1860 empfängt. „Braunschweig ist ein starkes Kaliber“, sagt Sechzig-Trainer Michael Köllner. „Da werden wir uns gewaltig strecken müssen, um dort eine Chance zu haben.“ Hier der große Löwen-Vergleich.

Tradition: Beide Bundesliga-Gründungsmitglieder von 1963 durften sich vor gut einem halben Jahrhundert Deutscher Meister nennen. Die Münchner Löwen 1966 als einer der Favoriten in der dritten Saison, Braunschweig als krasser Außenseiter ein Jahr darauf. Geschichtsbewusste Fans können die Namen der alten Helden von Meister-Kapitän Peter Grosser († 2021) bis zu seinem Gegenüber Joachim Bäse († 2020) bis heute im Schlaf aufsagen. Auch an diesem Samstag wird der Braunschweiger Anhang in der 67. Spielminute wieder seine Meisterschafts-Gesänge anstimmen.

Das Wappentier ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der Traditionsclubs 1860 und Braunschweig.

Finanzen: Das Budget des TSV 1860 liegt bei rund fünf Millionen Euro, Absteiger Braunschweig hat mehr finanzielle Beinfreiheit und will sich bis Transferschluss noch mit einem Innenverteidiger verstärken. Bislang kamen sieben Spieler, vier davon aus der Zweiten Liga, darunter die zentralen Stürmer Lion Lauberbach und Benjamin Girth von Holstein Kiel. Namhafte Abgänge: Fabio Kaufmann (KSC), Yassin Ben-Balla (Ingolstadt), Nick Proschwitz (Hoffenheim II) und Marcel Bär, der bekanntlich zu den Löwen des Südens wechselte. Beim Wert des Gesamtkaders herrscht nahezu Gleichstand. Glaubt man den Zahlen von transfermarkt.de, liegt Braunschweig bei 6,58 Millionen Euro, Sechzig bei 6,45.

8175 Zuschauer in Braunschweig - 550 Gäste-Fans

Bilanz: Von den letzten zehn Vergleichen konnte 1860 nur drei gewinnen, das jüngste Duell dafür umso deutlicher. 4:1 hieß es zum Rückrunden-Auftakt 2020 im vollgepackten Grünwalder Stadion, zweimal traf Sascha Mölders. Am Ende stiegen trotzdem die Braunschweiger auf. In der ewigen Bundesligatabelle rangiert die Eintracht mit 903 Punkten (aus 706 Spielen) auf Platz 20, Sechzig folgt einen Rang dahinter mit 884 Zählern (672). Beide könnten in dieser Saison vom SC Freiburg (852/716) überholt werden.

Spielstätten: Im bundesligatauglichen Eintracht-Stadion sind am heutigen Samstag 8175 Fans zugelassen, 550 Tickets waren im Vorverkauf für die Gästefans reserviert. Insgesamt liegt die Kapazität des städtischen Braunschweiger Stadions bei 23 325 Plätzen (alle überdacht). Im Fall des Grünwalder Stadions will der Münchner Stadtrat im Herbst über die Zweitliga-Ertüchtigung entscheiden. Seit der Machbarkeitsstudie aus dem Sommer 2019 ist nichts Entscheidendes vorangegangen.

Duell zweier Aufstiegstrainer: Michael Köllner vom TSV 1860 (l.) und Braunschweigs Michael Schiele.

Trainer: Sowohl Michael Schiele als auch Michael Köllner dürfen sich Aufstiegstrainer nennen. Schiele schaffte das Kunststück 2020 mit den Würzburger Kickers, als er auf der Zielgeraden u.a. die Sechziger ausbremste (2:1-Auswärtssieg) und in die Zweite Liga aufstieg. Köllner katapultierte den 1. FC Nürnberg 2018 sogar noch eine Klasse höher. Gemeinsamkeit 1: Beide Trainer mussten bald danach gehen. Gemeinsamkeit 2: Beide Clubs stiegen dennoch direkt wieder ab.

Braunschweig mit aufsteigender Formkurve - 1860 mal so, mal so

Formkurve: Die von den meisten Drittliga-Trainern als top Aufstiegsfavorit genannten Braunschweiger haben sich stabilisiert. Nach dem 0:4-Schock gegen Viktoria Berlin gab es drei Siege in Serie gegen Halle (2:0), Zwickau (2:0) und Verl (3:0). Beim TSV 1860 beschrieb Trainer Köllner die aktuelle Lage am Donnerstag „zwischen Gut und Böse, zwischen Tag und Nacht“. Wirklich schlau werden konnte man aus den wechselhaften Leistungen in dieser Saison tatsächlich noch nicht.

Das Wappentier ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der Traditionsclubs 1860 und Braunschweig.

Bemerkenswert: Mit Marcel Bär, Merveille Biankadi, Kevin Goden und Quirin Moll stehen gleich vier Ex-Braunschweiger bei 1860 unter Vertrag. Moll muss nach einem Tritt in die Wade aus dem Köln-Spiel allerdings für das Löwen-Duell passen.

Auch interessant

Kommentare