Pächter Lankes feiert Eröffnung

Neuer Glanz im Löwen-Stüberl - „Brutal, was da für Emotionen aufkommen“

+
Wiedereröffnung des Löwen-Stüberls in München-Giesing: Günther Gorenzel mit Pächter Benedikt Lankes und dessen Freundin Bernadet

Relativ früh am Dienstag zeigte sich, dass der TSV 1860 einen würdigen Nachfolger für die in Rente gegangene Christl Estermann gefunden hat. Der Einstand des neuen Löwenstüberls war emotional.

München - Bekanntlich war die in Rente gegangene Kultwirtin nah am Wasser gebaut: Ob der TSV 1860 dramatisch siegte, schmerzhaft verlor oder einen lieb gewonnenen Trainer vor die Tür setzte – die Christl hatte ihren Tränen häufig freien Lauf gelassen. 

Nun jedoch steht Benedikt Lankes (32) vor dem wiedereröffneten Löwenstüberl, gerahmtes Trikot neben sich, die warmen Worte des Geschäftsführers noch im Ohr – und alles ist wie immer. „Keine Emotionen!“, habe er sich in der Früh geschworen, doch als er dann seine Freundin zu sich bittet, um mit einem Blumenstrauß Danke für die Unterstützung in arbeitsreichen Nächten zu sagen, da steigt auch beim neuen Wirt das Wasser in den Augen auf.

Löwenstüberl: Eröffnungstermin stand auf wackeligen Beinen

„Es war eine Mammutaufgabe“, sagt er später, als er abseits des Trubels die Gedanken sortiert. Es sei ein rechter Verhau gewesen, den er übernommen hat, „aber da bin ich der Christl gar nicht bös. Sie ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste.“ Noch vor 14 Tagen war sich Lankes nicht sicher, ob er den geplanten Eröffnungstermin schaffen würde. „Vor einer Woche war ich dann so weit zu sagen: Ja, wir kriegen es wohl hin.“ Sein Dank gilt nicht nur fleißigen Handwerkern, sondern vor allem der Familie, den Schwiegereltern – einfach allen, die mitangepackt haben, um die „historische Stätte“ (Lankes) wieder in eine vorzeigbare Vereinsgaststätte zu verwandeln.

Die Löwen spielten eine Partie Karten, der neue Löwenstüberl-Pächter Benedikt Lankes servierte zur Wiedereröffnung eine Brotzeit.

Wenn man sich umschaut, ahnt man, was Lankes meint: Das alte Stüberl – es erstrahlt in einem frischen Glanz, ohne jedoch seinen speziellen Charakter verloren zu haben. Allein den Fliesenboden vom Nikotinstaub zu befreien, sei eine Herkulesaufgabe gewesen. Dazu wurden Stühle und Bänke mit blauem Leder bezogen, die Decke gestrichen, eine stylische Sperrholztheke mit Löwenlogo eingebaut und Fotos aus allen 1860-Epochen aufgehängt. „Und wenn man dann da vorne steht, dann kann man leider nicht anders“, sagt Lankes über seine Gefühle beim Eröffnungsakt im Beisein der versammelten Profimannschaft: „Brutal, was da für Emotionen in einem hochkommen.“

TSV 1860: Das sind die Preise im neuen Löwenstüberl

Der Christl wäre es höchstwahrscheinlich nicht anders ergangen, wenn sie gesehen hätte, was aus ihrem Wohnzimmer geworden ist. Trotz Einladung hat sie aber in der Früh abgesagt. „Zu viele Emotionen für sie“, sagt Freundin Moni, die früher im Löwenstüberl serviert hat. Gekommen sind dafür Christls alte Stammgäste. Die Schafkopfer zum Beispiel haben gleich ihren alten Tisch an der Lorant-Gedächtnis-Eckbank eingenommen – und auch sie äußern sich begeistert. „Übersichtlicher. Nicht so verschnörkelt wie bei der Christl“, urteilt Ernst Brummer (72). Mitspieler Günther Marburger (66) sagt: „Wir haben uns gleich wieder unseren Platz gesichert – nicht dass er weg ist.“

Das könnte leicht passieren, denn nach der kleinen Feierstunde beginnt am Mittwoch der Alltag für das neue Stüberl. Lankes’ Ziel ist, die traditionsreiche Boazn des TSV 1860 wieder zu einem Ort zu machen, an dem sich alle treffen, die den Münchner Löwen im Herzen tragen: Ismaik-Fans und -Skeptiker genauso wie Anhänger und Gegner des Präsidiums. Hauptsache, sie lassen ihre Gesinnung vor der Tür, unter dem neuen Regendach. „Bei mir lautet der gemeinsame Nenner: 1860, die Mannschaft – und eine Halbe Bier“, sagt Lankes: „Oder zwei.“ Zum fairen Preis von 3,60. Auf der Karte ansonsten zu finden: die Löwenjausn für 9,20 Euro, Leberkassemmeln (2,50 Euro) und jede Menge Würste mit und ohne Kartoffelsalat (zwischen 4,90 und 8,60). Als Hommage an die Christl will sich Lankes auch gleich heute an die berühmten Schinkennudeln heranwagen, nach denen alle immer fragen. „Ich stell’ mich direkt dem Vergleich“, sagt er und lacht.

Lesen Sie auch: Die Jugendarbeit der Löwen galt lange als Prunkstück, doch aktuell spielen die höchsten Jahrgänge nicht mehr erstklassig. Der neue NLZ-Chef soll dies schleunigst ändern.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Pokalheld Hiller wird auf Händen getragen
Pokalheld Hiller wird auf Händen getragen
„Geht mir auf den Sack“ - Löwen-Stürmer kündigt Karriereende an
„Geht mir auf den Sack“ - Löwen-Stürmer kündigt Karriereende an
Ohne Effe gegen Effe? Bekiroglu-Ausfall gegen Uerdingen droht
Ohne Effe gegen Effe? Bekiroglu-Ausfall gegen Uerdingen droht
Wundertüte Uerdingen? 1860-Coach Bierofka erwartet “Effe-Effekt”
Wundertüte Uerdingen? 1860-Coach Bierofka erwartet “Effe-Effekt”