Der Meisterlöwe spricht

Grosser im Geburtstags-Interview: „Mir wird‘s nicht langweilig“

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Peter Grosser im großen tz-Interview.

Ex-Löwe Peter Grosser feiert seinen 80. Geburtstag und spricht im großen tz-Interview über seine Zukunft und den nötigen Umbruch in der DFB-Elf. 

München - Mit den Löwen stemmte er 1966 die Meisterschale, die SpVgg Unterhaching baute er als Trainer und Vizepräsident zu einem Profiverein auf. Am heutigen Freitag feiert Peter Grosser seinen 80. Geburtstag. Die tz traf den rüstigen Jubilar zum Interview in der Schrannenhalle. 

Herr Grosser, Sie sind gerade mit dem Fahrrad vorgefahren. Fragen zur Gesundheit können wir uns also sparen… 

Grosser: Ich fühle mich jedenfalls nicht wie 80, wenn Sie das meinen (lacht). Das einzige, was Probleme macht, sind meine Knie. Beim Radlfahren geht’s, ich hab ja vom Asamhof nicht weit. Aber beim Gehen tut’s weh. Die Knorpel sind durch meine O-Bein-Stellung ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, möglicherweise steht da bald eine Operation an. Der Färber Rudi („Sedlmayr“-Wirt und großer Löwenfan) hat sich vor ein paar Monaten beide Knie neu machen lassen, dem geht’s super damit. 

Welche Aufgaben haben Sie mit 80 noch? 

Grosser: Genügend, dass es mir nicht langweilig wird. Ich kenne viele Leute, die ich für Projekte zusammenbringe, zum Beispiel in der Immobilienbranche. Und den Fußball verfolge ich natürlich auch noch intensiv. Aber fast nur noch am Fernseher. Stadion, das brauch ich nicht mehr. Auch die Arena nicht. Das letzte große Spiel, bei dem ich draußen war, war das 0:4 von Bayern gegen Real Madrid 2014. Wir sind erst um Mitternacht zum Parkhaus und trotzdem noch über eine Stunde gestanden. Das muss ich mir nicht mehr antun. 

Was bedeuten Ihnen ihre Erfolge als Spieler heute noch? 

Grosser: Das sind mit die schönsten Erinnerungen meines Lebens. 1965 das Europapokalfinale gegen West Ham United in Wembley, die Fairness der englischen Fans, die auch unsere Aktionen beklatscht haben - unvergesslich. Die Meisterschaft ein Jahr später… Ich schätze, ich werde noch für einige Zeit der einzige 1860-Spieler sein, dem die Schale überreicht wurde. Und auch an die Nationalmannschaft habe ich schöne Erinnerungen. In meinem ersten Länderspiel in Solna gegen Schweden habe ich Uwe Seeler den Siegtreffer aufgelegt. Ohne dieses 2:1 wäre Deutschland nicht zur WM nach England gefahren.

Sie sind nicht mitgefahren… 

Grosser: Ja, das war damals ein monatelanges Hin-und-Her mit Helmut Schön. Einmal wurde ich eingeladen, dann wieder nicht. Am Schluss hab ich ihm gesagt, dass ich jetzt keine Lust mehr habe. Im Nachhinein hab ich es natürlich bereut. 

Wie sehen Sie die Nationalmannschaft heute? War es richtig, nach der WM an Jogi Löw festzuhalten? 

Grosser: Wenn ich die beiden Spiele gegen Frankreich und Peru nehme, dann war es falsch, keinen neuen Trainer zu holen. Die haben den selben Stiefel weitergespielt - ohne Tempo, ohne Ideen. Die ganze Misere ist Löw geschuldet. Sein arrogantes Auftreten hat sich auf die Mannschaft übertragen. Ich traue ihm den nötigen Umbruch oder Aufbruch nicht zu. 

Peter Grosser im Interview mit Sport-Reporter Ludwig Krammer.

Wer wäre Ihr Mann? 

Grosser: Matthias Sammer. Der hat das nötige Feuer, kennt sich perfekt aus und scheut auch ein hartes Wort nicht. Für mich wäre er als Bundestrainer die Idealbesetzung. 

Was würden Sie sich als junger Spieler in der heutigen Zeit zutrauen? 

Grosser: Fußballerisch hätte ich keine Probleme. Wer kann denn heute noch einen ausspielen? Und athletisch würde ich mir auch keine Sorgen machen. Das Training heute ist ja mit früher nicht mehr zu vergleichen. Max Merkel hat nach Laune trainiert, nicht nach System. Und auch die Ernährung war früher kontraproduktiv. Wir haben am Spieltag Filetsteak mit Pommes Frites bekommen und sollten möglichst wenig trinken. Aus heutiger Sicht ein schlechter Witz. 

Wie werden Sie Ihren 80. feiern? Mit Filetsteak und Pommes Frites? 

Grosser: (lacht) Auf jeden Fall im privaten Kreis. Ich bin kein Freund von großen Feiern. Und ich hab auch keine Wünsche über die Gesundheit hinaus. Wenn es so weitergeht, dann bin ich zufrieden. 

Lesen Sie auch: Später Schock für starke Löwen - Punkteteilung im Derby.

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